16.05.2018, 18:00 Uhr

Kraiburger Tankstelle ausgeraubt Kassiererin seit Überfall ein traumatisiertes Häufchen Elend

Der Prozess fand vor dem Landgericht Traunstein statt (Foto: Jürgen Unterhauser)Der Prozess fand vor dem Landgericht Traunstein statt (Foto: Jürgen Unterhauser)

Vermummt und mit einem Messer bewaffnet überfiel ein 35-Jähriger am 8. August letzten Jahres eine Tankstelle in Kraiburg. Dabei hat er 415 Euro erbeutet. Die Kassiererin bis heute traumatisiert. Ihren Job hat sie längst verloren. Nun hat der Wiederholungstäter vom Landgericht Traunstein die Quittung für sein schändliches Tun bekommen.

TRAUNSTEIN / KRAIBURG Ein vermummter Täter mit einem Messer erbeutete bei einem nächtlichen Überfall auf eine Tankstelle in Kraiburg 415 Euro. Die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs verurteilte den Haupttäter, einen 35-Jährigen aus Reut, Landkreis Rottal-Inn, am Dienstag wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung zu sieben Jahren Haft und Unterbringung zum Drogenentzug. Vor einer Therapie muss er noch zwei Jahre im Gefängnis verbüßen. Wegen Beihilfe erhielt ein 29-Jähriger aus Waldkraiburg eine Strafe von zwei Jahren mit dreijähriger Bewährung. Unter den Auflagen war ein Schmerzensgeld von 8 000 Euro an die bis heute traumatisierte Kassiererin.

​Staatsanwalt Alexander Foff hatte sowohl den Räuber, der früher schon dreimal Tankstellen überfallen hatte, als auch den 29-Jährigen, der die Tankstelle am 8. August 2017 gegen 22.37 Uhr gar nicht betreten hatte, in Mittäterschaft angeklagt. Der 29-Jährige sollte alles gewusst und einen Fahrer samt Auto angeheuert haben. Während der 35-Jährige die 47-jährige Kassiererin mit dem Messer zwang, ihm Geld auszuhändigen, sollte der Andere mit im Fluchtfahrzeug gewartet haben. Das Messer landete mit Maske und Kleidung im Innkanal. Die Kassiererin stand nach dem Überfall unter einem schweren Schock. Sie musste sich in ärztliche Behandlung begeben, absolvierte eine fünfwöchige Therapie, ist seit der Tat arbeitsunfähig krankgeschrieben und verlor tragischerweise dadurch ihren Arbeitsplatz.

Der einschlägig vorbestrafte Haupttäter belastete den ebenfalls vorgeahndeten Mitangeklagten in dem Prozess. Der 29-Jährige wollte mit dem Überfall zunächst überhaupt nichts zu tun gehabt haben. Nach einem Rechtsgespräch stufte ihn die Kammer abweichend von der Anklage als Beihelfer ein. Im Fall eines Geständnisses und einer Schadenswiedergutmachung konnte er mit einer Strafe mit Bewährung rechnen. Daraufhin legte auch der 29-Jährige ein Geständnis ab. Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Stefan Gerl vom Bezirksklinikum in Gabersee, ging bei der Betäubungsmittelsucht des 35-Jährigen von fehlenden Therapieerfolgsaussichten aus und verneinte eine Unterbringung zum Drogenentzug.

Das Kerngeschehen in der Tankstelle sei erwiesen, hob Staatsanwalt Alexander Foff im Plädoyer heraus. Schwieriger sei, wie sich der 29-Jährige schuldig gemacht habe. Ohne Organisation eines Fahrers wäre der Überfall gescheitert. Der 35-Jährige solle sieben, der 29-jährige als Mittäter fünf Jahre ins Gefängnis. Opferanwalt Alexander Knoll aus Waldkraiburg schloss sich an. Seine Mandantin sei „seelisch zerstört“: „Ich hoffe, sie kann alles irgendwann vollständig verarbeiten.“

Verteidiger Dr. Bernd Scharinger aus Donauwörth trat seitens des 35-Jährigen für eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und Unterbringung zum Drogenentzug ein. Der Überfall sei ausschließlich in der Drogensucht begründet. Nur eine „Beihilfe“-Rolle des 29-

Jährigen sah Axel Reiter aus Mühldorf und beantragte eine unbezifferte Freiheitsstrafe mit Bewährung. Im Urteil sprach der Vorsitzende Richter von „einer letzten Chance“ für den 35-Jährigen durch die Therapie. Wenn er den Wendepunkt im Leben jetzt nicht schaffe, werde er nach schon mehreren Jahren im Gefängnis für lange Zeit hinter Gittern sitzen.


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