09.01.2020, 15:20 Uhr

In der Arrestzelle ausgetickt Prozess wegen Körperverletzung – 23-Jähriger soll Jugendliche und Polizisten angegriffen haben

Der Angeklagte und zwei Polizisten beim Prozessauftakt am Donnerstag, 9. Januar 2020. (Foto: kl)Der Angeklagte und zwei Polizisten beim Prozessauftakt am Donnerstag, 9. Januar 2020. (Foto: kl)

Am Donnerstag, 9. Januar 2020, begann am Amtsgericht Regensburg der Prozess gegen einen 23-jährigen Syrer. Ihm werden eine Reihe von Sachverhalten vorgeworfen. Der Angeklagte soll unter anderem im April 2019 im Stadtpark Hemau eine Gruppe Jugendlicher angepöbelt und bedroht haben. Im Juni 2019 soll er auf einem Sportplatz in Hemau aggressives Verhalten gegenüber Polizisten gezeigt haben. Beim Prozessauftakt sagten am Vormittag zwei der Jugendlichen und ein Polizist als Zeugen aus.

REGENSBURG Zunächst ging es am Donnerstag um den Sachverhalt am 27. April 2019 im Stadtpark in Hemau. Zwei geschädigte Jugendliche erzählten vor Gericht ihre Sichtweise zu dem Vorfall. Der erste Zeuge berichtete, dass er mit Freunden auf den Treppen im Stadtpark gesessen sei und sich von dort aus alleine auf den Weg zur Tankstelle gemacht habe. Auf dem Weg dorthin habe er es sich jedoch anders überlegt und er sei umgekehrt. Dabei sei er am Angeklagten vorbeigegangen, der auf einer Parkbank saß. Der Zeuge habe etwa auf dessen Höhe – jedoch ohne damit den Angeklagten zu meinen – auf den Boden gespuckt. Daraufhin sei der Angeklagte aufgestanden und der Zeuge habe etwas Abstand genommen. Seiner Beobachtung nach sei der Angeklagte alkoholisiert oder unter Drogen gewesen. Dies habe er an den geröteten Augen des Angeklagten und an dessen Gesichtsausdruck bemerkt. Außerdem habe er eine Flasche in der Jackentasche des Mannes gesehen. Der Angeklagte habe aus einem halben Meter Entfernung versucht, ihm mit der flachen Hand ins Gesicht zu schlagen. Als der Zeuge geflohen ist, sei ihm der Angeklagte hinterhergegangen und seine Freunde seien dazugekommen. Der Angeklagte habe dann eine Bierflasche zerschlagen und die Jugendlichen damit aus circa zwei Meter Entfernung bedroht. Er habe zwei oder drei „ruckartigen Bewegungen“ in Richtung der Gruppe ausgeführt, erinnerte sich der zweite Zeuge. Dann habe der Angeklagte die zerbrochene Flasche nach ihm geworfen. Der Flaschenhals habe ihn dabei nur um ein paar Zentimeter am Hinterkopf verfehlt, sodass er sie noch habe spüren können. Die Gruppe sei dann aus dem Stadtpark hinaus in Richtung Schule geflohen und wollte dort die Polizei rufen. Doch plötzlich sei der Angeklagte mit einem „handgroßen“ Stein aus dem Gebüsch herausgetreten. Anschließend habe er den Roller des zweiten Zeugen beschädigt, wobei ein Sachschaden von etwa 100 Euro entstanden sei. Die Jugendlichen haben dann laut ihren Angaben die Polizei verständigt. Die Geschädigten sagten außerdem aus, dass sie Angst vor dem Angeklagten hatten und sich bedroht fühlten.

Als weiterer Zeuge sagte am Donnerstagvormittag ein Polizist aus, der am 27. April 2019 wegen „Streits beziehungsweise Randale“ zum Stadtpark nach Hemau gerufen worden ist. Dort hätten die Jugendlichen aufgebracht die Sachlage geschildert. Auch der Angeklagte sei angetroffen worden. Der Polizist sagte aus, dass dieser sichtlich alkoholisiert gewesen sei, was er am Geruch und an den geröteten Augen bemerkt habe. Der Polizist und seine Kollegin hätten ihm einen Platzverweis erteilt und Unterstützung angefordert, da der Angeklagte „verbal aggressiv“ gewesen sei. Eine Blutaufnahme sei aber nicht nötig gewesen. Der Angeklagte sei nach Ankunft der unterstützenden Polizisten auf Anweisung dann aus dem Stadtpark gegangen.

Der gleiche Polizist war am 20. Juni 2019 zu einem zweiten Vorfall gerufen worden. Der Angeklagte soll bei diesem Fall trotz Hausverbots auf einem Sportplatz in Hemau Fußballspieler angepöbelt haben. Auch hier sei Unterstützung angefordert worden, wie der Zeuge aussagte. Der Angeklagte habe gestikuliert und „herumgefuchtelt“ und nur von allen sechs anwesenden Polizeibeamten zusammen zu Boden gebracht und gefesselt werden können. Er wurde durchsucht, wobei eine in seinem Hosenbund versteckte spitze Schere entdeckt worden sei. Daraufhin sei er in den Streifenwagen beziehungsweise in die Arrestzelle gebracht worden. Laut Angaben des Polizisten habe er nach Ankunft bei der Polizeiinspektion zunächst etwas beruhigter gewirkt. Jedoch sei er kurze Zeit später schon wieder „komplett in einer anderen Welt gewesen“. Er habe in der Zelle randaliert, die Toilettenspülung herausgerissen und um sich und gegen die Gitterstäbe geschlagen. Der Zeuge sei regelmäßig mit zwei Kollegen zur Kontrolle zum Angeklagten gegangen und habe auch eine Rötung in dessen Gesicht wahrgenommen. Offenbar habe er sich selbst verletzt, dann jedoch einen Polizeibeamten der Verletzung beschuldigt. Als sich der Angeklagte ein Stück Plastik an den Hals gehalten hat, sei er ins Bezirksklinikum eingeliefert worden, wobei er sich erneut massiv gewehrt habe. Der als Zeuge geladene Polizist war selbst nicht mehr mit ins Bezirksklinikum gefahren.

Der Prozess wird am Dienstag, 14. Januar 2020, fortgesetzt.


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