17.05.2018, 11:45 Uhr

Steigende Fallzahlen bei der Kripo Landshut Die Schattenseite des Speckgürtels!


Das Innenministerium meldet stolz einen Rückgang der Kriminalität. Auch im Bereich des Präsidiums Niederbayern sind die Fallzahlen laut Statistik um 10 Prozent zurückgegangen. Bei der Kriminalpolizei, die für die schweren Verbrechen zuständig ist, kann von Entspannung aber keine Rede sein. Im Gegenteil: Dort wird die Arbeitsbelastung immer höher. Die Zahl der Fälle stieg 2017 um 14,3 Prozent. Die Aussichten sind nicht rosig.

LANDSHUT Eigentlich sollte man meinen, dass Werner Mendler gerade ein sehr entspanntes Arbeitsleben hat. Schließlich ist die Kriminalität in Niederbayern laut Statistik um knapp zehn Prozent zurückgegangen. Im Zahlenwerk des Polizeipräsidiums Niederbayern ist gar von einem „Tiefstwert im Zehn-Jahres-Vergleich“ die Rede. Auf dem Schreibtisch des Kriminaldirektors in Landshut stapeln sich trotzdem die Akten und so richtig unterbeschäftigt wirkt Mendler auch nicht. Statistik und Realität klaffen wie so oft auseinander. Von weniger Arbeitsbelastung kann keine Rede sein. Im Gegenteil. Die Zuzugsregion Landshut, die längst zum Speckgürtel von München gehört, stellt die Kripo vor ganz neue Herausforderungen. Mit der Einwohnerzahl in der Region wächst auch die Kriminalität.

„Im Jahr 2017 ist die Zahl der Fälle, für die die Kriminalpolizei Landshut zuständig war, um 14,3 Prozent gestiegen“, sagt Mendler und zieht eine Auflistung aus seinen Unterlagen hervor. 1.356 Fällen haben die Kripobeamten im letzten Jahr abgeschlossen. Dazu kommen dann noch die Fälle, die gar nicht in die Statistik eingeflossen sind, weil noch ermittelt wird. Die aktuelle Kriminalstatistik für Niederbayern ist, was sie ist: ein reines Zahlenwerk, das viel Raum für Deutungen zulässt, aber nicht viel über die tatsächliche Situation aussagt. Auch wenn das Politiker bisweilen ganz anders darstellen. Eines lässt sich ganz sicher nicht sagen: dass die Kripo Landshut immer weniger Arbeit hat. Das Gegenteil ist der Fall und das lässt sich durch Zahlen belegen.

Da ist zum Beispiel die Gewaltkriminalität. In Niederbayern hat die Zahl der Fälle um 10,2 Prozent abgenommen. Freuen kann sich Mendler darüber nur bedingt. Im Zuständigkeitsgebiet der Landshuter Kripo – die Landkreise Landshut, Kelheim, Dingolfing-Landau und die Stadt Landshut – sieht es ganz anders aus. „Die Zahl der Fälle ist im Jahr 2017 um rund 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.“ Noch eindrucksvoller sieht es bei der Rauschgiftkriminalität aus. Da hat es einen Anstieg der Fälle um satte 49,2 Prozent gegeben, in Niederbayern dagegen nur um 3,7 Prozent. „Sorgen bereiten uns in diesem Bereich vor allem die großen Flüchtlingsunterkünfte“, so Mendler. Das seien ganz klare Brennpunkte.

Doch auch bei den Wohnungseinbrüchen lässt sich der Trend, auf den der Kripo-Chef hinweist, nachvollziehen. Der Rückgang der Einbruchskriminalität in Niederbayern um 14,2 Prozent betrifft den Raum Landshut so gut wie gar nicht. Hier sind die Fälle im Jahr 2017 nur um 4,6 Prozent zurückgegangen und dürften wegen einer beispiellosen Serie im Raum Ergolding wieder steigen. „Brennpunkte der Einbruchkriminalität sind ganz klar Landshut und Passau“, so Mendler. „In Straubing zum Beispiel passiert in diesem Bereich so gut wie nichts.“

Diese Zahlen wirken sich natürlich auf die Beschäftigten bei der Kriminalpolizei aus. „Die Belastung unserer Leute, auch durch Überstunden, ist hoch“, sagt der Kripo-Chef. Dazu kommt, dass sich die Sachbearbeitung verändert hat. Im Internetzeitalter haben es Kripo-Beamte praktisch immer mit Unmengen von Daten zu tun, zum Beispiel durch die Auswertung von Mobiltelefonen. „Vieles passiert, gerade im Bereich der Beziehungstaten, über die Sozialen Medien“, so Mendler. Ein Umstand, der den Ermittlern zusätzliche Arbeit beschert.

Der Aufwand bei der Datenrecherche in einem Ermittlungsverfahren ist bisweilen gigantisch, vor allem im Bereich Wirtschaftskriminalität. Dort hat die Kripo Landshut jetzt in einen Rechner mit Spezialsoftware investiert, um Terabyte von Daten besser aufarbeiten zu können. Für die Beamten sollen sie so leichter recherchierbar werden. Gleichzeitig wird auch der Aufgabenbereich immer größer. So wird in Landshut die Sachbearbeitung für Delikte im Bereich „Abrechnungsbetrug“ für ganz Niederbayern demnächst zentralisiert, dazugekommen ist auch das Sachgebiet Cybercrime.

Das alles vor dem Hintergrund, dass die Personalsituation bei der Kripo nicht einfacher wird. Geeigneten Nachwuchs zu finden, wird immer schwerer. Die Interessenten stehen für den anstrengenden Job nicht gerade Schlange. „Deshalb sage ich bei den Sicherheitsgesprächen in den Rathäusern und Landratsämtern und gegenüber den politischen Mandatsträgern immer wieder: ,Vergesst mir die Kripo nicht!‘“

Es gibt aber auch erfreuliche Nachrichten aus dem Speckgürtel von München: Die Aufklärungsquote liegt bei der Kripo Landshut mit 77,8 Prozent weit über dem Schnitt in Bayern.

Über die Kripo Landshut:

77 Beamte sind bei der Kriminalpolizei Landshut für eine riesige Fläche zuständig, die von Kelheim bis nach Landau an der Isar reicht. Eine Fläche mit 440.000 Einwohnern. Die verfügbare Personalstärke liegt derzeit aber bei 74,3. Das liegt daran, dass zum Beispiel manche Beamte Teilzeit arbeiten, in Elternzeit, Fortbildung oder im Auslandseinsatz sind. Ein Schwerpunkt der Kriminalität in Niederbayern ist sicherlich die Region Landshut. Das liegt an der Nähe zu München und an der Tatsache, dass von dort immer mehr Menschen nach Landshut kommen. Landshut ist zudem Zuzugsregion und gehört längst zum Speckgürtel der Landeshauptstadt.


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