18.04.2019, 08:23 Uhr

Freund und Helfer Der Schlüsseldienst in Uniform

Nehmen Bösewichte fest und knacken schon mal professionell eine Tür: Polizeihauptmeister Anton Stauber (li.) und Polizeimeister Benjamin Baumgartner. Foto: SchmidNehmen Bösewichte fest und knacken schon mal professionell eine Tür: Polizeihauptmeister Anton Stauber (li.) und Polizeimeister Benjamin Baumgartner. Foto: Schmid

Wer sich spät nachts aussperrt, hat ein Problem. Schlüsselnotdienste gibt es zwar ohne Ende, allerdings ist die Gefahr hoch, dass man an einen skrupellosen Abzocker gerät, wenn man sich im Internet Hilfe sucht. Fälle genug gab es in der jüngeren Vergangenheit ja in Landshut. Kein Wunder, dass der ältere Herr in der Litschengasse in der letzten Woche erst einmal völlig aufgelöst war, als ihm ein verhängnisvolles Missgeschick passiert ist und er plötzlich vor seiner verschlossenen Wohnungstüre stand. Gut, dass Polizeihauptmeister Anton Stauber (44) und Polizeimeister Benjamin Baumgartner (28) nicht für nur Recht und Ordnung sorgen, sondern auch Türen professionell knacken können.

LANDSHUT „Das hat nicht lange gedauert. Nur einmal schief angeschaut und schon war die offen“, erzählen die beiden Ordnungshüter. Was für die beiden Polizisten ein Klacks war, hatte zuvor für Verzweiflung im Hausflur gesorgt. Dem älteren Herrn war mitten in der Nacht seine Wohnungstüre zugefallen. Der Schlüssel steckte innen im Schloss. Ratlos, was zu tun ist, klingelte er zunächst seine Nachbarn raus und bat um Hilfe. Die wollten die Türe mit einer Scheckkarte öffnen. Was allerdings im Fernsehen immer so leicht aussieht, stellte sich in der Realität dann doch als ziemlich schwierige Fummelei bzw. als unmöglich heraus. Einen professionellen Schlüsseldienst wollte die Schicksalsgemeinschaft nicht rufen. Der Grund: „Der kostet wahrscheinlich so viel, wie die halbe Rente des alten Mannes im Monat beträgt“, so der hilfsbereite Nachbar. Blieb also nur noch, die Ordnungshüter um Rat zu fragen.

Die sind für versehentlich zugefallene Türen eigentlich nicht zuständig. In diesem ganz speziellen Fall machten sie aber eine Ausnahme. Schließlich hätte es ja sein können, dass der betagte Herr auf Medikamente in seiner Wohnung angewiesen ist. Es lag also quasi ein Notfall vor. Weil noch dazu gerade keine größeren Einsätze liefen, schickte die Einsatzzentrale Stauber und Baumgartner, damit die sich die Sache mal genauer anschauen –und sich als Einbrecher betätigen. „Wenn die Türen nur zugefallen und nicht abgesperrt sind, dann ist das kein Problem“, sagt Stauber, ein erfahrener Beamter. Für solche Fälle hat der Polizeihauptmeister immer sein „Spezialwerkzeug“ dabei. Was das genau ist, wollte er nicht verraten. Nur so viel: Die Tür war sofort offen. „Die Landshuter Polizei hat diesem armen Mann viel Geld gespart und ihn sehr glücklich gemacht“, so dessen Nachbar, der die Geschichte auf Facebook publik gemacht hat, um sich bei der Polizei zu bedanken.

Weil Polizisten normalerweise keine Zeit haben, zugefallene Türen zu öffnen, muss man aber trotzdem einen Fachmann vom Schlüsseldienst kommen lassen, wenn nicht gerade ein Notfall vorliegt. Dabei sollte man den Ratschlag der Polizei beherzigen, um unseriöse Angebote gleich von vornherein auszuschließen. „Wer am Telefon nicht einen konkreten Preis nennt und herumdruckst, bei dem sollte man schon mal vorsichtig sein“, sagt Pressesprecher Stefan Scheibenzuber. Außerdem sollte man grundsätzlich nur bekannte ortsansässige Schlüsseldienste um Hilfe bitten. Den erstbesten aus dem Internet anzurufen, ist eher keine gute Idee. Dann kann so eine einfache Türöffnung schnell mal einen dreistelligen Betrag kosten.


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