21.12.2017, 14:37 Uhr

Regensburger Fall bei Stern TV Stalker tyrannisiert junge Frau seit vielen Jahren – er bricht sogar in ihr Elternhaus ein


Jeden Mittwoch aufs Neue berichtet das Reportagemagazin Stern TV auf RTL über interessante, spannende und aktuelle Themen. In der Sendung von Mittwoch, 13. Dezember, nahmen die 27-jährige Doris E. und ihr 54-jähriger Vater aus Alteglofsheim im Landkreis Regensburg neben Moderator Steffen Hallaschka auf den roten Sesseln im TV-Studio Platz.

REGENSBURG Seitdem die 27-Jährige im Jahr 2009 ihr Maschinenbau-Studium an der Fachhochschule in Regensburg begonnen hat, wird sie von dem drei Jahre älteren Mann verfolgt. Alles begann bereits in der ersten Semesterwoche, als er die Studentin bat, mit ihm einen Kaffee trinken zu gehen. Die damals 20-Jährige hatte kein Interesse an einem Treffen und schlug das Angebot aus. Doch ein „Nein“ konnte der 30-Jährige offensichtlich nicht akzeptieren. Kurze Zeit später tauchte er auch in der Bar auf, in der Doris E. neben dem Studium arbeitete. „Da hat er sich einfach vor mich gesetzt, er war alleine und hat mich nur beobachtet. Da dachte ich mir das erste Mal: Das ist nicht mehr normal“, berichtete die 27-Jährige bei Stern TV.

Die Studentin traute sich nicht mehr vor die Tür

Sie bekam es zunehmend mit der Angst zu tun und traute sich schließlich auch nicht mehr alleine vor die Tür. Nach einem ersten körperlichen Angriff durch den 30-Jährigen im Jahr 2012, erwirkte Doris E. ein Annäherungsverbot. Ihr Stalker durfte ihr nicht mehr näher als 25 Meter kommen. Damit sich die Studentin in Vorlesungen nicht beobachtet fühlen musste, musste der 30-Jährige immer einige Reihen entfernt und vor allem vor ihr Platz nehmen. Weil er sich nicht an die Regelungen hielt, wurde ihm schließlich nahe gelegt, an eine andere Uni zu wechseln. Obwohl er dies tatsächlich tat, konnte Doris E. dennoch nicht aufatmen.

Er begann, sie Zuhause zu belagern. Bei dem 30-Jährigen wurde zu dieser Zeit eine paranoide Schizophrenie festgestellt und auch dementsprechend medikamentös behandelt. Dennoch kam es 2013 zu einem weiteren Übergriff. In der Regensburger Innenstadt packte er die Studentin an den Schultern, drückte sie gegen eine Mauer und versuchte, sie zu küssen. Bei einem anschließenden Prozess wurde er zu einer Haftstrafe von elf Monaten verurteilt. Die Freiheitsstrafe wurde zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt.

Nach zweieinhalb Jahren in denen der 30-Jährige Abstand hielt, tauchte er im August 2016 wieder vor dem Elternhaus von Doris E. auf – obwohl sie bereits ausgezogen war. In den Morgenstunden des 31. Dezembers 2016 erreichten die Stalking-Attacken schließlich ihren Höhepunkt: Mit einer Axt verschaffte sich der 30-Jährige über ein Fenster im ersten Stock des Elternhauses Zutritt. Durch die Geräusche wurden die Eltern im Erdgeschoss geweckt. Sie wussten sofort, wer der Einbrecher war. Der 54-jährige Vater von Doris E. machte sich mit einem Taschenmesser bewaffnet auf den Weg nach oben. Dort traf er mit dem 30-Jährigen zusammen, es kam zu einem minutenlangen Kampf zwischen den beiden. Dabei erlitt der 54-Jährige Schnittverletzungen an der linken Hand und eine Messerstichverletzung am Hals. Und auch der 30-Jährige wurde durch mehrere Messerstiche verletzt. Er flüchtete schließlich in den Keller des Hauses und brach dort aufgrund seiner Verletzungen zusammen.

Stalker verschaffte sich mit einer Axt Zutritt

Am Freitag, 8. Dezember, wurde der 30-Jährige durch das Regensburger Landgericht des Hausfriedensbruchs, der Sachbeschädigung und der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Die Freiheitsstrafe wurde auch dieses Mal zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss er sich einer Therapie unterziehen. Ein Kontaktverbot zu der Familie wurde ebenfalls verhängt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

„Er ist jetzt auf freiem Fuß. Die Gefahr besteht aktuell wieder für meine Familie und für mich. Ich sehe das als akute Gefahr“, äußert sich Doris E. im Interview mit Stern TV. Das relativ milde Urteil für den Stalker bedeutet für Doris E. und ihre Familie ein Leben in Angst vor der nächsten Attacke.


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