15.03.2019, 07:26 Uhr

Vergewaltigungs-Prozess Griff unter den Rock beim Gaukler-Turm

Der Angeklagte versteckt sich vor den Fotografen. Die Verhandlung musste unterbrochen werden, weil sein Verteidiger erkrankt war. (Foto:  mr)Der Angeklagte versteckt sich vor den Fotografen. Die Verhandlung musste unterbrochen werden, weil sein Verteidiger erkrankt war. (Foto: mr)

Am zweiten Verhandlungstag im Vergewaltigungsprozess gegen einen angeklagten Landshuter Physiotherapeuten, der eine 14-Jährige missbraucht haben soll, sind erschütternde Details zur Sprache gekommen: Demnach soll der Angeklagte das minderjährige Mädchen bereits während der Landshuter Hochzeit intim begrapscht haben, wie der ermittelnde Kriminalhauptkommissar vor Gericht aussagte. Beide waren Akteure des historischen Großereignisses.

LANDSHUT Wie bereits berichtet, wird dem 47-jährigen Angeklagten Vergewaltigung unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses vorgeworfen. Die damals erst 14-jährige Patientin soll sich am 17. August 2017 im Behandlungsraum des Physiotherapeuten befunden haben, um sich von ihm wegen einer Verletzung an der Schulter tapen zu lassen. Dabei soll er sie erst an der Brust gestreichelt und sie dann komplett ausgezogen haben. Dann habe er sich zwischen ihre Beine gedrängt, sie festgehalten und sie vergewaltigt.

Wie die Schülerin bei ihrer polizeilichen Vernehmung dem Kriminalhauptkommissar erzählte, soll sich der erste Vorfall zur Landshuter Hochzeit zugetragen haben, an der beide als Akteure teilnahmen. Laut dem Beamten soll der Angeklagte dem Mädchen an einem Fest-Samstag beim „Gaukler-Turm“ unter das Kleid gegriffen haben. Nachdem sie ihn zurechtgewiesen habe, soll er aufgehört haben und der Vorfall sei auch nicht mehr thematisiert worden.

Im August 2017 soll es dann ihren Schilderungen zufolge nach dem Tapen ihrer Schulter zu der Vergewaltigung im Behandlungsraum des Fitnessstudios gekommen sein. Nach der Tat habe sie sich zügig angezogen und den Raum verlassen, um zu ihrem Rad zu gehen. Noch am Fahrrad stehend habe der Angeklagte die ganze Zeit auf sie eingeredet und sie gebeten, sie möge es keinem erzählen, denn „es sei doch nichts passiert“, so der Polizist vor Gericht. Erst am nächsten Tag habe sie sich ihrer Mutter anvertraut. Den Zustand des Mädchens während der Vernehmung beschrieb der Beamte als „desaströs“.

In einem Chatverlauf nach der vermeintlichen Tat schrieb der Angeklagte dem Mädchen, „egal wie es war, es war falsch - wir haben beide nicht nachgedacht“ und „Dummheit kennt kein Alter“. „Wir beide spüren, dass wir einen Fehler gemacht haben“, so der Physiotherapeut weiter. Sie erwidert, wie schlecht es ihr gehe, dass sie es nicht „verdrängen“ könne und er ihr „Vertrauen missbraucht“ habe.

Eine weitere geladene Zeugin kennt den Angeklagten bereits seit „Jugendtagen“, als beide noch aktiv Kunstturnen betrieben hätten. Beide seien als Übungsleiter für die Turngemeinde Landshut tätig. Das mutmaßliche Opfer kenne sie vom Turnen, da dieses regelmäßig Trainingseinheiten bei ihnen absolvieren würde.

Auch der Angeklagte habe aufgrund seiner unterstützenden Tätigkeit als Trainer dem Mädchen immer wieder Tipps gegeben. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Theo Ziegler, ob sie die beiden auch mal alleine vor der Halle beobachtet habe, verneinte die Zeugin, da die Schülerin immer bereits vor seiner Ankunft zum Training der Gaukler anwesend war. Aufgefallen sei der Zeugin allerdings, wie das Mädchen ihm „pubertierend schwärmend gegenüberstand“. Das habe sie an deren Blick gemerkt. „Sie hat ihn so freundlich schelmisch angeschaut und den Kopf verdreht, wie es Jugendliche halt so machen, wenn sie für jemand schwärmen“, so die Zeugin. Der Angeklagte soll sich ihr gegenüber neutral verhalten haben. Unter anderem über den Kreis der Gaukler habe sie dann von den Vorwürfen erfahren.

Vor der Mittagspause richtete der Angeklagte auf eigenen Wunsch noch ein Wort an die Mutter des Mädchens und entschuldigte sich für die entstandene Situation. Er hat ihr ein Schmerzensgeld von 5.000 Euro angeboten und angekündigt, das Geld zu überweisen. Nebenklägervertreter Rechtsanwalt Harald Seiler erklärte ihm, dass weder dieser noch ein höherer Betrag ausreichen würde, um diese Situation in irgendeiner Art auszugleichen. „Sie leidet noch heute“, so Seiler.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt und das Urteil erwartet.


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