29.08.2018, 14:49 Uhr

Landgericht Regensburg Prozess gibt Rätsel auf – vergewaltigte der Masseur eine 19-jährige Kundin?

(Foto: vb)(Foto: vb)

An seinem ersten Probetag Anfang Dezember 2017 in einem Massagestudio in Regensburg massierte der 27-jährige Mann aus dem Irak eine 19-jährige, blonde Frau. Bei dieser Massage soll er die Frau sexuell belästigt und vergewaltigt haben. Seit Dienstag, 28. August, steht der ungelernte Masseur, der seit 2015 in Deutschland lebt, deswegen vor Gericht. Besonders heikel an diesem Fall: Die 19-Jährige macht gerade eine Ausbildung bei der Polizei.

REGENSBURG Der Angeklagte soll laut Anklageschrift gegen 15.30 Uhr eine Thai-Massage bei der blonden Kundin durchgeführt haben. Zuvor soll er sie aufgefordert haben, sich bis auf ihren Slip auszuziehen. Nachdem der Iraker den Rücken der Kundin massiert hatte, soll er damit begonnen haben, zuerst oberhalb des Slips und dann auch unter dem Slip den Intimbereich der jungen Frau zu massieren. Obwohl die Frau ihm mitteilte, dass er damit aufhören soll, soll der Angeklagte nur wenig später erneut mit seiner Hand in den Slip gefahren sein, um dort sexuelle Handlungen an ihr vorzunehmen. Die junge Frau sagte ihm erneut, dass sie das nicht möchte, und schob seine Hand weg. Trotzdem soll der 27-Jährige wenige Minuten später begonnen haben, die nackten Brüste der Kundin zu kneten. Sie beendete daraufhin die Massage vorzeitig und zog sich wieder an.

Nach der Verlesung der Anklageschrift kommt schließlich der 27-Jährige zu Wort. Schnell wird klar: Seine Version ist eine ganz andere. Seiner Ansicht nach verlief die gesamte Ganzkörpermassage ohne besondere Vorkommnisse. Lediglich einmal rutschte er ab, gelangte dabei mit den Fingern seitlich unter den Slip der Kundin. Er entschuldigte sich bei ihr und setzte die Massage fort. Immer wieder erkundigte er sich bei der jungen Frau, ob alles in Ordnung sei, mehrere Male schauten sogar die Inhaberin des Salons und deren Mann nach dem Rechten.

Die beiden geben im Zeugenstand an, während der gesamten Massage nichts von den angeblichen Vorkommnissen mitbekommen zu haben. „Die Frau hat 60 Minuten Massage voll ausgekostet“, berichtet der Mann der Inhaberin. „In dem Moment, indem mir so etwas passiert, stehe ich auf“, sagt er im Zeugenstand. Es wird deutlich, dass es ihm schwerfällt, den Vorwürfen zu glauben. „Ich saß fast daneben, war nur 2,50 Meter entfernt. Ich habe keinen Mucks gehört“, beschreibt er die Situation. Nur durch einen Vorhang war er von der Massageliege, auf der die 19-Jährige von dem 27-jährigen Iraker behandelt wurde, getrennt. Nach Angaben des Zeugen soll die junge Frau während der Behandlung mit geschlossenen Augen und friedlich auf der Liege gelegen haben. Erst nachdem die Kundin bezahlt hatte, kam sie auf ihn zu und berichtete ihm von einer sexuellen Belästigung. Sofort konfrontierte er den Masseur mit den Vorwürfen. Dieser stritt die Vorwürfe ab und schwor auf das Leben seiner Mutter. Auch die Inhaberin des Massagesalons selbst ist verwundert. „Sie hätte auch rausgehen können. Sie hätte schreien müssen“, ist sie sich sicher.

Doch der Fall wird noch seltsamer. Während der 27-jährige Angeklagte im Gerichtssaal nur über einen Dolmetscher kommuniziert und behauptet, kaum Deutsch zu sprechen, gibt der Mann der Inhaberin an, sich gut mit dem Masseur auf Deutsch unterhalten zu haben.


0 Kommentare