03.12.2017, 15:46 Uhr

Unfall sorgt für Diskussionen Fahrrad-Experte der Regensburger Polizei fordert „gegenseitige Rücksichtnahme“

Ein „Geisterrad“, aufgestellt vom ADFC, erinnert an den toten 37-Jährigen.  (Foto: Ursula Hildebrand)Ein „Geisterrad“, aufgestellt vom ADFC, erinnert an den toten 37-Jährigen. (Foto: Ursula Hildebrand)

Es war ein „klassischer Abbiegeunfall“, sagt Hans Wenzl, Fahrradexperte bei der Polizeiinspektion Regensburg-Süd. Die Rede ist vom tödlichen Fahrradunfall an der Kreuzung Walhalla-Allee/Nordgaustraße – ein 37-Jähriger starb am Montag, 20. November, nachdem er von einem Lkw erfasst worden war.

REGENSBURG Nach diesem Unfall wurde heiß diskutiert: Ist die Baustelle, die sich gerade auf Geh- und Radweg befindet, schuld am Unfall? Hat der Lkw-Fahrer nicht genug aufgepasst? War der Lkw technisch nicht gut genug ausgestattet? Hat vielleicht der Radfahrer nicht gut genug aufgepasst? Hans Wenzl von der Regensburger Polizei sieht hier alle beteiligten gefordert. Jeder müsse sich im Straßenverkehr defensiver verhalten und besser auf andere Verkehrsteilnehmer achten! Der tote Winkel, den es bei Lastwagen nun mal gebe, lasse sich nicht wegdiskutieren. Auch die beste Technik könne nicht verhindern, dass es hier zu Unfällen kommt. Man könne das Unfallrisiko nur minimieren. Unfälle ließen sich nur vermeiden, wenn man „gegenseitig Rücksicht nimmt“, so Wenzl.

In Regensburg gebe es eine Unfallkommission, in der Wenzl selbst Mitglied ist. Stadt und Polizei sitzen hier an einem Tisch und beraten, was man verbessern könnte. Nach jedem schwereren Unfall sitze man zusammen und bespreche, wie es zum Unfall kommen konnte und wie man ihn hätte vermeiden können. Ein Ergebnis der Kommission war zum Beispiel, dass im Bereich Walhalla-Allee/Weichser Weg nun die Linksabbieger eine eigene Grünphase haben. Hier war es öfter zu Unfällen gekommen, da die Abbieger immer wieder den Gegenverkehr, der ebenfalls grün hatte, übersehen haben. Das Empfinden, es werde in Regensburg nichts getan nach schweren Unfälle, stimme so nicht, sagt Wenzl. Neue Verkehrszeichen oder eben auch neue Ampelschaltungen seien oft das Ergebnis aus solchen Beratungen in der Kommission. Manchmal seien auch bauliche Maßnahmen nötig, diese werden dann mit der Stadt Regensburg beraten, deren Vertreter ebenfalls Mitglied in der Kommission sind.

Im Bereich der Unfallstelle in der Nordgaustraße wurde die Sperrung des Geh- und Radweges extra vorgenommen, um Fußgänger und Radfahrer aus dem Gefahrenbereich der Baustelle herauszuhalten. Grundsätzlich, sagt Wenzl, sei es auch ein Problem, dass sich der ein oder andere Radfahrer „nicht immer korrekt verhält“. Jeder beharre auf sein Recht, aber ein Vorrang dürfe nicht erzwungen werden, sagt Wenzl. Auch die dunkle Jahreszeit berge einige Gefahren. Viele Radfahrer seien in nicht geeigneter Kleidung unterwegs, Wenzl empfiehlt hier, eine Warnweste zu tragen, wie es auch viele Motorradfahrer tun. Auch Fußgänger sollten sich so ausstatten, um gut sichtbar zu sein. Immer wieder müsse die Polizei auch feststellen, dass Fahrradfahrer ohne Licht unterwegs sind. Da habe dann ein Autofahrer kaum eine Chance.

Wenzl verweist auf drei Kampagnen, die die Polizei durchführt: So will die Polizei den sogenannten Geisterradler, die in falscher Richtung unterwegs sind, ins gewissen reden. Die Kampagne „Augenblick bitte!“ wendet sich an abbiegende Auto- und Lkw-Fahrer. Ebenso sollen die Plakate mit den Hinweisen auf den Toten Winkel wieder im Stadtgebiet aufgestellt werden.


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