24.11.2017, 16:04 Uhr

Kandidatenkür FDP-Land: Neumitglieder nur noch nach „Gesichtskontrolle“


Zweikampf Illein gegen Brandl: Antragsflut machte Vorstandschaft stutzig

PASSAU/POCKING Seit die FDP wieder in den Bundestag eingezogen ist, wittern die Liberalen auch in Bayern Morgenluft. Bei der letzten Wahl aus dem Landtag rausgekickt, wollen sie ab 2018 wieder mitregieren. Auch in Passau bringt sich die FDP in Stellung. Und im Stimmkreis Passau-West bahnt sich dabei ein Zweikampf an zwischen der Kreisvorsitzenden Passau-Land Bettina Illein aus Tettenweis und dem alten Haudegen Hansi Brandl aus Vilshofen. Ein Zweikampf, bei dem das Vorglühen zur Kandidatenkür am 10. Dezember in Pocking es hinter den Kulissen rumpeln lässt.

„Spannung und Unterhaltungswert garantiert“ – so kündigte Kreischefin Bettina Illein in einem Glückwunsch-Posting auf Facebook an den Passauer Stadtrat und am Wochenende frisch gebackenen Ost-FDP-Direktkandidaten für die Landtagswahl 2018, Andreas Dittlmann, ihre eigene Aufstellungsversammlung an. Schon vor Wochen hat die Juristin ihren Hut zur Kandidatur in den Ring geworfen – und damit den einzigen FDP-Mandatsträger aus dem Landkreis Passau brüskiert: Hansi Brandl, der Mann der 2002 im Alleingang dem damaligen CSU-Landrat Hanns Dorfner Paroli geboten hat und als „Landrat der Herzen“ in die Analen einging, der seit 16 Jahren bei der FDP ist, zwei Mal bereits für den Landtag kandidierte (den Einzug allerdings verpasste) und als einziger Liberaler seit zehn Jahren im Passauer Kreistag sitzt. Nach wie vor ist der ehemalige Gastronom „Disco-Hansi“ bekannt wie ein bunter Hund.

Illeins überraschenden Kandidatur-Vorstoß konterte der schillernde FDP-Politiker Brandl, wohl weil er sich schlichtweg von der Kreisvorsitzenden übergangenen fühlte, stehenden Fußes: Er wird bei der Vergabe um das Direktmandat parteiintern gegen Illein antreten.

Über Nacht neuer Aufnahmemodus

Seitdem werden die Bataillone gesammelt. Denn küren werden den FDP-Kandidaten die Mitglieder. Binnen zweier Wochen landeten 14 neue Mitgliedsanträge auf dem Tisch der Kreisvorstandschaft – für FDP-Verhältnisse eine wahre Antragsflut. Und allesamt, wie man in FDP-Kreisen munkelt, sollen sie von Hansi Brandl rekrutiert worden sein. Der plötzliche Ansturm an liberaler Verbundenheit machte jedoch die Vorstandschaft stutzig – und prompt schob man kurzerhand einen „Aufnahme-Riegel“ vor: Reichte vormals die Zustimmung der Vorstandschaft via WhatsApp-Gruppe, werden ab sofort neue Mitglieder erst nach einer persönlichen Vorstellung bei der Kreisvorstandschaft aufgenommen. Liberale Gesichtskontrolle? So jedenfalls hat’s die Kreisvorstandschaft beschlossen, satzungskonform, wie es heißt. Jedenfalls kann es nun durchaus sein, dass neue Mitglieder erst nach dem 12. Dezember das gelbe Parteibuch erhalten könnten – und daher bei der Nominierungsversammlung nicht dabei sein und wählen werden.

Ein Schachzug der agilen Kreisvorsitzenden im Kampf um die Landtagsdirektkandidatur? Hansi Brandl nimmt‘s gelassen: „Bei mir zählt nur die sachliche Diskussion. Ich werde versuchen, mit einer g’scheiden Rede die Mitglieder von meiner Landtags-Kandidatur zu überzeugen.“


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