18.05.2018, 16:32 Uhr

Radikalisierungsprävention Mit dem Projekt „ReStart – Freiheit beginnt im Kopf“ gegen Islamismus

(Foto: Ursula Hildebrand)(Foto: Ursula Hildebrand)

Bayerns Justizminister Prof. Dr. Winfried Bausback hat am Freitag, 18. Mai, in der Justizvollzugsanstalt Neuburg-Herrenwörth gemeinsam mit Diplom-Psychologen Ahmad Mansour das Projekt „ReStart – Freiheit beginnt im Kopf“ des bayerischen Justizvollzugs zur Islamismusbekämpfung und Radikalisierungsprävention vorgestellt.

BAYERN Bausback: „Wir sind uns der Gefahr extremistischer Radikalisierung in Gefängnissen schon seit langem bewusst. Das Thema hat für mich deshalb schon seit Beginn meiner Amtszeit ganz zentrale Bedeutung. Mit „ReStart“ fügen wir - gerade in dem immer bedeutender werdenden Bereich der Radikalisierungsprävention - einen weiteren wichtigen Mosaikstein in unsere umfassende Extremismusbekämpfungsstrategie ein. Mit „ReStart“ wollen wir ganz speziell junge Gefangene erreichen, um gerade sie, die noch besonders leicht beeinflussbar sind, vor jeglicher Radikalisierung zu schützen.“

Das Konzept wurde von der im Justizministerium angesiedelten Zentralen Koordinierungsstelle für Maßnahmen gegen Salafismus/Islamismus im Justizvollzug und der Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention (kurz MIND prevention) speziell für die Bedürfnisse des bayerischen Justizvollzugs erarbeitet und entwickelt.

Diplom-Psychologe Ahmad Mansour, Geschäftsführer von MIND prevention, erläutert: „Unser Ziel ist es, schneller zu sein als Radikale und den Jugendlichen einen neuen Start auf Basis unseres Grundgesetzes zu ermöglichen. Unsere speziell geschulten Pädagogen und Psychologen arbeiten mit den Gefangenen nach dem pädagogischen Konzept der „peer-education“. So können wir in unseren Workshops bestimmte Tabuthemen und Wertevorstellungen, die den Nährboden für extremistische Radikalisierungstendenzen bilden, auf Augenhöhe diskutieren. Dabei erleben die Teilnehmer starke Vorbilder aus ihrer Community, die ihnen Alternativen zeigen und Denkanstöße geben. Auf diese Weise sollen die Teilnehmer zum kritischen Denken und zum Hinterfragen bestehender Denkmuster bzw. Wertesysteme ermutigt und soweit gestärkt werden, sich gegen extremistisches Gedankengut bzw. Radikalisierungsversuche von Extremisten zu wehren.“

Bayerns Justizminister abschließend: „Das positive Echo der bisherigen Projektteilnehmer und der Verantwortlichen zeigt: Ahmad Mansour und sein Team schaffen es in ganz besonderer Art und Weise, auch Tabuthemen zur Sprache zu bringen. Und die Zahlen sprechen für sich: Seit Beginn der Pilotphase haben wir fast 30 Workshops angeboten. Dabei konnten bis zu 400 Gefangene frühpräventiv erreicht werden. Ich bin sicher: ,ReStart‘ wird sich auszahlen. Denn: Es geht nicht nur darum, Gefangenen eine Lebensperspektive nach der Haft zu bieten, die nicht von Gewalt und ideologischer Engstirnigkeit geprägt ist. Es geht letztlich um nichts weniger als um die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger, zu der wir im Justizvollzug auch durch unsere Extremismusbekämpfung und -prävention unser Scherflein beitragen!“

Hintergrund

Das Projekt „ReStart“ besteht aus aktuell drei Workshops. Sie bauen grundsätzlich inhaltlich aufeinander auf, es kann aber auch ein einzelner Workshop in einer Haftanstalt umgesetzt werden. Inhaltlich werden folgende Themen erörtert: Geschlechterrollen und religiöse Geschlechterverhältnisse, patriarchalische Strukturen in Bezug zum Islamverständnis, Aufbrechen bestimmter Denkmuster, die den ideologischen Nährboden für Extremismus bilden sowie Erlernen von verschiedenen Kommunikationsstrategien durch Diskussion und Auseinandersetzung, Erziehung in den Familien und ihre Konsequenzen für Radikalisierungsprozesse, Fragen der eigenen Identität.


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