14.12.2017, 10:07 Uhr

Fünf Täter stehen vor dem Landgericht Zuhause gefesselt und ausgeraubt – Ehepaar stand Todesängste aus


„Wir mussten mit Waffen am Kopf vor dem Tresor am Boden knien“, schildert der 40-jährige Sinzinger, was ihm und seiner Frau in der Nacht von Freitag auf Samstag, 16. auf 17. September 2016, im eigenen Haus widerfahren war. Man sieht ihm an, dass es ihm schwerfällt, die Geschichte im Zeugenstand noch einmal haarklein zu rekonstruieren und so nah bei den fünf Tätern zu sitzen, die sich derzeit vor dem Regensburger Landgericht verantworten müssen. Sie sitzen unter anderem wegen schweren Raubes und Freiheitsberaubung auf der Anklagebank.

REGENSBURG Gegen 23.30 Uhr kamen der 40-Jährige und seine Frau von einem Treffen mit Freunden nach Hause. Es war ein warmer Abend und sie tranken in ihrer Küche einen Absacker und rauchten bei geöffnetem Fenster eine Zigarette. Weil das Fliegengitter kaputt war, verzichteten sie auf Licht, es brannte nur eine Kerze. Plötzlich klingelte es an der Haustür. Der 40-jährige Hausbesitzer öffnete die Tür und wurde sofort mit einem Faustschlag begrüßt. Drei maskierte Männer verschafften sich Zutritt zum Haus, indem sie den 40-Jährigen schubsten und ihm eine Waffe über den Kopf zogen. „Ich wurde durch das Haus getrieben und geschlagen“, beschrieb er die Situation vor Gericht. Das einzige Ziel der Täter: Sie wollten den Tresor finden und öffnen.

Auch seiner Ehefrau, die in der Küche geblieben war, als es an der Tür klingelte, erging es nicht besser. Sie wurde von einem weiteren maskierten Mann gefesselt. „Einer ist zum offenen Küchenfenster hereingesprungen. Er richtete seine Waffe auf mich“, berichtete sie. Sie wurde in das angrenzende Büro, in dem sich auch der Tresor befand, gebracht und musste sich dort mit dem Gesicht nach unten auf den Boden legen. Während sie dort intime Berührungen des maskierten Mannes über sich ergehen lassen musste, wurde auch ihr Ehemann in das Büro gebracht. Sie wurden schließlich gezwungen, den Tresor zu öffnen. Weil dem 40-Jährigen der Code nicht mehr einfiel, diktierte seine Frau den Tätern die Zahlenkombination. Erst beim zweiten Versuch ging der Tresor auf. Die Täter räumten den Tresor aus und nahmen die Geldscheine im Wert von über 32.000 Euro und Silbermünzen an sich. „Einer der Täter sagte: ‚Was machen wir jetzt? Bringen wir sie um oder lassen wir sie leben?‘“, gab der 40-Jährige das Gespräch der Täter vor Gericht wider.

„Was machen wir jetzt? Bringen wir sie um?“

Das Ehepaar wurde an Händen und Füßen mit Panzertape gefesselt und im Büro zurückgelassen, während die Täter mit einem bereitstehenden Fluchtfahrzeug samt Fahrer und dem Mercedes des Ehepaares flüchteten. Nachdem sich der 40-Jährige nur wenig später befreien konnte, löste er auch die Fesseln seiner Frau. Sie riefen die Polizei. Obwohl die Eheleute bei dem Überfall kaum Verletzungen davon trugen, steckt ihnen diese Nacht noch heute in den Knochen. „Ich habe es jetzt noch nicht verarbeitet. Es ist unglaublich, was das für Folgen für einen Menschen hat“, erzählt der 40-Jährige mit leiser Stimme. „Es wird besser aber manche Sachen gehen gar nicht mehr“, ergänzt seine Frau. Nur das kleinste Geräusch in ihrem Haus lässt die beiden zusammenzucken. Im Sommer abends im Dunkeln auf ihrer Terrasse sitzen, wurde durch den Überfall zu einem Ding der Unmöglichkeit für das Ehepaar. Daran wird wohl auch die Entschuldigung der Täter nichts ändern. „Es tut mir entsetzlich leid, dass wir Ihnen das angetan haben. Wenn ich könnte, würde ich es rückgängig machen“, entschuldigte sich einer der Täter bei dem Ehepaar. Die anderen schlossen sich diesen Worten an.

Ein Urteil im Prozess gegen die fünf Angeklagten wird voraussichtlich bereits am Mittwoch, 20. Dezember, erwartet. Insgesamt sind sechs Verhandlungstage angesetzt.

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