04.10.2018, 16:28 Uhr

Spendenaffäre Christian Schlegl als Zeuge im Prozess gegen Joachim Wolbergs – „Es ist kein Racheakt“

(Foto: ce)(Foto: ce)

Als CSU-Stadtrat Christian Schlegl am Donnerstag, 4. Oktober, im Zeugenstand Platz nimmt, wird es plötzlich sehr still im Gerichtssaal 104. Keiner tuschelt mehr, die Journalisten hören auf, in ihre Tastaturen zu tippen, alle blicken gespannt nach vorne.

REGENSBURG Diese Spannung will so gar nicht zu Schlegls schrillen Socken mit gelben, roten, und blauen Rauten passen, die plötzlich sichtbar werden, als er sich setzt. Wieder einmal geht es im Korruptionsprozess gegen den suspendierten Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs darum, ob das finanzielle Engagement von BTT-Chef Volker Tretzel beim SSV Jahn mit der Baugrundstücksvergabe Nibelungenkaserne zusammen hing.

„Ich hatte mit dem Kollegen Wolbergs immer ein gutes Zusammenarbeiten. Es ist kein Revanche- oder Racheakt. Ich muss keine Abrechnung fahren, weil ich beruflich und privat sehr glücklich bin“, macht Schlegl gleich zu Beginn seiner Aussage deutlich. Dann beginnt Schlegl mit seiner Schilderung: Seit 2010 hat sich der 46-Jährige intensiver beim SSV Jahn eingebracht. Aufgrund der finanziellen Lage des Vereins und dem Bau der Continental-Arena war klar, dass etwas passieren müsse. Alle hatten ein ganz bestimmtes Horror-Szenario vor Augen: Das Stadion steht, aber es gibt keinen SSV Jahn mehr. „Wir waren uns einig, dass wir ein Konzept brauchen, wie wir den Jahn perspektivisch in die Zweite Liga führen“, schildert Schlegl. Mehrmals wurde daraufhin BTT-Chef Volker Tretzel von Schlegl und weiteren Aufsichtsratsmitgliedern wie Norbert Hartl und Joachim Wolbergs um finanzielle Hilfe gebeten. Der Satz „Ich möchte, dass die Nibelungenkaserne an mich geht“ ist laut Schlegl aber so nie gefallen. Der Diplomingenieur erzählte, dass Tretzel wesentlich subtiler vorging. Tretzel soll deutlich gemacht haben, dass es ihm finanziell gut gehen muss, damit er dem Jahn helfen kann. „Ein Wink war immer dabei“, so Schlegl.

Als der Jahn schließlich eine Kapitalerhöhung brauchte, soll Hartl im Oktober 2014 sinngemäß den Satz „Tretzel muss das kriegen“ geäußert und sich damit auf die Vergabe des Nibelungenareals bezogen haben. „Der Moment hat sich eingebrannt“, erzählt Schlegl. Er betont, dass es ihm immer wichtig war, dass die Vergabe des Areals „sauber“ ablaufe. Weil ihm die Sache damals „zu sehr stank“ legte er seine Aufsichtsratstätigkeit im Herbst 2014 nieder. Auf die Frage der Staatsanwältin, ob sich Tretzel denn für Fußball interessieren würde, verneinte Schlegl. „Es ist auffällig, fass jemand so viel Geld in die Hand nimmt, wenn es keine Herzensangelegenheit ist“, so der Diplomingenieur.

Vor allem Wolbergs Anwalt Peter Witting nimmt Schlegl in die Mangel und macht deutlich, dass er als einziger die Verbindung zwischen dem Jahn und der Baugrundstücksvergabe hergestellt hatte. „Diesen Schuh müssen Sie sich anziehen“, so der Anwalt. Kein Wunder, dass Schlegl da einen trockenen Mund bekommt und um ein Glas Wasser bittet. Und dann ist es ausgerechnet Joachim Wolbergs, der aufsteht und Schlegl seine eigene Wasserflasche reicht ...


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