21.06.2018, 10:46 Uhr

Serie von Verbrechen Schläge, Drogen, Messer-Selfie: Entgleitet Mühleninsel der Polizei?


Die Mühleninsel gerät nicht aus den Schlagzeilen. Die Landshuter Polizei hat mit Drogen, Gewalt und Jugendlichen zu kämpfen, die praktisch keinen Respekt mehr vor der Polizei haben. Wie soll das weitergehen?

LANDSHUT Während die Beamten im Einsatz sind, nutzen ein paar Jugendliche die Gelegenheit für Selfies. Sie postieren sich rund um den Streifenwagen. „Einer von ihnen hat mit einem Messer posiert“, erinnert sich ein Passant. Als er ein Foto von der Situation macht, maulen sie ihn an. Er dürfe das nicht, das verstoße gegen die neue Datenschutzgrundverordnung. Eigentlich wäre die Szene mit den frechen Jugendlichen zum Schmunzeln, hätte sich die Mühleninsel im Herzen von Landshut nicht innerhalb kürzester Zeit zu einem Brennpunkt entwickelt. Entgleitet die Parkanlage der Polizei? „Nein“, sagt der Sprecher der Polizei. Überzeugend klingt das nicht.

Erst die Massenschlägerei zwischen dealenden Flüchtlingen, bei der ein zufällig anwesender Polizist aus München verletzt wird. Dann die Festnahme eines syrischen Drogendealers (30) in der letzten Woche. Kurz darauf gibt es eine Messerstecherei vor einem Schnellrestaurant in der Altstadt zwischen zwei Syrern. Das Polizeipräsidium vermutet einen Zusammenhang zu der Massenschlägerei auf der Mühleninsel.

Der nächste schwere Vorfall lässt nicht lange auf sich warten: Ein 30-jähriger Landshuter gerät am Freitag laut Polizei mit einem „38-Jährigen mit libanesischem Migrationshintergrund“ in Streit. Der Ältere der beiden soll Drogen an Jugendliche verteilt haben. Der 38-Jährige schlägt seinen Kontrahenten nieder und tritt auf ihn ein, auch zwei syrische Asylbewerber (28 und 25) treten auf das am Boden liegende Opfer ein, das schwer verletzt wird. Mit einem Schädelbasisbruch kommt er ins Krankenhaus. Immerhin: Eine zufällig vorbeikommende Streife kann die Täter festnehmen.

Die Ereignisse zeigen einen besorgniserregenden Trend auf. Die Mühleninsel verkommt zum Umschlagplatz für Drogen. Dass die Polizei verstärkt präsent ist, interessiert die Täter scheinbar wenig.

Das streitet die Polizei nicht ab: „Die Entwicklung hat schleichend begonnen und sich dann verfestigt“, sagt der Sprecher der Polizei, Stefan Scheibenzuber. Er spricht von einem „Ameisenhandel“ mit Drogen, viele Lieferanten, die Marihuana an ihre jungen Abnehmer verteilen. Auffallend: Ein Großteil der Täter sind Flüchtlinge.

Für die Polizei nicht weiter verwunderlich. Bereits vor einigen Wochen hatte der Chef der Landshuter Kriminalpolizei, Werner Mendler, in einem Interview mit dem Wochenblatt erklärt, dass die „großen Unterkünfte“ in diesem Zusammenhang „ein Problem darstellen“. Ein Polizist, der nicht genannt werden will, drückt es griffiger aus: „Den Sumpf dort können wir nicht trocken legen.“ Der Grund: Das Dealen mit Drogen ist eine einfache Methode, um an Geld zu kommen – auch ohne Deutschkenntnisse oder einen Job. Jetzt sieht es so aus, als ob sich die Drogengeschäfte auf die Innenstadt ausbreiten.

Die Polizei will deshalb die Daumenschrauben noch enger anziehen. „Wir können nicht 24 Stunden am Tag vor Ort sein. Aber wir werden permanent präsent sein, uniformiert und mit Einsatzkräften in Zivil“, sagt Scheibenzuber – und schiebt hinterher: „...wenn die Einsatz- und Kräftelage es zulässt!“

Kommentar im Epaper auf Seite 2


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