15.06.2018, 09:55 Uhr

Versuchter Mord „Sie öffnete die Tür und dann sah ich Rot“

Der 28-Jährige stammt ursprünglich aus Bautzen. (Foto: mr)Der 28-Jährige stammt ursprünglich aus Bautzen. (Foto: mr)

Er wollte sich nur mit seiner Ex-Verlobten aussprechen. Doch dann stach er zwölfmal mit dem Messer heimtückisch auf den neuen Freund der Ex ein. Jetzt sitzt der 28-jährige Angeklagte aus Landshut wegen versuchten Mordes auf der Anklagebank. Seit Donnerstag wird ihm in Landshut der Prozess gemacht.

LANDSHUT Laut der von Staatsanwalt Thomas Rauscher vertretenen Anklage versuchte der 28-Jährige am 16. Juni 2017 den neuen Partner seiner Ex zu töten. Anschließend wollte er die Frau sexuell missbrauchen, um sich wegen der Trennung an ihr zu rächen. Um dem Gespräch – falls nötig – etwas mehr Druck zu verleihen, hatte er auch gleich die nötigen Utensilien wie Handschellen, Klebeband, Beil und Gummidildo im Rucksack parat.

„Sie nannte mich ihren Traummann. Es gab nach der Trennung nie ein klärendes Gespräch. Ich wollte nur mit ihr reden“, erklärte der Angeklagte seine Beweggründe. Deswegen fasste er den perfiden Plan, um seine Ex auf diese Weise zur Rede zu stellen. Laut Anklage versteckte er sich auf dem Dachboden des Wohnhauses und wartete, bis sie und ihr neuer Freund gegen 21.45 Uhr nach Hause kamen. Dann nahm das Beziehungsdrama seinen Lauf.

Er klingelte und sie öffnete ihm die Tür. Dabei wären bei ihm die Sicherungen durchgebrannt, wie der Elektroniker in der Verhandlung zugab. Er schubste die im fünften Monat schwangere Frau zur Seite und stach ohne Vorwarnung auf Kopf und Rücken des Mannes ein. „Er hat kein Wort gesagt und gleich zugestochen“, erklärte das Opfer vor Gericht. Die Ex-Freundin des Angeklagten flüchtete aus Angst um ihr ungeborenes Baby zu den Nachbarn und holte Hilfe.

„Als ich in die Wohnung zurückkam, fand ich meinen Freund im Bad. Er sah mich an und sagte, das würde er nicht überleben“, erklärte die Frau. Die Wunden wären so schlimm gewesen, dass sie bis auf die Knochen hätte sehen können.

Währenddessen rannte der Angeklagte zurück in seine Wohnung im gegenüberliegenden Wohnblock. „Ich schnappte mir eine Flasche Schnaps und die Armbrust und stieg ins Auto. Ich wollte mir das Leben nehmen“, so der 28-Jährige. Warum er es letztendlich nicht getan habe, wisse er nicht mehr. Überhaupt könne er sich an die Tat nicht erinnern, wie der Elektroniker immer wieder beteuerte.

Angetrunken lieferte er sich anschließend mit der Polizei eine Verfolgungsjagd, die damit endete, dass der Angeklagte gegen einen Baum prallte.

Der Prozess wird am 28. Juni fortgesetzt.


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