05.03.2018, 08:26 Uhr

Ministranten-Mörder wollte einen Mithäftling missbrauchen – der hatte eine 21-Jährige umgebracht


1994 ermordete er einen Jungen; als er freikam, tötete er erneut – jetzt steht er wieder vor Gericht: Am Montag, 5. März, beginnt der Prozess gegen den als Ministranten-Mörder von Regensburg bekannt gewordenen Martin P. Er soll versucht haben, einen Mitinsassen in der Forensik der JVA Straubing umzubringen.

REGENSBURG Der laut Staatsanwaltschaft homosexuell orientierte Pädophile soll Gefühle für seinen Mithäftling entwickelt haben. Weil P. zudem sadistisch veranlagt ist, entwickelte er angeblich die Fantasie, seinen Mithäftling zu töten, um dann den Analverkehr mit ihm auszuüben, sagt nun die Staatsanwaltschaft.

Bereits vor 25 Jahren hatte P. brutal den elfjährigen Tobias ermordet. Der Ministrant hatte sich vom damals 18-jährigen Martin P. am 13. Oktober 1994 in eine Falle locken lassen. P. war ebenfalls Messdiener, er hatte das Vertrauen des Jungen. Dass P. pädophil war und zwei Jahre vorher bereits einen Buben sexuell im Westbad missbrauchte, wurde erst später bekannt. Den kleinen Tobias tötete P. an jenem Tag in der Nähe der Regensburger Kirche Herz Marien mit 70 Messerstichen. Ermittler berichteten von einem Blutrausch, in den der Täter geraten war. P. wurde damals zu einer Jugendstrafe von neuneinhalb Jahren verurteilt. Doch weil es keine Sicherungsverwahrung im Jugendstrafrecht gab, kam er wieder frei.

2005 dann lauerte er dem Sohn eines Mithäftlings auf dem Schulweg auf. Er erstickte den Neunjährigen und verging sich an der Leiche. Seither ist er in Sicherungsverwahrung in der Forensischen Klinik in Straubing-Lerchenhaid.

Jetzt hat das Regensburger Schwurgericht die Anklage zugelassen: Demnach saß am 7. Oktober 2015 der damals 39-jährige Schwerverbrecher zusammen mit einem Mithäftling vor dem Fernseher. Als sich der 26-jährige Mithäftling bückte, um eine Blue-Ray-Disc einzulegen, packte P. laut Anklage einen 685 Gramm schweren Hammer und drosch ihn zweimal auf den Kopf des Mannes. Als er ihn gerade würgte, kam ein Mithäftling ins Zimmer. Dieser Mithäftling verhinderte wohl Schlimmeres.

Jetzt kam heraus, dass es sich bei dem Mithäftling um einen Stalker handelte, der in der Oberpfalz eine 21-jährige Frau umgebracht hat, weil sie seine Liebe nicht erwiderte.

Ungeklärt ist indes, wie P. überhaupt zu dem Hammer kommen konnte. Überhaupt geriet das BKH Straubing beziehungsweise die Forensische Klinik in Straubing-Lerchenhaid im Herbst 2015 in den Fokus der Berichterstattung: Wenige Wochen vor P.s mutmaßlicher Mord-Attacke ging ein 28-Jähriger auf einen Mithäftling mit einem Messer los, verletzte ihn erheblich.

Jetzt soll der Prozess gegen P. am Landgericht Regensburg beginnen. Am Montag, 5. März, ist Prozessauftakt, vier Verhandlungstage sind anberaumt. Für P. wird sich wohl nicht viel ändern – die Sicherungsverwahrung ist ihm auch in den nächsten Jahren gewiss.