29.03.2019, 09:48 Uhr

Kriminalitätsstatistik 2018 549 Diebstähle im Raum Neutraubling – auch Internetkriminalität bereitet Sorgen

(Foto: Marcel Mayer)(Foto: Marcel Mayer)

Die Polizeiinspektion Neutraubling betreut eine Fläche von rund 330 Quadratkilometern mit knapp 65.000 Einwohnern. Im Zuständigkeitsbereich sind neben der Stadt Neutraubling und dem Markt Schierling die Gemeinden Alteglofsheim, Barbing, Hagelstadt, Köfering, Mintraching, Obertraubling, Pentling, Pfakofen, Tegernheim und Thalmassing ansässig. In der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) werden die, von der (Kriminal-)Polizei bearbeiteten Verbrechen und Vergehen, einschließlich mit Strafe bedrohter Versuche und die ermittelten Tatverdächtigen beziehungsweise die Opfer/Geschädigten erfasst. Nicht erfasst werden Staatsschutzdelikte und Verkehrsstraftaten.

NEUTRAUBLING Die Kriminalstatistik der Polizeiinspektion (PI)nNeutraubling zählte im Jahr 2018 insgesamt 1.704 Straftaten (1.7692) und weist somit einen leichten Rückgang um 3,7 Prozent auf. Gemessen an den Vergleichswerten der letzten zehn Jahre befinden wir uns damit auf einem niedrigen Niveau. Nur in den Jahren 2016 und 2015 wurden noch weniger Straftaten registriert. Die Aufklärungsquote stieg auf 64,3 Prozent (60) und erreicht somit den höchsten Wert der letzten fünf Jahre. Die Häufigkeitszahl für den gesamten Dienstbereich der PI Neutraubling liegt im Jahr 2018 bei 2.627 Straftaten.

Im internen Ranking der Häufigkeitszahlen präsentiert sich der Gemeindebereich Hagelstadt mit einer sehr niedrigen Häufigkeitszahl von 802 und landet damit sozusagen auf dem ersten Platz. In Hagelstadt wurden innerhalb eines Jahres nur 16 (21) Straftaten gezählt, was einem historischen Tiefstand entspricht. Es folgen die Gemeinden Pfakofen mit nur 18 (20) registrierten Straftaten und einer Häufigkeitszahl von 1.117 und Thalmassing mit 39 (54) und einer Häufigkeitszahl (HZ) von 1.121.

Am anderen Ende der Tabelle rangieren die Gemeinde Pentling (335 Straftaten, HZ 5.528), das Stadtgebiet Neutraubling (630 Straftaten, HZ 4.614) und die Gemeinde Obertraubling (217 Straftaten, HZ 2.599). Die hohe Häufigkeitszahl in Pentling scheint zu überraschen, erklärt sich aber durch einen hohen Anteil von Betrugsstraftaten, die zumeist im Zusammenhang mit Tankbetrügereien oder mit dem Onlinehandel anfielen.

In den sonstigen Gemeinden konnten rückläufige Zahlen festgestellt werden, wobei insbesondere die Entwicklung in Thalmassing erwähnenswert erscheint. Dort wurde ein Rückgang der Straftaten um 27,8 Prozent registriert. Der Wert fiel von 54 auf 39 Fälle und erreichte damit wieder fast den Wert aus dem Jahr 2016. Bei der Aufklärungsquote erreichte Pfakofen mit 83,3 Prozent den Spitzenplatz. Mit 55,8 Prozent lag der Gemeindebereich Pentling auf dem letzten Platz. Diese signifikanten Unterschiede finden ihre Ursache in der Regel in der Art der begangenen Delikte. So waren von den 335 Straftaten in Pentling rund zwei Drittel den Deliktsfeldern Betrug und Sachbeschädigung und somit Taten, die zumeist nur geringe Aufklärungsquoten aufweisen, zuzuordnen.

(Zahlen in Klammern repräsentieren immer den Wert aus dem Jahr 2017. Um die Kriminalitätsbelastung einer Region oder eines Ortes zu beziffern, bedient man sich der Häufigkeitszahl (HZ), das heißt, die Zahl der registrierten Straftaten dividiert durch die Einwohnerzahl und multipliziert mit dem Faktor 100.000, wobei ein niedriger Wert für eine geringe Kriminalitätsbelastung steht)

Eigentumskriminalität

Vorweg darf in diesem Zusammenhang auf die weiterhin positive Entwicklung im Deliktsfeld der Wohnungseinbrüche hingewiesen werden. Der spürbare Anstieg der letzten Jahre konnte bereits 2017 gestoppt und die Fallzahlen im Jahr 2018 nochmals gesenkt werden. Die Zahl der registrierten Taten (versuchte und vollendete Taten) sank auf nunmehr 22 Fälle (36). Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Rückgang um 39 Prozent beziehungsweise 14 Fälle.

Die Tatorte verteilten sich auf mehrere Kommunen im Zuständigkeitsbereich, wobei Neutraubling mit neun Fällen sowie Pentling und Schierling mit jeweils vier Fällen am häufigsten betroffen waren. In Hagelstadt, Thalmassing, Köfering, Pfakofen und Mintraching wurden keine Wohnungseinbrüche registriert.

Generell ist bei der Eigentumskriminalität ein leichter Rückgang um 6,5 PRozent, zu beobachten. Die Gesamtzahl aller Eigentumsdelikte beläuft sich im vergangenen Jahr auf 549 (587) Delikte.

Analysiert man in diesem Zusammenhang die regionale Verteilung, kann ein deutlicher Schwerpunkt im Stadtgebiet Neutraubling ausgemacht werden. Insgesamt ereigneten sich rund 45 Prozent aller Diebstahlsstraftaten (256 Fälle) im Stadtgebiet von Neutraubling. Dazu zählt auch die größte Anzahl an Laden- und Fahrraddiebstählen.

Erfreulich ist der Rückgang der Fallzahlen bei Taten, die den schweren Diebstählen zuzurechnen sind. Dort kann ein Rückgang um 19,3 Prozent verzeichnet werden. Die Fallzahlen sanken von 244 auf 197 Taten.

Beim einfachen Diebstahl hingegen entwickelten sich die Fallzahlen weiterhin marginal nach oben, was vor allem dem Anstieg bei den Laden- und Fahrraddiebstählen geschuldet ist.

Im Einzelnen präsentieren sich die Deliktsbereiche im Hinblick auf die Eigentumskriminalität wie folgt: Diebstahl insgesamt: 549 Fälle (587), Diebstahl einfach: 352 Fälle (343), (Ladendiebstahl: 118 Fälle (90), Fahrraddiebstahl: 86 Fälle (71), Diebstahl schwer: 197 Fälle (244)). Erfreulich ist der Umstand, dass bei Einbrüchen in Firmen, Institutionen, Vereine und Gaststätten ein deutlicher Rückgang verzeichnet werden kann: Firmen/Institutionen: 18 Fälle (28), Vereine etc., Gastronomische Betr.: 5 Fälle (10)

Rohheitsdelikte

In diesen Deliktsfeldern ergaben sich im Vergleich zum Vorjahr keine signifikanten Änderungen, die Fallzahl blieb mit 324 Fällen (329) annähernd gleich. Während bei der gefährlichen und schweren Körperverletzung ein Rückgang um neun Taten auf insgesamt 39 Taten zu verzeichnen ist, stieg im Gegensatz dazu die Zahl der Fälle der einfachen Körperverletzung von 158 auf 182. Daraus einen generellen Anstieg der Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft abzuleiten, sollte aber kritisch hinterfragt werden. In den letzten Jahren ist eine deutlich gestiegene Bereitschaft zur Anzeigenerstattung (unter anderem auch im sozialen Nahbereich) erkennbar. Auch dieser Umstand könnte für eine Steigerung der Fallzahlen verantwortlich sein. Die Aufklärungsquote liegt traditionell Hoch bei 93,8 (95,1) Prozent. Die Raubstraftaten stiegen deutlich von fünf auf elf Fälle und damit um 120 Prozent an, dafür liegt die Aufklärungsquote jedoch bei 100 Prozent (+20 %), das heißt, ein jeder Fall konnte aufgeklärt werden.

Straßenkriminalität

Straftaten, die sich im öffentlichen Raum ereignen und somit besonders geeignet erscheinen, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung negativ zu beeinflussen, werden unter dem Oberbegriff der Straßenkriminalität zusammengefasst. Dazu zählen unter anderem gefährliche Körperverletzungen und Sexualdelikte, aber auch Handlungen im Zusammenhang mit Vandalismus oder Diebstähle.

In diesem Bereich ist ein marginaler Anstieg um drei Fälle oder 0,8 Prozent zu verzeichnen. Im Jahr 2018 wurden insgesamt 361 Fälle registriert. Davon sind 160 Fälle (149) den Sachbeschädigungsdelikten im öffentlichen Raum zuzurechnen. Die Aufklärungsquote konnte geringfügig von 15,4 auf 16,3 Prozent gesteigert werden. Sie ist aber auf dem Feld der Straßenkriminalität traditionell eher niedrig anzusiedeln.

Sexualdelikte

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stiegen von 24 auf 28 Taten an (plus 16,7 Prozent). In diesem Zusammenhang darf auf die Änderungen im Sexualstrafrecht Ende 2016 verwiesen werden. Damit wurden vorhandene Straftatbestände modifiziert aber auch neue Straftatbestände in das Strafgesetzbuch aufgenommen. Die Zahl der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen haben sich halbiert und sind von sechs auf drei Fälle gesunken.

Vermögens-/Fälschungsdelikte

Im Bereich der tatortzuständigen PI Neutraubling ist bei den klassischen Betrugs- und Fälschungsdelikten ein leichter Rückgang von 238 auf 227 Fälle zu verzeichnen. In diesem Fall erscheint jedoch der Hinweis angebracht, dass gerade bei Betrugsstraftaten, die im oder mit Hilfe des Internets begangen werden, steigende Fallzahlen zu beobachten sind. Da der Tatort häufig nicht exakt feststeht oder im Ausland liegt, erscheinen diese Straftaten jedoch nicht oder nur zu einem kleinen Teil in der Statistik der PI Neutraubling.

Rauschgiftkriminalität

Im Zusammenhang mit der Rauschgiftkriminalität korrespondieren hohe Fallzahlen stark mit der polizeilichen Kontrolltätigkeit. Werden die polizeilichen Maßnahmen intensiviert, korreliert dies zumeist auch mit steigenden Fallzahlen.

Im Jahr 2018 wurden 98 Rauschgiftdelikte (97) erfasst. Davon entfallen insgesamt 70 Fälle auf allgemeine Verstöße nach dem Betäubungsmittelgesetz (in der Regel Erwerb oder Besitz). In 15 Fällen wurde wegen des Verdachtes des Handelns oder Einfuhrschmuggel ermittelt. Die sonstigen Straftatbeständige lassen sich unter die Bereiche Anbau von Betäubungsmitteln oder sonstige Deliktsformen subsumieren. Das am häufigsten „verwendete“ Rauschmittel ist weiterhin Marihuana.

Tatverdächtigenstruktur

Von den 933 ermittelten Tatverdächtigen waren 626 im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen lag bei 32,9 (23) Prozent. Somit befanden sich unter den Tatverdächtigen 307 Personen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Rumänische Staatsangehörige waren mit 66 Tatverdächtigen die am stärksten vertretene Gruppe. Deutlich überproportional traten rumänische (39) und auch moldauische (33) Staatsangehörige im Bereich der Diebstahlsstraftaten in Erscheinung. Die Beteiligungsquote von Asylbewerbern liegt bei vier Prozent. In Zahlen ausgedrückt waren in 69 (46) Fällen die Tatverdächtigen Asylbewerber. Bei den Personen mit Flüchtlings- oder Asylstatus waren die Nationalitäten irakisch (14) und syrisch (14) am häufigsten beteiligt.

Jugendliche Tatverdächtige (14 bis 18 Jahre) wurden insgesamt 69 registriert, bei den Heranwachsenden (> 21 Jahre) beläuft sich die Zahl auf 78 Tatverdächtige. Der Anteil weiblicher Tatverdächtiger an den Gesamtsstraftaten liegt bei rund 34 Prozent, wobei es beim einfachen Diebstahl (dort ist auch der Ladendiebstahl einzuordnen) zu einer rund 50-prozentigen Tatbeteiligung kommt.

Fazit

In der Zusammenfassung können die Bürgerinnen und Bürger im Zuständigkeitsbereich der PI Neutraubling im Hinblick auf die Kriminalitätsbelastung weitgehend unbelastet leben. Der sich abzeichnende Trend im Bereich der Wohnungseinbrüche kann grundsätzlich als erfreulich bewertet werden, die Thematik wird aber weiter im Focus der Polizei bleiben. Sorge bereitet weiterhin die zunehmende Zahl an Straftaten, die im oder mit den Möglichkeiten des Internets begangen werden. Die polizeilichen Ermittlungsmöglichkeiten sind auf diesem Sektor aufgrund datenschutzrechtlicher Beschränkungen und der Tatsache, dass die Täter vermehrt aus dem Ausland operieren, zumeist unzureichend. Daher kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, sich im Internet nicht schutzlos oder leichtsinnig zu bewegen, sondern gerade dort eine erhöhte Vorsicht walten zu lassen und immer ein gesundes Misstrauen an den Tag zu legen.

Die Devise sollte lauten: „Es wird einem im Leben zumeist nichts geschenkt, vor allem nicht im Internet“.

Diese Vorsicht gilt auch vor dem Hintergrund der zahlreichen Versuche, vor allem ältere Menschen mit fingierten Telefonanrufen zu betrügen. Angebliche Verwandte oder gar angebliche Polizeibeamte bringen die Opfer dazu, Geld oder sonstige Wertsachen herauszugeben. Immer wieder werden dabei arglose Menschen in verabscheuungswürdiger Weise um ihre gesamten Ersparnisse gebracht, wobei die Vorgehensweisen der Täter immer perfider werden.

Sämtliche Daten basieren wie in jedem Jahr ausschließlich auf der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik 1 der Länder. Sie geben somit nicht in jedem Fall die tatsächlich während eines Kalenderjahres registrierte Kriminalität wieder. Die Straftaten nach ausländerrechtlichen Vorschriften bleiben in der Regel dieser Veröffentlichung grundsätzlich unberücksichtigt.


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