16.04.2018, 11:46 Uhr

Landgericht Regensburg „Kontrolle verloren“ – 36-Jähriger wollte die Stimmen in seinem Kopf mit Alkohol verjagen

Der 36-jährige Angeklagte berät sich vor Prozessbeginn am Montag, 16. April, mit seinem Anwalt. (Foto: vb)Der 36-jährige Angeklagte berät sich vor Prozessbeginn am Montag, 16. April, mit seinem Anwalt. (Foto: vb)

Der 36-jährige Angeklagte steht seit Montag, 16. April, vor dem Regensburger Landgericht, weil er seit Mai 2015 mehrere Passanten und Polizisten attackiert, bedroht und beleidigt haben soll. Er ist alkoholkrank und leidet an Schizophrenie.

REGENSBURG „Ich habe die Kontrolle über mich verloren“, gesteht der 36-jährige Frührentner, der an Schizophrenie leidet, vor Gericht ein. Immer wieder hört er Stimmen in seinem Kopf, die miteinander streiten und ihn verhöhnen. Über Jahre hinweg versuchte er erfolglos, sie mit Alkohol abzutöten. In der Vergangenheit führten der Alkohol und das Gezanke in seinem Kopf mehrmals dazu, dass er Situationen falsch einschätze und dachte, sich gegen Passanten und Polizisten wehren zu müssen. So kam es, dass der 36-Jährige seit Montag, 16. April, unter anderem wegen Bedrohung, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor dem Regensburger Landgericht steht. „Er hat mich autorisiert, für ihn die Sachen zuzugeben. Es tut ihm alles sehr, sehr leid. Er möchte gerne in Freiheit bleiben und ist bereit, alles dafür zu tun“, erklärte der Anwalt des 36-Jährigen nach Verlesung der Anklageschrift.

In insgesamt 15 Fällen seit Mai 2015, bedrohte, beleidigte und schlug der alkoholkranke 36-Jährige scheinbar willkürlich Passanten rund um den Regensburger Bahnhof und die Albertstraße. Er drohte zum Beispiel einem Mann, ihn umzubringen, schlug einem anderen ins Gesicht. Eine Rettungsassistentin spuckte er an, Einem Busfahrer schlug er die Brille aus dem Gesicht, einen Polizisten attackierte er brutal.

Er war abhängig von Kokain und Ecstasy

„Wie sieht es inzwischen mit dem Alkohol aus?“, fragte die Vorsitzende Richterin Bettina Mielke den Angeklagten. „Drei bis vier Bierchen am Tag“, gab der 36-Jährige zur Antwort. Und ein bisschen klang es so, als würde ein Fragezeichen am Ende seines Satzes stehen. Doch der Angeklagte hat nicht nur aktuell ein Alkoholproblem, schon früher hatte er mit seiner Sucht zu kämpfen. Erst war er abhängig von Alkohol, dann verfiel er harten Drogen wie Kokain und Ecstasy. Nach einer Therapie im Jahr 2006 fand eine Suchtverlagerung zurück zum Alkohol statt.

Wie es mit dem 36-Jährigen weitergeht, wird voraussichtlich nach vier Verhandlungstagen am Dienstag, 8. Mai, entschieden. Einen Lichtblick hat der Angeklagte aber. Seit fast einem Jahr hat er eine Freundin. „Am 22. April haben wir unseren ersten Jahrestag“, verriet er mit einem schwerverliebten Grinsen m Gesicht.


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