11.07.2018, 13:31 Uhr

Mordserie Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter zum NSU-Prozess – „viele Fragen sind offen geblieben“

Münchens OB Dieter Reiter. (Foto: Presseamt/Nagy)Münchens OB Dieter Reiter. (Foto: Presseamt/Nagy)

Nach der Urteilsverkündung in dem fünf Jahre dauernden NSU-Prozess denkt Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter vor allem auch an die Angehörigen der Ermordeten.

MÜNCHEN „Das Urteil im NSU-Prozess ruft die rassistischen Taten der rechtsextremen Terrorgruppe und ihres Unterstützernetzwerks abermals auf sehr beklemmende Weise in Erinnerung. Meine Gedanken sind auch heute in erster Linie bei den Opfern der NSU-Morde, bei den Angehörigen und bei all jenen, die durch die brutalen Anschläge und Raubüberfälle schwer verletzt oder traumatisiert wurden. Als Münchner Oberbürgermeister möchte ich heute nochmals den Hinterbliebenen der in Ramersdorf und im Westend ermordeten Münchner – Habil Kılıç und Theodoros Boulgarides – stellvertretend für alle Opferangehörigen mein tiefstes Mitgefühl und meine aufrichtige Anteilnahme aussprechen. Für die unmittelbar Betroffenen sind die grausamen Verbrechen des NSU sicher auch durch das Prozessende nicht abgeschlossen. Zu groß ist der Verlust, zu tief sind die Verletzungen und zu sehr erschüttert ist – nach dem heute bekannten Versagen der Sicherheitsbehörden – das Vertrauen in diesen Staat. Die Aufgabe von uns allen ist es, dieses verlorengegangene Vertrauen wieder herzustellen. Das bedeutet, sensibel mit dem Thema Rassismus umzugehen – sowohl in unserem privaten Kontext als auch in unserem beruflichen Umfeld und insbesondere in staatlicher oder städtischer Verantwortung“, so Reiter,.

Auch nach über fünf Jahren und mehr als 400 Prozesstagen seienm viele Fragen – gerade auch der Hinterbliebenen – offen geblieben. „Ein Gerichtsverfahren kann diese womöglich auch gar nicht alle beantworten. Umso mehr sind wir als Politik, Staat und als Gesellschaft in der Pflicht, weiterhin Fragen zu stellen, Aufklärung zu ermöglichen – und auch damit das Gedenken an die Opfer der menschenverachtenden NSU-Mordserie lebendig zu halten“, so Reiter.


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