12.07.2019, 10:42 Uhr

Heldentat „Du stirbst mir heute nicht!“


Er steht am Isarufer, ganz entspannt, immer wieder huscht ihm ein Lächeln übers Gesicht – und er plaudert ganz locker über seinen Sprung ins Wasser, als wäre es ein plumper Hecht vom 3-Meter-Brett in der Schwimmschule gewesen. „Die Erfrischung hat gut getan, weil es ein heißer Tag war.“ Dabei hat Türker Güney am Donnerstag vorletzter Woche, 27. Juni, mal ganz so nebenbei ein Leben gerettet.

LANDSHUT „Güni“ sitzt an jenem Tag auf einer schattigen Bank direkt am Isarufer zwischen Heilig-Geist-Brücke und Maxwehr. „Da habe ich einen Mann beobachtet, der ein bisschen getorkelt ist“, sagt der 48-Jährige. Als Güney weiter seinen Gedanken nachhängt, hört er ein lautes „Platsch“. Eine Mutter mit Zwillings-Kinderwagen kommt angelaufen, ruft laut um Hilfe. „Als ich den Mann leblos im Wasser gesehen habe, habe ich nicht überlegt und bin sofort losgelaufen.“ Auf den wenigen Metern lässt der Landshuter alle seine Habseligkeiten wie Handy, Geldbeutel und Schlüssel fallen – und hüpft ins Wasser. „Voll reinzuspringen war mir zu unsicher, weil ich nicht wusste, wie tief das Wasser an dieser Stelle ist. Was bringt‘s dann, wenn dann zwei Leute im Wasser liegen?“ „Güni“ – laut eigener Aussage ein guter Schwimmer – krault zum regungslosen Mann und packt ihn an der Jeans. „Da habe ich gemerkt, dass der extrem betrunken war“, erinnert sich der 48-Jährige. Dieser habe den Retter angeschrien, ihn loszulassen. „Ich muss nochmal für sieben Monate ins Gefängnis. Ich will nicht mehr, lass mich gehen.“ Nach diesen Worten war Türker Güney klar, dass der Betrunkene nicht zufällig ins Wasser gestürzt war, sondern sich in der Isar das Leben nehmen wollte.

Doch „Güni“ hat da ganz entschieden etwas dagegen: „Du stirbst mir heute nicht!“ Der Landshuter lässt den Alkoholisierten – wie sich später herausstellt, hatte der Mann stolze 3,5 Promille intus – nicht los. „Ich hatte etwas Sorge, dass wir zu nah ans Maxwehr treiben.“ Doch Güney bringt den Mann Stück für Stück zurück ans Ufer. Dort ziehen Passanten den Mann an Land und helfen auch dem Retter aufs Trockene.

Die kurz darauf eintreffenden Einsatzkräfte von Polizei und BRK waren erstaunt von der Rettungstat des 48-Jährigen. „Einige der Passanten meinten, sie hätten sich nicht getraut, ins Wasser zu springen. Schließlich fließt die Isar nicht langsam vorbei und wenige Meter weiter ist das Maxwehr“, so der Lebensretter zum Wochenblatt. „Für mich hat sich die Frage aber gar nicht gestellt.“

Ins Überlegen ist „Güni“ jedoch nach seiner heldenhaften Rettungstat gekommen: „Das ist ganz mysteriös: Drei Monate vorher habe ich geträumt, dass ich jemanden aus dem Wasser ziehe. Krass!“ Dann muss der Landshuter jedoch gleich wieder schmunzeln: „Im Traum habe ich mir aber vor allem große Sorgen um mein Handy gemacht, weil es da in der Isar nass wurde. Dabei ist das ja eigentlich wasserdicht...“


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