30.03.2018, 19:36 Uhr

Einsatz für schwache Menschen „Unser Land ist ein zutiefst christlich geprägtes Land“

(Foto: Bistum Regensburg)(Foto: Bistum Regensburg)

Am Freitagnachmittag, 30. März, in der Sterbestunde Christi am Kreuz, hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer der Karfreitagsliturgie im Hohen Dom St. Peter Regensburg vorgestanden. Es ist eine strenge Liturgie, in der des Todes Christi gedacht wird.

REGENSBURG Gottes Heilswerk wird auf beinahe beklemmende, aber durchaus nicht hoffnungslose Weise deutlich. Das aufgestellte Kreuz wird als Zeichen des Heils verehrt. Zuvor tragen Domspatzen die Leidensgeschichte nach dem Evangelisten Johannes vor. Streng ist die Liturgie, insofern keine Orgel ertönt und auch die Glocken verstummt sind – während des Gottesdienstes am Abend zuvor, am Gründonnerstag, haben sie zum letzten Mal geläutet. Passend zur großen Stille am Karfreitag, der auch staatlicherseits ein stiller Feiertag ist, verharren auch die Glocken regungslos.

Nur menschliche Stimme in Lesung, Gebet, Gesang und Predigt ist im Gottesdienst zu vernehmen. Ganz zu Beginn der Feier verharren Bischof und Diakon ebenerdig ausgestreckt zum Gebet – als Demutsgeste angesichts des Heilsgeschehens, in dem Gott seinen einzigen Sohn dahingegeben hat. Wort und Gesang bestimmen auch die Großen Fürbitten, in denen für die großen Anliegen gebetet wird: für Papst, Bischof, Priester, Diakone, das Volk Gottes, Menschen auf dem Weg zur Taufe, Juden, Gottesgläubige, Suchende, Regierende, Reisende und Sterbende.

Die Lanzenstichszene im Johannesevangelium deutete der Regensburger Bischof in seiner Predigt. Danach beschreibt Johannes in der Leidensgeschichte, dass ein Soldat Jesus am Kreuz mit der Lanze die Seite durchstieß. Es flossen Blut und Wasser hervor. Dr. Voderholzer sagte dazu, der Vorgang sei kein Kuriosum. Bereits früh in der Christenheit wurde Jesus als Quelle des Geistes gedeutet, wobei Wasser und Blut für Geist und Leben stehen. Jesus stillt den Lebensdurst und die Sehnsucht der Menschen, lautet die klare Botschaft. Durch die Sakramente ist Jesus Christus für alle Zeiten gegenwärtig. Das Wasser steht für das Sakrament der Taufe, das Blut für das Sakrament der Eucharistie.

Arnaud Beltrame, erinnerte Bischof Voderholzer aktuell, wurde umgebracht; die Geisel aber lebt. Beltrame war der Polizist, der sich bei der Geiselnahme vor einer Woche in Südfrankreich dem Attentäter auslieferte und von diesem eigenhändig hingerichtet wurde. Die Antwort des Menschen auf Gottes Hingabe am Kreuz kann bis zum eigenen Lebensopfer gehen, erklärte Bischof Dr. Voderholzer diesen Vorgang. Beltrame hatte vor nicht langer Zeit durch eine Ordensgemeinschaft neu zu seinem katholischen Glauben gefunden. Außerdem sagte der Regensburger Bischof, dass es nirgends eine solche Wertschätzung schwachen und behinderten Lebens geben würde als dort, wo der Geist Christi herrscht. „Unser Land ist gerade in dieser Hinsicht ein zutiefst christlich geprägtes Land.“ Das gelte es nicht triumphalistisch, sondern demütig und selbstbewusst vorzutragen.


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