04.07.2018, 12:49 Uhr

Bußgeld So mancher Turbo-Raser legt beim Bezahlen eine Vollbremsung hin

Mit 174 Stundenkilometern in der 100-er Zone geblitzt? Wer sind eigentlich die Turbo-Raser, die für solche Schlagzeilen sorgen? Foto: mino21/123RFMit 174 Stundenkilometern in der 100-er Zone geblitzt? Wer sind eigentlich die Turbo-Raser, die für solche Schlagzeilen sorgen? Foto: mino21/123RF

Mit 173 Sachen in der 100-er Zone geblitzt. Wir wollten wissen, welche Raser solche Schlagzeilen verursachen und erfuhren, warum so mancher Vollgas-Scheich keinen Cent Bußgeld bezahlt.

LANDKREIS MÜHLDORF Viele Autofahrer scheinen zu glauben, dass Tempo-Limits für sie nicht gelten. Die Ergebnisse von Geschwindigkeitskontrollen bestätigen das. Fast täglich hagelt es Geldbußen, Punkte, Fahrverbote und Anzeigen für Raser. Fast täglich berichten wir online über die Blitzer-Aktionen. „Mit 174 bei erlaubten 100 Stundenkilometern geblitzt“. „Spitzenreiter raste mit 169 an Messstelle vorbei.“ Betrachtet man solche Überschriften, kommt man schon ins Grübeln. Man fragt sich, wer den eigentlich die Turbo-Raser sind, die für solche Schlagzeilen sorgen.

Wir haben bei der auch für den Landkreis Mühldorf zuständigen Verkehrspolizeiinspektion (VPI) Traunstein nachgefragt. Das Fazit einer längeren Unterhaltung mit einem Sprecher der VPI ist: Hinter den größten Geschwindigkeitsverstößen verbergen sich oft ganz unerwartete Geschichten.

So sind beispielsweise vor Kurzem zwei Scheichs geblitzt worden, die besonders rasant unterwegs waren. Die beiden Araber hielten sich wegen medizinischer Behandlungen länger in Deutschland auf. Sie hatten Leihautos und waren wohl der Meinung, dass man hierzulande so schnell fahren darf, wie man will. Einer der beiden soll innerhalb kurzer Zeit sogar mehrmals geblitzt worden sein.

Auch Fahrer aus skandinavischen Ländern, in denen die Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen oft bei 60 oder 70 Stundenkilometern liegt, drücken in Deutschland gerne mal besonders kräftig aufs Gas, erzählt der Polizeibeamte. „Und dann haben wir natürlich auch immer wieder die jungen Fahrer, die mit Autos unterwegs sind, die eigentlich noch der Bank gehören“, sagt der Sprecher der VPI.

Bei Verkehrssündern aus dem Ausland sei es mit dem Eintreiben des Bußgeldes so eine Sache, fährt er fort. Es ist nämlich gar nicht mal sicher, dass dieses Geld auch in der Staatskasse landet. Mit Österreich zum Beispiel bestehen Verträge, die es ermöglichen, dass die Bußgeldbescheide über die Grenze hinweg zugestellt werden.

Bei den erwähnten rasenden Scheichs aber geht die Wahrscheinlichkeit, dass je kassiert werden kann, gegen Null. „Die Bußgeldbescheide werden in solchen Fällen an den Mietwagenverleih geschickt“, erzählt der VPI-Sprecher. Und das war es dann meistens auch. Wenn der Fahrer des Wagens nicht identisch mit dem Mieter ist, wird es richtig kompliziert.


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