02.12.2017, 17:46 Uhr

Prozessbeginn am MIttwoch Teenager überrollt und liegen gelassen – war es versuchter Mord?

Die Straße bei Obermünchen, wo der damals 17-Jährige überrollt worden war. (Foto: ja)Die Straße bei Obermünchen, wo der damals 17-Jährige überrollt worden war. (Foto: ja)

Dieser Unfall hatte vor eineinhalb Jahren für Empörung in der Bevölkerung und für Schlagzeilen gesorgt: Ein 27-jähriger Landwirt aus Pfeffenhausen hatte nächtens mit seinem Pkw einen auf der Straße liegenden 17-Jährigen überrollt und dann Fahrerflucht begangen. Der schwer verletzte Teenager kam glücklicherweise mit dem Leben davon. Der Landwirt, der seit Dezember 2016 in Untersuchungshaft sitzt, hat sich ab kommenden Mittwoch u.a. wegen versuchten Mordes durch Unterlassen vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts zu verantworten.

LANDSHUT Wie sich im Rahmen der Ermittlungen herausstellte, war der 17-Jährige in der Nacht zum 6. Dezember 2016, einem Sonntag, von einer Party in einem Gasthof in Obermünchen (Gemeinde Obersüßbach) zu Fuß nach Hause in Richtung Haslau aufgebrochen. Er benutzte dabei eine kleine Gemeindeverbindungsstraße, die nur 1,9 Kilometer lang, knapp drei Meter breit, nachts nicht beleuchtet und kaum befahren ist.

Nach der jetzt gegen den Landwirt vorliegenden Anklage war er gegen 3.15 Uhr in gleicher Richtung unterwegs und überfuhr mit seinem Pkw aus Ausgang einer Rechtskurve den am linken Fahrbahnrand liegenden Teenager, der zunächst von der Frontschürze am Kopf erfasst wurde. Danach überrollte der Pkw den 17-Jährigen, der schwerste Verletzungen – unter anderem ein Schädelhirntrauma mit Skalpierungsverletzungen, eine Schädelkalottenfraktur, diverse Brüche usw. – erlitt.

Der 27-Jährige, so die Anklagevorwürfe, die auf fahrlässige Körperverletzung in Tatmehrheit mit versuchtem Mord durch Unterlassen sowie Unfallflucht lauten, habe obwohl er den Unfall bemerkt und erkannt habe, dass das Opfer potenziell lebensgefährlich verletzt worden war, seine Fahrt ohne anzuhalten fortgesetzt, keine Hilfe geholt und sich nicht um das Opfer gekümmert. Dabei habe er zumindest billigend in Kauf genommen, dass der von ihm angefahrene 17-Jährige ohne Hilfe sterben könne. Trotzdem habe er seine Fahrt in der Absicht, seine Unfallverursachung zu verdecken, fortgesetzt.

Glücklicherweise wurde der Teenager gegen 4.30 Uhr von Freunden, die ebenfalls von der Party auf dem Weg nach Hause waren gefunden und konnte dann ärztlich versorgt und gerettet werden. Bei der Suche nach dem Unfallverursacher betrieb die Polizei großen Aufwand, sogar das Landeskriminalamt wurde eingeschaltet, um Unfallspuren auszuwerten.

Außerdem wurden sämtliche Partygäste ermittelt und größtenteils auch vernommen.

Für den am Mittwoch beginnenden Prozess sind noch zwei weitere Verhandlungstage (7. und 13. Dezember) angesetzt. Zum Prozessauftakt sind allein ein Dutzend Zeugen geladen. Außerdem kommen im Prozessverlauf ein Kfz-Sachverständiger und ein rechtsmedizinischer Gutachter zu Wort.


0 Kommentare