27.11.2017, 18:48 Uhr

Die Würde der Frauen ist unantastbar Runder Tisch gegen häusliche Gewalt startet Plakat- und Postkartenaktion

Die Würde der Frauen ist unantastbar. (Foto: Stadt Regensburg, Peter Ferstl)Die Würde der Frauen ist unantastbar. (Foto: Stadt Regensburg, Peter Ferstl)

Gewalt gegen Frauen ist alltäglich. Für Frauen in Regensburg, in Deutschland und auf der ganzen Welt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet Gewalt gegen Frauen als eines der größten Gesundheitsrisiken von Frauen weltweit. 40 Prozent der Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt. 13 Prozent der in Deutschland lebenden Frauen haben seit dem 16. Lebensjahr strafrechtlich relevante Formen sexueller Gewalt erlebt.

REGENSBURG Mit einer beeindruckenden Plakataktion möchte der Regensburger Runde Tisch gegen häusliche Gewalt auf diese Problematik aufmerksam machen und demonstrieren, dass Gewalt gegen Frauen nicht tolerierbar ist. Das schwarz-weiße Plakat zeigt drei Frauen in selbstbewusster Körperhaltung. Die Frauen unterscheiden sich stark, im Alter, in der Hautfarbe, die Botschaft ist jedoch für alle die gleiche: Die Würde der Frau ist unantastbar. In Regensburg und überall.

Die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht 2015/2016 waren der Anlass, dass sich in Köln verschiedenste Institutionen zusammengeschlossen haben, um verstärkt auf diesen Themenkreis aufmerksam zu machen und den notwendigen Diskussions- und Veränderungsprozess voranzutreiben. Zusammen mit der renommierten Fotografin Bettina Flitner wurde ein Plakatmotiv gestaltet, das die Diskussion um den alltäglichen Sexismus untermauern soll. Dieses Plakat verleiht der Forderung nach einem gewaltfreien Leben für Frauen und Mädchen Nachdruck. Darum hat sich der Regensburger Runde Tisch gegen häusliche Gewalt anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen 2017 den Kölner Frauen angeschlossen und eine Plakat- und Kartenaktion gestartet, die auf die Problematik hinweisen und Frauen Mut machen soll.

Bei der offiziellen Präsentation im Bürgerzentrum Mitte erinnerte Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer daran, dass „bis in die 70er Jahre das Thema Gewalt gegen Frauen auch in Deutschland in der Öffentlichkeit nicht zu finden war. In den letzten Jahren wurde jedoch ein Klima geschaffen, das Opfern von Gewalt verschiedenste Möglichkeiten bietet, Schutz und Hilfe zu suchen.“ Dies bestätigte auch die Leiterin der Gleichstellungsstelle der Stadt Regensburg, Marga Teufel, und führte fort, dass sich der Runde Tisch in Regensburg seit Gründung im Jahr 2001 für die Herstellung eines bestmöglichen Schutzes und der optimalen Versorgung betroffener Frauen und ihrer Kinder in Regensburg stark macht. „Es findet stets ein reger Austausch von Informationen und Diskussionen der Mitgliedsorganisationen bei den Treffen des Rundes Tisches statt. Darüber hinaus ist es uns immer wichtig, Fachwissen in die Öffentlichkeit zu tragen. Deshalb veranstalten wir auch Fortbildungen für bestimmte Berufsgruppen. In diesem Jahr konnten wir zum Beispiel zwei Fortbildungen zum Thema häusliche Gewalt für medizinisches Personal und eine Info über die Regensburger Angebote bei häuslicher Gewalt für Flüchtlingshelferinnen stattfinden lassen.“

Frauen und Mädchen leiden auch in Regensburg immer noch durch Übergriffe von verbaler sexualisierter Anmache bis hin zu häuslicher Gewalt und Vergewaltigung. Wenn sie sich wehren, werden sie oft nicht ernst genommen und als zimperlich oder hysterisch bezeichnet, das bestätigt auch Petra Siegrün, Leiterin des Frauennotruf Regensburg e. V.: „Gewalt gegen Frauen ist auch in Regensburg ein Thema. Nur wenn diese Problematik sichtbar gemacht wird und wir darüber sprechen, wird das Thema enttabuisiert und in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Unsere Aufgabe ist es, ein Klima zu schaffen, in dem Betroffene ihre Scham überwinden und sich Hilfe holen können.“

Der Frauennotruf Regensburg e. V. ist eine Fachberatungsstelle, die ausschließlich zum Thema sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen in all ihren Ausprägungen arbeiten. Das umfasst zum Beispiel sexuellen Missbrauch in der Kindheit, Vergewaltigung durch Partner oder Fremdtäter, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.

Die Plakate hängen schon an 120 Litfaßsäulen, Schulen, Jugendzentren und Behörden im ganzen Stadtgebiet. Nach dem offiziellen Start werden weitere Plakate und die Postkarten in Stadt und Landkreis Regensburg verteilt.


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