02.07.2019, 16:18 Uhr

Kommunalwahlen Bei der Regensburger CSU dringend gesucht – Kandidatin oder Kandidat für das OB-Amt


In diesen Tagen ist in Regensburg eine Frage ganz besonders spannend: Wer wird der nächste Oberbürgermister oder die nächste Oberbürgermeisterin? Während die einen sich schon auf eine Person festgelegt haben, die sie ins Rennen schicken wollen, und die anderen noch auf ein Urteil des Landgerichtes warten, haben bei der CSU aktuell die Mitglieder das Wort.

REGENSBURG Denn: Die Christsozialen haben die komfortable Situation, gleich drei Bewerberinnen und Bewerber zu haben. Dies sind – in alphabetischer Reihenfolge – der Kriminalhauptkommissar Jürgen Eberwein, die Bundestagsabgeordnete und gelernte Journalistin Dr. Astrid Freudenstein und die Rechtsanwältin Dagmar Schmidl. In der Stadt sind alle drei durch ihre politische Arbeit gut bekannt, alle drei sind gut vernetzt – und wollen die CSU-Mitglieder nun von ihren Qualitäten überzeugen. Doch was bewegt die drei, das höchste politische Amt in der Stadt Regensburg anzustreben?

Jürgen Eberwein ist 53 Jahre alt, verheiratet und lebt im Stadtteil Leoprechting. Für Eberwein war der politische Weg fast schon vorgezeichnet, denn sein Vater war insgesamt 30 Jahre als Stadtrat tätig. Nun engagiert sich Jürgen Eberwein im Stadtrat, seit 2017 ist er auch stellvertretender Vorsitzender der CSU-Fraktion. Nun will er einen Schritt weiter gehen und am 15. März 2020 für die CSU als OB-Kandidat antreten.

„Regensburg ist eine liebenswerte Stadt, die sich in den letzten Jahrzehnten enorm entwickelt hat. In Regensburg lebt Tradition und Moderne nebeneinander und miteinander. Ich glaube auch, dass Regensburg weiterhin großes Potential und gute Zukunftsperspektiven hat. Ich möchte dazu beitragen, noch vieles zu bewegen“, sagt Eberwein. „Das Besondere dabei ist für mich, dass die Stadt in ihrer Größe, wirtschaftlichen Entwicklung und Bevölkerungsstruktur sehr weltoffen und ,in Bewegung’ ist, sich aber dennoch überschaubar, ja, fast familiär zeigt. Man kennt sich in Regensburg, hält (meist) zusammen und ist trotzdem offen für Neues.“

Die „großen Herausforderungen in der Zukunft“ machen auch vor Regensburg nicht Halt. Man müsse den erfolgreichen Wirtschaftsstandort sichern, großer Handlungsbedarf bestehe in der Verkehrs- und Wohnungspolitik.

Eberwein setzt auf Teamarbeit, das wolle er auch als OB so umsetzen: „Ich nehme in meinem Beruf bei der Polizei seit 22 Jahren Führungsaufgaben wahr. Insofern ist mir Führung mit allen Facetten vertraut. Mein Beruf bringt mit sich, dass eine Zusammenarbeit als Team unabdingbar ist. Als ,Einzelkämpfer‘ würde man auf der Strecke bleiben. Dies wäre auch in einer Stadtverwaltung mein oberstes und bereits verinnerlichtes Ziel: Zusammenarbeit im Team.“

Dr. Astrid Freudenstein ist 45 Jahre alt, verheiratet und Mutter eines Sohnes. Sie lebt an der Grenze zu Stadtamhof. Seit 2008 vertritt sie die CSU im Stadtrat, 2014 wurde sie in den Bundestag gewählt. 2018 gelang der Einzug in den Bundestag nicht, Freudenstein übernahm die Leitung der Zentralabteilung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Nach den Europawahlen 2019 rückte sie wieder ins Parlament nach. Trotz der Karriere in Berlin sieht sie sich in der Verantwortung in der Stadt Regensburg.

„Mich bewegt, dass sich in Regensburg zu wenig bewegt. Es herrscht Stillstand. Wenn Erfolgsmeldungen vom SSV Jahn, von den Legionären und von den Eisbären kommen, dann ist das wunderbar – aber das reicht nicht! Wir brauchen auch wieder Erfolgsmeldungen aus dem Rathaus. Da möchte ich anpacken“, sagt Freudenstein. Das Besondere an der Stadt sind für sie dabei die Menschen! „Fleißig, offen, bodenständig. Einheimische und Zugezogene. Alte und viele Junge. Eine gute Mischung.“

Die größte Herausforderung sieht Freudenstein darin, das Vertrauen der Menschen wieder zu gewinnen: „Die Kommunalpolitik hat in Regensburg zuletzt keine gute Figur gemacht. Die Wahlkämpfe waren zu teuer, manche Themen der Stadtentwicklung, etwa das RKK, sind total verfahren oder ganz gescheitert. Wir hatten in Regensburg zu viel parteipolitisches Gegeneinander, das hat eigentlich in der Kommunalpolitik gar nichts zu suchen. Wir brauchen einen glaubwürdigen Neuanfang.“

Auch Freudenstein setzt auf das Team im Rathaus: „Zur Zeit trage ich die Verantwortung für das Personal eines ganzen Ministeriums, da menschelt es natürlich schon sehr stark. Aber ganz ehrlich: Ich mag das. Wir haben eben alle unsere Stärken und Schwächen – damit klarzukommen und gemeinsam etwas zu bewegen, und zwar schnell und gut, das ist die Kunst.“

Dagmar Schmidl ist 46 Jahre alt, verheiratet und ebenfalls Mutter eines Sohnes. Sie wohnt im Stadtteil Oberisling. Innerhalb der Partei setzt sie sich vor allem als Kreisvorsitzende der Christlich Sozialen Arbeitnehmerunion (CSA) ein. Zahlreiche Anträge, die die Stadträtin zusammen mit Kolleginnen und Kollegen initiiert hat, fanden im Stadtrat Mehrheiten.

„Mit meinem Interesse an der Kandidatur bringe ich zum Ausdruck, Verantwortung für meine Heimatstadt übernehmen zu wollen und die Stadt, die nach Wahrnehmung vieler Bürger aktuell nur verwaltet wird, wieder aktiv zu gestalten. In Regensburg muss wieder regiert und agiert und nicht nur reagiert werden“, sagt Schmidl. Regensburg so besonders macht, „dass wir alle Vorteile, nicht aber die Nachteile einer Großstadt hier haben. Ich mag die Leute, die Lage am Fluss, den historischen Stadtkern, die vielen kleinen Kneipen, Gaststätten und Geschäfte in den Gässchen der Altstadt, die schönen Plätze und Parks an lauen Sommerabenden und die zahlreichen kulturellen Highlights, die unsere Stadt zu bieten hat.“

Den größten Handlungsbedarf sieht Schmidl bei den Themen Verkehr und Wohnen. „Mit beiden Bereichen beschäftige ich mich als Fachanwältin für Verkehrs-, Miet- und Wohnungseigentumsrecht seit 20 Jahren beruflich und seit zehn Jahren politisch. So bin ich auch in die Stadtratsperiode gestartet mit dem Ansinnen, mich eines ,harmonischen Miteinanders der Kernthemen Wohnungs-, Verkehrs- und Umweltpolitik’ anzunehmen; dies werden auch weiterhin meine Schwerpunktthemen sein.“

Ihren Führungsstil bezeichnet Schmidl als „kooperativ“: „Dies bedeutet, ich gebe zwar Ziele vor, schätze aber die offene Kommunikation und binde jeden mit seinen Fachkenntnissen und Fähigkeiten bestmöglich ein, sodass ein Miteinander funktioniert. Dazu gehört auch Zuhören, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ernst nehmen, für ihre Anliegen ein offenes Ohr zu haben und ihre Ideen anzuerkennen. Meiner Meinung nach fördert das das Engagement im Interesse unserer Stadt.“

„Wir haben das klare Ziel, 2020 den Oberbürgermeister oder die Oberbürgermeisterin zu stellen und stärkste Fraktion im neuen Stadtrat zu werden“, erklärte der Vorsitzende der Regensburger CSU, Michael Lehner, Anfang Juni. „Wir haben ein neues Team, sind gut aufgestellt und hoch motiviert.“ Insgesamt drei Wochen haben die Mitglieder der Regensburger CSU Zeit, sich für Eberwein oder Freudenstein oder Schmidl auszusprechen. Das Ergebnis soll am Freitag, 12. Juli, feststehen. Ende Juli findet dann die offizielle Nominierung der OB-Kandidatin oder des OB-Kandidaten im Rahmen einer Kreisdelegiertenversammlung statt.


0 Kommentare