22.03.2018, 11:50 Uhr

Auseinandersetzung in Regensburg Streit unter Autofahrern eskaliert – die Polizei sucht nun nach der Wahrheit

So berichtete das Regensburger Wochenblatt am Sonntag auf seiner Homepage über den Fall. (Foto: wb)So berichtete das Regensburger Wochenblatt am Sonntag auf seiner Homepage über den Fall. (Foto: wb)

„Mein Mann liegt auf Intensiv und konnte noch gar nicht verhört werden, toll, wenn man einseitig berichtet, typisch Presse“, so – und ähnlich – wurde am Sonntag, 18. März, eine Pressemitteilung der Polizeiinspektion Regensburg-Nord auf der Facebook-Seite des Regensburger Wochenblattes kommentiert. Unter der Überschrift „Streit um knappen Fahrstreifenwechsel eskaliert – Fäuste und Schraubenzieher im Einsatz“ war eine Meldung der Polizei veröffentlicht worden, die offenbar die Gemüter erhitzte.

REGENSBURG Und dabei ist die Veröffentlichung einer Pressemeldung der Polizei für die Redaktion etwas ganz Normales. Die Polizei gilt allgemein als sichere Quelle, sodass die Meldungen online schnell veröffentlicht werden. Weitere Recherchen zum Sachverhalt werden immer dann notwendig, wenn es offenbar Unstimmigkeiten gibt – so wie im vorliegenden Fall.

Was aber war passiert an jenem Freitagmorgen, 16. März? In der Frankenstraße soll es hier nach einem Fahrstreifenwechsel zu einer Auseinandersetzung gekommen sein: „Ein 52-jähriger Landkreisbewohner schnitt dabei einen 19-Jährigen. Der 19-Jährige machte sich durch Hupen bemerkbar. Anschließend verließ der 52-Jährige sein Fahrzeug und schlug auf den 19-Jährigen ein. Der 18-jährige Bruder des Verletzten befuhr zu diesem Zeitpunkt ebenfalls die Frankenstraße und wurde Zeuge des Vorfalls. Er kam dem 19-Jährigen daraufhin zu Hilfe. Nun nutzten die beiden Brüder ihre zahlenmäßige Überlegenheit und drehten den Spieß um. Sie schlugen auf den 52-Jährigen ein. Im Laufe der Auseinandersetzung holte sich der 52-Jährige einen Schraubenzieher aus seinem Fahrzeug und ging damit auf die beiden Heranwachsenden los“, heißt es dazu im Polizeibericht der Polizeiinspektion Nord vom Sonntag. Die Polizei schreibt weiter: „Die drei Männer wurden dadurch leicht verletzt. Gegen die Beteiligten werden nun Ermittlungsverfahren aufgrund von Körperverletzungsdelikten eingeleitet.“ Angehörige des 52-Jährigen melden sich beim Wochenblatt und schildern, dieser sei noch nicht vernommen worden, alles sei ganz anders gewesen, außerdem liege er schwer verletzt auf der Intensivstation. „Toll, wenn nicht mal die Polizei was richtig weiß und ihr denen alles glaubt“, beschwert sich ein weiterer Angehöriger.

Nachgefragt bei der zuständigen Polizeiinspektion ergibt sich folgendes Bild: Alle Beteiligten, also auch der 52-Jährige, seien bereits am Einsatzort befragt worden, Ludwig Beck von der Polizeiinspektion Nord betont ausdrücklich, dass es sich noch nicht um Vernehmungen gehandelt hat. Der 52-Jährige habe berichtet, er habe den Fahrer des Autos zur Rede gestellt, daraufhin habe das Brüderpaar auf ihn eingeschlagen. Die beiden Brüder hingegen berichten, der 52-Jährige habe sie „erbost“ zur Rede gestellt und dann auf sie eingeschlagen. Ein unbeteiligter Zeuge sei ebenfalls befragt – aber noch nicht vernommen – worden: Er habe gegenüber der Polizei berichtet, die Aggressionen seien von dem 52-jährigen Mann ausgegangen. Diese drei Aussagen konnte die Polizei also bei ersten Befragungen aufnehmen. Auch zur Schwere der Verletzungen hat sich Beck kundig gemacht: Am Einsatzort sei ein Beteiligter, nämlich der 52-Jährige, mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht worden, die beiden anderen hätten keinen Transport in eine Klinik benötigt. Vor Ort stellten sich die Verletzungen des 52-Jährigen als nicht so schlimm dar. Ob diese nun schlimmer seien und der Mann gar auf der Intensivstation liege, entziehe sich der Kenntnis der Polizei.

Grundsätzlich, so Beck, seien diese ganzen Befragungen vor Ort nur der erste Schritt der Ermittlungen. Alle Beteiligten müssten jetzt vernommen werden, auch Zeugen müssten ihre Aussagen machen. Erst dann könne man abschließend einschätzen, wie sich die Szene in der Frankenstraße in Regensburg abgespielt hat. Der erste Pressebericht zu einem Ereignis sei also nur eine erste Einschätzung der Situation, nachdem mit allen Beteiligten gesprochen worden sei.

Hier geht‘s zur Meldung der Polizei:Streit um knappen Fahrstreifenwechsel eskaliert – Fäuste und Schraubenzieher im Einsatz


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