24.10.2017, 16:08 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Landgericht Regensburg Fünfjährigen angezündet: Eltern stehen vor Gericht

Eine Zeugin sorgte damals dafür, dass das Kind, das schwerste Brandverletzungen erlitten hatte, in einer Fachklinik behandelt wurde. (Foto:aletia/123RF)Eine Zeugin sorgte damals dafür, dass das Kind, das schwerste Brandverletzungen erlitten hatte, in einer Fachklinik behandelt wurde. (Foto:aletia/123RF)

Ein Fall, der im Oktober 2016 mehr als sprachlos machte, wird nun vor dem Landgericht Regensburg verhandelt. Ein Ehepaar aus Waldmünchen ist dabei unter anderem wegen versuchten Mordes angeklagt.

REGENSBURG. Ende September soll der Angeklagte auf dem Parkplatz eines Lebensmittelgeschäfts ein Navigationsgerät und eine Sonnenbrille sowie einen originalen Autoschlüssel aus einem fremden Wagen gestohlen haben. Nur circa eine Stunde später soll die Ehefrau versucht haben, das Diebesgut im eigenen Garten und mit der Hilfe zweier Benzinkanister zu verbrennen. Im Garten sollen sich zur selben Zeit auch drei ihrer fünf gemeinsamen Kinder aufgehalten haben. Dabei soll brennendes Benzin auf den damals fünfjährigen Sohn des Ehepaares gespritzt sein. Der Junge wurde dadurch in Brand gesetzt. Die Angeklagte soll daraufhin die Flammen am Körper des Kindes mit einer Jacke erstickt haben. Anstatt den Notruf zu wählen, soll der Vater das Kind, das schwerste Brandverletzungen erlitten hatte, ins Haus getragen haben. In den nächsten Tagen sollen sich die Eltern zwar im Internet über Verbrennungen informiert, ihren Sohn aber dennoch nicht in ein Krankenhaus gebracht haben. Angeblich wollten die Eltern den Vorfall so vor Ärzten, Polizei und Jugendamt vertuschen.

Während ihr Sohn vor Schmerzen geschrien haben soll, sollen die beiden Angeklagten sich sexuellen Aktivitäten gewidmet haben. Der Zustand des Fünfjährigen soll sich nach und nach verschlechtert haben: Der Arm soll starr geworden und eitrige Wunden sollen aufgeplatzt sein. Angeblich konnte sich der Junge aufgrund seiner Verletzungen letztlich kaum noch artikulieren oder laufen. Erst nach vier Tagen, in denen sich der Fünfjährige gequält haben soll, griff eine Tankstellenpächterin ein, die auf den Jungen aufmerksam geworden war, als die Eltern mit ihm in der Tankstelle vorgefahren sein sollen.

Physische und psychische Schäden

Sie informierte daraufhin die Polizei und das Jugendamt. Der Junge wurde in ein Krankenhaus gebracht und mehrmals operiert. Nervenschädigungen, Narben und psychische Schäden bleiben bei dem damals Fünfjährigen zurück. Nur wenige Minuten nachdem das Kind aus der Familie genommen worden war, soll die Mutter bei der Tankstellenpächterin angerufen und sie bedroht haben.

Der erste Verhandlungstag im Prozess gegen die Eltern des Jungen findet am heutigen Mittwoch, 25. Oktober, statt. Insgesamt sind 13 Verhandlungstage angesetzt.


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