27.07.2019, 09:35 Uhr

Zugeparkte Rettungswege in Landshut Jetzt soll es den Falschparkern rigoros an den Kragen gehen


Wenn es brennt, kommt es auf jede Sekunde an. Doch immer häufiger wird die Landshuter Feuerwehr massiv ausgebremst durch Falschparker. Enge Straßen und Rettungswege werden überall im Stadtgebiet rücksichtslos zugeparkt. „Bislang hat kein Appell etwas gebracht“, sagt Dominik Zehatschek, Sprecher der Landshuter Feuerwehr. Im Gegenteil: Es wird immer schlimmer. 22 Stadträte fordern in einem Antrag jetzt, dass die Stadt Landshut hart und rigoros durchgreift.

LANDSHUT Fasts chon Alltag sind bei der Feuerwehr Achdorf Szenen wie die vom letzten Schultag. Falschparker blockieren die Ausfahrten der Feuerwehr. Ein Feuerwehrmann versuchte, zumindest die Tore für den Notfall frei zu bekommen. Begründung einer Autofahrerin: Sie parkt dort, weil da ihr Auto im Schatten steht.

„Wir haben das Problem auch schon oft der Polizei gemeldet“, sagt Zehatschek. Doch die Ordnungshüter in Landshut sind personell gar nicht in der Lage, dass sie sich auch noch um Falschparker kümmern könnten.

Dazu kommt: Mit der Einsicht ist es bei den Autofahrern nicht weit her. Erwischen die Feuerwehrler einen dieser Falschparker, bekommen sie meist Ausflüchte zu hören. „Sie sagen dann oft, dass sie nur schnell was besorgen oder das Kind von der Schule abholen müssen.“ Doch diese fünf Minuten sind im Ernstfall dann eben doch fünf Minuten zu viel.

„Es ist ein flächendeckendes Problem in allen Wohngebieten der ganzen Stadt“, sagt Zehatschek. Egal ob am Hofberg, in Achdorf oder in der Wolfgangssiedlung. Überall ist es das gleiche Spiel.

Die Feuerwehr sah deshalb die von den Grünen geforderte Abschaffung der Stellplatzverodnung kritisch. Ihrer Meinung nach entsteht das Problem vor allem auch dadurch, dass es zu viele Autos in der Stadt und zu wenig Parkflächen gibt.

Gut beobachten könne man das in den Abendstunden, wenn die Leute von der Arbeit nach Hause kämen und dann einen Stellplatz in den Wohngebieten suchen würden. Die Zeiten, in denen es früher pro Familie ein Auto gegeben hat, sind eben schon lange vorbei. „Mutter, Vater, Oma – heutzutage hat doch jeder ein Auto.“ Drei Stellplätze haben in der Stadt allerdings die wenigsten Wohnhäuser. Und so leidet die Feuerwehr weiter unter zugeparkten Rettungswegen und Straßenzügen, wo sie mit ihren großen Einsatzfahrzeugen einfach nicht mehr weiterkommen. Die Kellerstraße ist so ein Beispiel. Steht da auch nur ein Kleinwagen am Fahrbahnrand, ist die Straße für größere Fahrzeuge blockiert. Dort gab es jüngst erst Ärger, weil die Müllabfuhr die Straße wegen der Enge nicht mehr anfahren konnte.

Schlimm ist es zu Dult-Zeiten auch in der Bachstraße im Stadtteil Achdorf. Im Kurvenbereich beträgt der verbleibende Platz auf der Fahrbahn gerade einmal drei Meter. Für Großfahrzeuge und auch Rettungswagen gibt es dann kein Durchkommen mehr.

Besonders dreist sind Autofahrer vor der dortigen Feuerwache. Dort parken Eltern mit ihren Autos während eines Schulfestes oder wenn sie die Kinder vom Unterricht in der Carl-Heiß-Schule abholen schon mal ein Tor des Feuerwehrgebäudes komplett zu. In den Mittagsstunden ist die Straße vor der Wache regelmäßig so verstopft, dass es kein Weiterkommen gibt.

Zu ähnlichen Bildern kommt es auch immer wieder in der Wolfgangsiedlung rund um die Feuerwache, im Bereich Föhrenweg und Tannenweg oder in Auloh.

Im Stadtrat weiß man um die Situation und will jetzt gegensteuern. In einem Antrag der CSU, der Bürger für Landshut, der Jungen Liste und der Freien Wähler, den insgesamt 22 Stadträte unterschrieben haben, heißt es: „Das egoistische und gedankenlose Verhalten der Verkehrsteilnehmer nimmt überhand. Rettungswege und Feuerwehrzufahrten werden immer öfter zugestellt und dadurch die Schutzziele nicht mehr erreicht.“ Fast niemand beachte die gesetzlich vorgegebenen Mindestfahrbahnbreiten von drei Meter im geraden Straßenverlauf und 3,50 Meter im Kurvenbereich.

Die Politiker fordern jetzt von der Verwaltung, dass in einer „konzertierten Aktion mit Polizei und Blaulichtverbänden“ wirkungsvoll gegen die Falschparker vorgegangen wird. Ähnliche Aktionen hat es in anderen Städten bereits gegeben, zum Beispiel in Aschaffenburg oder auch in München. Dort werden Autos seit einiger Zeit rigoros abgeschleppt, wenn sie einen Rettungsweg oder eine Feuerwehrausfahrt blockieren. Früher musste dort zuerst die Polizei informiert werden. Mittlerweile reicht ein Anruf der Verkehrsüberwacher bei den Ordnungshütern die dann wiederum den Abschleppdienst informieren. Innerhalb von 15 Minuten ist dann der Rettungsweg in der Regel wieder frei. Die Falschparker müssen dann nicht nur für ihr Knöllchen aufkommen, sondern auch für das Abschleppen. Da kommen dann schnell mal 200 Euro zusammen.


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