07.08.2019, 12:07 Uhr

Zwei Wochen, null Angriffe „Das habe ich noch nicht erlebt“

Ein Polizeibeamter mit Bodycam an der Schulter. In Landshut hat sich der Einsatz der Digitalkameras bereits bewährt.Foto: Schmid  (Foto: Schmid)Ein Polizeibeamter mit Bodycam an der Schulter. In Landshut hat sich der Einsatz der Digitalkameras bereits bewährt.Foto: Schmid (Foto: Schmid)

Die Bodycams der Polizei scheinen sich in Landshut zu bewähren. Seit zwei Wochen gab es keine Widerstandshandlungen mehr. Da staunt sogar der Landshuter Polizeichef.

LANDSHUT Es ist noch zu früh, um schon ein Fazit zu ziehen. Schließlich sind die Bodycams, die Kameras, mit denen die bayerische Polizei jetzt ausgerüstet worden ist, um Übergriffe auf Polizisten zu vermeiden, erst wenige Wochen im Einsatz. Bei der Landshuter Polizei ist man aber schon jetzt überzeugt von ihrer positiven und deeskalierenden Wirkung – das zeigen auch die Zahlen. Seit mittlerweile zwei Wochen, bis zum vergangenen Freitag, hat es keinen Angriff mehr auf einen Polizisten bzw. Widerstand gegen Beamte gegeben. Eine beachtliche Entwicklung. Denn Landshut gilt als die Stadt in Niederbayern mit den meisten Attacken auf Polizeibeamte.

130 Angriffe auf Polizisten hatte es bis Mitte Juni laut dem Sprecher der Landshuter Polizei, Stefan Scheibenzuber, heuer bereits gegeben. Auch wurden wieder viele Beamte im Einsatz verletzt. Zum Vergleich: Im Jahr vorher waren es noch 89 gewesen – und das war schon ein Spitzenwert im Bezirk.

Kein Wunder also, dass die Polizeiinspektion Landshut zu den ersten gehörte, die nach einer erfolgreich verlaufenen Testphase in Oberbayern mit den Bodycams ausgestattet worden ist.

Seit etwas mehr als zwei Wochen sind die Landshuter Polizisten jetzt mit den gelben Digitalkameras ausgestattet, am 9. Juli hatten die Schulungen im Umgang mit den Geräten in der Inspektion begonnen. Mittlerweile sind praktisch alle Streifen, die in Landshut im Einsatz sind, mit den Geräten ausgerüstet.

„Ich bin jetzt seit vier Jahren Leiter der Inspektion in Landshut. In dieser Zeit gab es keine so lange Phase ohne Widerstandshandlungen“, so der Chef der Landshuter Inspektion, Leitender Polizeidirektor Helmut Eibensteiner, erfreut. „Die Leute nehmen sich zurück, wenn sie merken, dass sie aufgezeichnet werden.“ In seinen Augen ist das kein Zufall, sondern ganz klar auf die Kameras zurückzuführen. „Das kann man zu hundert Prozent sagen.“

Eibensteiner ist mit seinen Beamten mit auf Streife gegangen, um sich ein Bild davon zu machen, wie sich die neue Ausrüstung im Polizeialltag bewährt. „Ich war unter anderem am Wochenende des Altstadtfestes mit den Kollegen unterwegs“, erzählt er.

Als sich ein Autofahrer bei einer ganz normalen Kfz-Kontrolle wenig kooperativ und zunehmend aggressiv zeigte, wiesen ihn die Beamten darauf hin, dass sie ab jetzt die Bodycam mitlaufen lassen würden, um die Szenen zu filmen. Das entspannte die aufgeheizte Situation schlagartig. Der aggressive Autofahrer beruhigte sich schnell. „Am Ende hat er den Kollegen sogar noch einen schönen Tag gewünscht“, so Eibensteiner. Bevor die Kameras im Einsatz waren, ist es in solchen Situationen, wie sie leider in Landshuts Polizeialltag öfters vorkommen, zu Beleidigungen oder – schlimmer noch – Widerstandshandlungen gekommen.

Trotz einer ersten positiven Bilanz: Ohne Ärger wird es wohl auch in Zukunft nicht im Einsatz für die Landshuter Ordnungshüter abgehen, da ist Eibensteiner realistisch. Stark betrunkene Täter werden sich auch durch laufende Kameras nicht beruhigen lassen. „Die registrieren das unter Umständen gar nicht mehr, dass sie gefilmt werden“, sagt er. Dafür kommt dann der zweite Vorteil der Kameras zum Zuge: Sie dokumentieren genau, was passiert ist. Das erleichtert die Ermittlungen gegen die Straftäter und die Beweisführung enorm.


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