25.10.2017, 14:56 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Mordprozess Der mutmaßliche Mörder Dominik R. will endlich aussagen!

Der Angeklagte Dominik R. am 24.10. 2017 mit einem seiner Verteidiger, Dr. Thomas Krimmel, vor dem Landgericht Passau. Foto: Elisabeth Fuller (Foto:Elisabeth Fuller)Der Angeklagte Dominik R. am 24.10. 2017 mit einem seiner Verteidiger, Dr. Thomas Krimmel, vor dem Landgericht Passau. Foto: Elisabeth Fuller (Foto:Elisabeth Fuller)

Wie der mutmaßliche Messterstecher wirklich war: Freunde und Ex-Partner sagen vor Gericht aus!

PASSAU/FREYUNG Der letzte Tag mit Zeugenaussagen ging am Dienstag, 24. Oktober, am Passauer Landgericht zu Ende. Um 9.30 Uhr startete der Vorsitzende Richter Wolfgang Hainzlmayr mit einer wichtigen Zeugin im Mordfall gegen Dominik R. Die Expartnerin des Angeklagten, mit der er in der Trennungszeit von Lisa H.im Sommer/Herbst 2016 zusammen war, brachte ein wenig Licht ins Dunkel über den Charakter von Dominik R. Einen Monat lang waren die beiden „mehr oder weniger“ ein Paar. Dominik trank in der Zeit der Beziehung eigentlich fast täglich Alkohol, was auch zwischen den beiden zu kleinen Differenzen führte. Auch ein Verhaltenszug während des Konsums von Alkohol, „das Zwicken in den Busen“, gefiel der jungen Frau nicht.

Sie revidierte doch ein ausnahmslos schlechtes Bild des 23-Jährigen. „Er war immer lieb zu mir und auch romantisch und zärtlich. Ich hatte auch den Anschein, dass der kleine Luca sein ein und alles ist - er durfte ihn in der Zeit nicht sehen, aber als er ein Bild von Luca aus der Geldbörse holte, kamen ihm fast die Tränen“, so die Ex-Partnerin des mutmaßlichen Mörders. Schluss war dann endgültig Ende September, als Dominik R. via Whatsapp die Beziehung beendete. Der Grund: Er liebe Lisa immer noch und gehe zu ihr und seinem Sohn zurück.

Danach war kein Kontakt mehr, bis auf den Tag, als die junge Frau den Bruder des Angeklagten kontaktierte und ihm von der Vermutung erzählte, von Dominik schwanger zu sein. „Er schrieb seinem Bruder dann, dass ich das Kind abtreiben muss, falls ich schwanger bin, sonst tritt er mir in den Bauch“, so die Expartnerin.

Eine weitere Verflossene von Dominik R. war als zweite Zeugin an diesem Tag vor der Großen Strafkammer geladen. Angeblich hatte sie seit der damaligen Beziehung, die  7 Jahren zurückliegt, keinerlei Kontakt mehr zu dem Angeklagten. Als der 23-Jährige sich dann eines Abends, am 27. Oktober 2016, über Facebook meldete, war sie, so ihre Aussage „schon etwas verwundert“. Doch als R. ihr schrieb, dass sie es dringend sei und sie ihn bitte am nächsten Tag nach Passau zum Tätowierer fahren soll, ging die Freyungerin zu ihm und traf sich mit ihm auf einen Spaziergang.

„Er wirkte eigentlich größtenteils wie damals, aber tat ein bisschen auf Gangster. 100 Euro hat er mir geboten, dass ich ihn am nächsten Tag nach Passau fahre, aber das konnte ich nicht, weil ich am nächsten Tag Frühschicht hatte“, so die Exfreundin. In ihrer Beziehung gab es damals, so ihre Aussage, keinen großen Streit, aber da waren die beiden ja auch noch 14,15 Jahre alt.

Als weiteren Zeugen hörten die Richter sich einen Anwalt an, den Lisa H. damals nach ihrer Trennung aufsuchte. „Sie kam zu mir, weil sie mit Problemen mit ihrem Exfreund nach der Trennung kämpfte. Er hatte immer noch den Schlüssel zu ihrer Wohnung und den wollte sie zurück. Außerdem sollten Fotos vom gemeinsamen Sohn aus dem Internet gelöscht werden und weiter erzählte sie, dass er sie ständig angerufen hat und sie einfach nur ihre Ruhe wollte“, so der Anwalt. Nach einem postalischen Schreiben an Dominik R. brachte der auch, wie im Schreiben gefordert, den Schlüssel von der ehemaligen, gemeinsamen Wohnung zurück. Er erlebte R. als freundlichen, zuvorkommenden und einsichtigen Mann, der ihm auch in den anderen, geforderten Punkten Einsicht zeigte.

Auch der Unterhalt war ein Thema, worauf Lisa Hs Anwalt  aber an das Kreisjugendamt verwies. Letztendlich meldete sich Lisa H. auch bei ihrem Anwalt und schilderte eine Einigung der beiden Eltern - somit war sein Mandat auch beendet.

Nach dieser juristischen Aussage gab Verteidiger Dr. Holm Putzke auch eine Erklärung gegenüber dem Vorsitzenden Wolfgang Hainzlmayr ab: „Die prompte Schlüsselrückgabe meines Mandanten ist eine entscheidende. Wie der Anwalt von Frau H. hier schilderte, brachte Dominik R. schon wenige Tage nach Erreichen des Briefes den Schlüssel zurück. Der Schlüssel war also zu keinem Zeitpunkt im Oktober mehr Druckmittel von Dominik R. gegenüber seiner Lebensgefährtin. Das zeigt quasi ein ganz anderes Bild, als man am Anfang von unserem Mandanten hatte.“

Ein guter, langjähriger Freund (22) des Angeklagten war als nächster Zeuge geladen. Er kennt den 23-jährigen mutmaßlichen Mörder schon seit über sieben Jahren noch aus Schulzeiten. „Dominik hat man nie angekannt, wenn es ihm schlecht geht. Nach der Trennung von Lisa, als er seinen Sohn nicht mehr sehen hat dürfen, hat man ihm oft angekannt, dass er ihn vermisst. Luca ist ihm eben das Wichtigste“, so der 22-Jährige.

Durch R.s Bruder hörte er viel über die Auseinandersetzungen zwischen dem Liebespaar Lisa und Dominik, bekam aber selbst selten etwas mit. Der Kontakt war zwischenzeitlich, seit er mit Lisa zusammen war, auch sehr wenig geworden. Als er mit der neuen Freundin zusammen war, sah man sich wieder öfter auf ein Bier und zum Ratschen. Als er am 12. November von dem Fund von Lisas Leiche erfuhr, konnte er es nicht glauben: „Ich dachte, dass das einfach nicht wahr sein kann und habe Dominik angerufen und der hat mir gesagt, dass er mit Lisa und Luca in Frankreich im Urlaub ist. Ich habe dann aufgelegt und nichts mehr gesagt, weil ich einfach dachte, dass das alles nicht sein kann“, so der langjährige Kumpel.

Mit Lisa selbst hat er jedoch nie gesprochen und alle Details aus der Beziehung immer nur vom Hören-Sagen gewusst, dies erfragte auch Anwältin Petra Hödl, als es um Handgreiflichkeiten von Lisa gegenüber Dominik ging.

Nach einer kurzen Mittagspause wurde ein Zeuge mit Spannung erwartet, der noch wichtige Details zu Lisa und der Beziehung mit Dominik geben könnte: Lisas damaliger neuer Freund, der auch zum Todeszeitpunkt kurz davor war, mit ihr wieder fest zusammen zu sein. Der 21-Jährige Maler und Lackierer war die erste große Liebe von Lisa H. in der 8. Klasse. Schon damals verstanden sich die beiden sehr gut und waren ein Jahr lang ein Paar. Doch der Kontakt brach nach der Trennung ab und nahm erst im Januar 2016 wieder Fahrt auf.

„Lisa kontaktierte mich über einen Fake-Account in Facebook und gab sich als Stripperin aus Regensburg aus, die ihre erste große Liebe nicht vergessen konnte. Nach kurzer Zeit wusste ich dann aber, dass es Lisa ist und wir schrieben den ganzen Abend lang. Sie sagte mir, ich dürfe ihr nicht auf ihr normales Profil schreiben, weil das der gemeinsame Account von ihr und Dominik R. ist und der dürfe das nicht rauskriegen. Danach war der Kontakt eigentlich wieder weg bis zum Sommer. Ende August 2016 trafen wir uns dann das erste Mal wieder bei mir und wurden schnell wieder ein Paar. Es hat eigentlich alles gepasst und es ist richtig gut gelaufen. Mitte, Ende September hat sie dann plötzlich Schluss gemacht und das hat mich schon echt getroffen, weil ich nicht damit gerechnet habe“, so der damalige Freund der Getöteten.

Als Grund nannte sie dem jungen Mann, dass sie ihre Familie nicht aufgeben will und die beiden ja eine Familie zusammen hätten, dass sie ihn zwar auch liebe, aber sie ihre Familie nicht aufgeben konnte. Mitte Oktober kam es zu einem erneuten Treffen und einer Aussprache, in der Lisa ihm sagte, dass sie ihn immer noch liebe und nicht wisse, was sie tun soll. „Ich habe ihr gesagt, dass ich das ewige Hin und Her nicht mitmachen kann und dass das mir und R. nicht fair gegenüber sei. Entweder wir probierens nochmal, aber dann zu 1000% und nicht wieder so Pille Palle“, so der Maler-und Lackierer.

Ebenso berichtete er, dass Lisa Angst nach der Trennung von Dominik R. hatte: „Sie hatte kurz nach der Trennung so Angst, dass er in die Wohnung kommen würde, dass sie einen Stuhl vor die Tür unter die Klinke stelle, weil er den Schlüssel ja noch hatte. Außerdem sagte sie mir immer, ich soll aufpassen, wenn ich aus der Wohnung gehe, nicht dass er mir auflauert und sie nicht weiß, zu was er fähig ist.  Weiter hat er scheinbar einen Privatdetektiv auf uns angesetzt, der scheinbar auch Fotos von uns gemacht hat, als wir auf dem Balkon waren.“

Doch Ende Oktober entschieden sich die Beiden, dass sie beim geplanten Auszug am 1. November von Dominik R. wieder eine offizielle Beziehung eingehen wollen. Die beiden malten sich, laut Chat-Verläufen ihre gemeinsame Zukunft als kleine Familie mit Heirat und Co. aus - doch dazu kam es leider nicht mehr. Am 26. Oktober war der letzte, intensive Chat-Kontakt mit Lisa und ihrem Fast-Freund. Am Wochenende sollten Luca und Lisa bei ihm zuhause übernachten. Doch als sie in den nächsten Tagen sehr abweisend antwortete, kam dem 21-Jährigen das Ganze schon komisch vor, davon, dass ihr was zugestoßen sei, ging man natürlich nicht aus. 

Die beiden Verteidiger haben  im Namen des Angeklagten am 16. Oktober die Vernehmung der Polizeibeamtin, die Lisa Hs Mutter damals vernommen hat, beantragt. Diese sagte auch  am Dienstagnachmittag vor Gericht aus. Zwar bestätigte sie ihre Protokolle, die sie damals abgetippt hatte, schilderte aber auch, in welch einer wahnsinnig, schrecklichen Situation die Mutter der Getöteten damals befragt wurde: „Es war einfach schlimm. Zu dem Zeitpunkt meiner ersten Befragung lief parallel die Durchsuchung der Wohnung von Lisa H. Man wartete jeden Moment eigentlich auf die definitive Aussage, dass es sich bei der Leiche um ihre Tochter Lisa handelt. Sie war total aufgelöst und versuchte, so gut es ging, die ersten wichtigen Eckpunkte, die ich erfragen musste, zu beantworten. Meines Erachtens ging es in den Streits zwischen Lisa und ihrem Freund, laut ihrer Mama, immer nur um eins: den Alltag mit allem was dazu gehört. Arbeit, geregelter Tagesablauf und das Sorgen ums gemeinsame Kind.“

Was an diesem Tag aber alle überraschte: Dominik R. will sich zu den Vorfällen äußern im Laufe der nächsten Verhandlungstage. „Es ist zwar ein sehr später Zeitpunkt für eine Einlassung, aber es ist nie zu spät für Worte aus dem Mund des mutmaßlichen Täters. Ich habe auch von Anfang an betont, als Nebenkläger und Vertreter des kleinen Luca, dass es mir nicht um eine strafrechtliche Jagd auf Dominik R. in erster Linie geht, sondern darum, dem kleinen später mal seine Antworten geben zu können“, so Anwalt der Nebenklage Ronny Raith.

Petra Hödl, die als Anwältin und Vertreterin der Mutter der Getöteten fungiert, fasste den achten Verhandlungstag folgendermaßen zusammen: „Wir haben heute einige Bekannte und Freunde aus dem Umfeld des Angeklagten und auch von Lisa gehört. Man versucht sich natürlich ein Bild von der ambivalenten Beziehung von Lisa und Dominik zu machen, bei der gegenseitige Eifersucht eine große Rolle gespielt hat. Was mich und vor allem auch meine Mandantin sehr betroffen hat, ist dass der Angeklagte immer wieder breit über beide Ohren grinste und lächelte. Ich weiß wirklich nicht, was es bei so einem Prozess, bei dem es um einen mutmaßlichen Mord geht, noch zu lachen gibt. Die Einlassung des Angeklagten, die er angekündigt hat, erwarte ich aber mit großer Spannung. Interessant wird, ob er sich selbst zu Wort meldet oder lediglich über seine Anwälte und ob er danach für Fragen zur Verfügung steht.“

Anwalt Armin Dersch, der den Vater der Erstochenen vertritt, zu der überraschenden Ankündigung: „Wir, als Vertreter der Nebenkläger, also der Familie der Getöteten, erwarten die Worte schon seit Wochen gespannt. Der Zeitpunkt ist zwar sehr spät aber für die Familie sehr gut, dass er überhaupt etwas sagt, denn das habe ich nicht mehr erwartet. Es ist jedoch natürlich auch eine Taktik der Verteidigung, die ihren Mandanten auch dazu geraten haben. Wie das Ganze dann aber letzten Endes stattfindet, werden wir sehen. Das Lächeln, das meine Kollegin schon erwähnt hat, sorgt bei allen Betroffenen für großes Unverständnis und ist für mich nicht zu erklären.“

Zum ersten Mal äußerte sich auch Verteidiger Dr. Holm Putzke gegenüber der Presse zu Wort. Bisher weigerten sich die Anwälte des Angeklagten, sich zum Geschehen zu äußern, doch nach Schluss der Verhandlung am späten Dienstagnachmittag verkündeten sie nochmal, dass ihr Mandant eine Einlassung machen will und wird. Wie genau, da ließ sich das Verteidiger Duo Krimmel-Putzke noch nicht in die Karten schauen.

In Verbindung mit der Einlassung vom mutmaßlichen Messerstecher aus Freyung wird im Zuge des Prozesstages auch das psychologische Gutachten verlesen werden.


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