16.04.2020, 15:25 Uhr

Einsatz vor Flüchtlingsheim Emotionen kochen hoch unter Quarantäne


Großeinsatz der Polizei vor der Flüchtlingsunterkunft in der Landshuter Niedermayerstraße. Weil dort die Quarantäne, die seit 14 Tagen andauert, verlängert werden soll, kam es zu massiven Protesten. Die Bewohner blockierten deshalb ein Lieferfahrzeug auf dem Gelände.

Landshut. Etwa 50 Bewohner hatten sich am Mittag im Hof der ehemaligen Kaserne, die seit der Verhängung der Quarantäne von einem Sicherheitsdienst bewacht wird, versammelt. Plakate hingen an dem Maschendrahtzaun, der die Grenze des Areals markiert, das die Bewohner schon seit 14 Tagen nicht verlassen dürfen. „Ich bin nicht infiziert, man kann mich nicht hier festhalten“, steht auf einem der Transparente. Die Stimmung bei den Männern im Hof war angespannt. Sie forderten einen Ansprechpartner der Behörden. Vor allem wollten sie eines: wissen, wann sie sich endlich wieder frei bewegen dürfen. Doch das wird noch einige Zeit dauern. Das Gesundheitsamt hat die Quarantäne um eine Woche verlängert. Um ihrem Ärger Luft zu machen, haben die Bewohner der Unterkunft ein zufällig anwesendes Lieferfahrzeug festgehalten.

Die Quarantäne, unter der die Unterkunft seit 14 Tagen wegen Covid-19-Erkrankungen steht, sollte eigentlich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag enden. Bei den Bewohnern haben aber schnell Informationen die Runde gemacht, dass sie verlängert werden würde. „Sie haben einen Ansprechpartner der Regierung gefordert“, so ein Sprecher der Polizei vor Ort.

„Durch die Einsatzkräfte der Polizei wurden vor Ort Gespräche mit Vertretern der Asylbewerber aufgenommen, die zu einer Beruhigung der Situation führten. Vertreter der Regierung von Niederbayern sind zwischenzeitlich mit den Asylbewerbern in Kontakt, um ihnen die weiteren Maßnahmen zu erläutern“, so die Polizei. Die Gespräche der Polizei mit den Asylbewerbern führten dazu, dass das Lieferfahrzeug den Bereich der Unterkunft wieder verlassen konnte.

„Noch bevor Vertreter der Regierung von Niederbayern vor Ort sein und die notwendigen Maßnahmen erläutern konnten, kursierten offenbar entsprechende Gerüchte unter den Bewohnern“, erklärt die Regierung auf Anfrage. Nach der Übermittlung der Quarantäneanordnung durch das Gesundheitsamt Landshut hätten sich aber Vertreter der Regierung unverzüglich auf den Weg gemacht, um den Bewohnerinnen und Bewohnern die Verlängerung der Quarantäne zu erläutern.

Weiter heißt es in der Stellungnahme der Regierung: „Die Anordnungen des Gesundheitsamtes Landshut sind wie in allen Fällen der Quarantäne zu befolgen. Ziel der Regierung von Niederbayern ist es, dies so schonend wie möglich umzusetzen. An erster Stelle stehen dabei die Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner und die möglichst baldige Aufhebung der Quarantäne. Die Verpflegung wird zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit dem Versorgungsarzt der Stadt Landshut wurden ärztliche Sprechstunden organisiert.“ Positiv getestete Personen würden zunächst abgetrennt innerhalb der Einrichtung untergebracht, nach Möglichkeit folge dann die Verlegung dieser Personen in eine gesonderte Quarantäneeinrichtung. „Zwischenzeitlich konnten bereits 26 zunächst nach Hengersberg verlegte positiv Getestete bzw. deren Angehörige wieder in die Landshuter Gemeinschaftsunterkünfte zurückkehren.“

Wie bei allen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie hängt der Erfolg von der Bereitschaft der Betroffenen zur Mitwirkung ab.


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