13.06.2018, 12:48 Uhr

Unbekannter terrorisiert Kita Scherben-Fallen im Kinderparadies


Die Scherbe ist nur ein paar Zentimeter groß. Sie hat messerscharfe Kanten. Mit der Spitze nach oben steckt sie im Boden. Nicht auszudenken, was passiert, wenn ein kleines Kind darauf fällt, wenn es mit den Händen im Kies spielt. Genau deshalb wurde sie dort vergraben. Die Falle soll schmerzhafte blutige Wunden bei den Kindern der Sonneninsel reißen, da ist man sich in dem Kindergarten sicher. Ein Unbekannter terrorisiert seit Wochen die Einrichtung in der Marschallstraße. Am Dienstag ging das grausame Spielchen weiter. Die Eltern haben Angst.

LANDSHUT 9.30 Uhr in der Marschallstraße: Ein Streifenwagen hält vor der Einrichtung der Lebenshilfe, wieder einmal. Obwohl die Polizei ankündigte, sich des Falls intensiv anzunehmen, obwohl sie in der letzten Woche die Öffentlichkeit um Mithilfe bat, hat der Täter in der Nacht von Montag auf Dienstag wieder zugeschlagen. Seit Wochen geht das jetzt so mit den Scherben. Wie durch ein Wunder hat sich bisher noch kein Kind verletzt.

2014 wurde der Bau der Lebenshilfe, eine integrative Kindertagesstätte, mit dem großzügigen Freigelände errichtet. Es gibt Schaukeln, einen Sandkasten, viel Grün mitten in der Stadt – es ist ein Paradies für die Kleinen. Eigentlich. Im Frühjahr tauchten dann die ersten Glasscherben auf. Seitdem startet jeder Tag für das Kindergartenpersonal immer gleich: Das Gelände wird gründlich abgesucht.

Letzten Donnerstag dann der schockierende Höhepunkt: Eine große Glasscherbe wird entdeckt. Sie ist in den Boden eingegraben. Nur die gefährliche Spitze ragt noch raus. „Wir haben nach der Brotzeit im Garten gespielt und wollten Kieselsteine sammeln, als ich sie gefunden habe. Gott sei Dank habe ich sie entdeckt und kein Kind“, erzählt Kinderpflegerin Kathrin S. (Name von der Redaktion geändert). Personal, Eltern und Elternbeirat sind sich einig: Die Scherbe wurde ganz bewusst dort versteckt!

Bereits einen Tag später, am Freitag, dann der nächste Fund vor den neu aufgestellten Tipi-Zelten. Dieses Mal liegen dort zwei kleinere Scherben. Am Dienstag muss die Polizei wieder zum Kindergarten ausrücken, weil vor dem gleichen Tipi eine große Scherbe gefunden wird. „Dreimal innerhalb kürzester Zeit – ich hätte wirklich nicht gedacht, dass der oder die sich das schon wieder traut“, sagt Karin Junge, Leiterin der Kita.

Sie vermutet dahinter eine Mutprobe von betrunkenen Jugendlichen, die am Hang oberhalb der Einrichtung ihre Saufgelage feiern. Wer der Unbekannte ist, der in Kauf nimmt, dass sich unschuldige Kinder verletzen, ist laut Stefan Scheibenzuber, Pressesprecher der Polizei Landshut, aber noch völlig offen. Ermittelt wird in alle Richtungen. „Deswegen sind wir auch an die Öffentlichkeit gegangen, um die Leute zu sensibilisieren.“

„Wir haben den Eindruck, dass es gezielt ist“, sagt Dr. Hannelore Omari, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Landshut, die Träger der Einrichtung ist. Eine Erklärung für die Anschläge hat sie nicht. Es gibt weder Streitigkeiten mit Nachbarn oder Drohbriefe. „Heute noch werden wir uns mit der Stadt und der Polizei zusammensetzen und das Problem und Lösungen besprechen. Wir nehmen das sehr ernst. Es geht darum, die Kinder zu schützen,“ so die Geschäftsführerin. Hinweise an die Polizei in Landshut.


0 Kommentare