13.02.2020, 10:59 Uhr

Verkehrsüberwachung „Abzocke“ oder Fürsorge?

 Foto: Britta und Ralph Hoppe/123rf.com Foto: Britta und Ralph Hoppe/123rf.com

Neun Getötete und 683 teils schwer Verletzte – die traurige Bilanz des Jahres 2018 auf den Straßen im Landkreis (laut Sicherheitsbericht des Polizeipräsidiums Niederbayern März 2019).

Landkreis Kelheim. Die häufigsten Unfallursachen: Überhöhte Geschwindigkeit und ungenügender Sicherheitsabstand. Viel zu oft trifft es auch Unschuldige.

Da fallen bei Blitzern im Rahmen der Verkehrsüberwachung schnell die Worte „Abzocke“, „Radarfalle“ oder „Stadt rüstet auf“. Die Fakten bestätigen jedoch, dass Blitzer merklich dazu beitragen, die Straßen sicherer zu machen. Die Unfallbilanz verbessert sich durch kontrollierte Geschwindigkeitsbegrenzungen. Ein Versuch in Köln mit fest installierten Blitzern belegte: Sobald man diese entfernt hat, wurden die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten wieder überschritten. Die Unfallzahlen stiegen wieder an.

Bei der Konfrontation mit einer plötzlich auftretenden Gefahrensituation spielt die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit eine wichtige Rolle, weil Fahrzeuge nicht abrupt zum Stehen gebracht werden können. Sie benötigen einen Anhalteweg, der sich aus dem Reaktions- und dem Bremsweg zusammensetzt. Eine Verdoppelung der Geschwindigkeit führt zu einer vierfach höheren Energie bei einem Aufprall und einem viermal längeren Bremsweg. Eine geringfügige Geschwindigkeitserhöhung bewirkt eine beträchtliche Verlängerung des Anhalteweges. Schon bei geringen Geschwindigkeiten ist die Energie des Fahrzeuges sehr groß. Bereits bei einem Aufprall von 30 km/h können die Insassen oder Gegenstände, zum Beispiel der Atlas auf der Hutablage, eine Energie entwickeln, die dem dreißigfachen ihres Eigengewichts entspricht, Schnellfahren ist reine Einstellungssache. Es gibt kein „Raserhormon" und auch für den sogenannten „Temporausch“ lassen sich keine Anzeichen messen. Der Mensch kann zwar mit Hilfe der Technik 130, 150, 180 km/h erreichen, diese Situationen aber nicht entsprechend verarbeiten, da er eigentlich nur für 15 km/h „gebaut" ist.

Je komfortabler Fahrzeuge konstruiert und hergestellt werden, je weniger Geschwindigkeitseinflüsse oder Motorgeräusche den Fahrzeuglenker also erreichen, desto eher wiegt er sich in Sicherheit. Die Geborgenheit der Miniwelt im Fahrzeuginneren wird in die „Außen-Welt“ übertragen. Hier geht es meist jedoch weniger reibungslos zu.

Der Mensch hat kein geeignetes Sinnesorgan, um das Gefahrenpotential von hohen Geschwindigkeiten wahrzunehmen. Rasen ist demnach eine psychische Angelegenheit, der nur durch entsprechende Einstellung und Verantwortungsbereitschaft beizukommen ist. Überwachen, Strafen und verstärkte Kontrollen der Verkehrsteilnehmer können dazu beitragen, dass Tempolimits eingehalten werden. Wird man als Verkehrsteilnehmer davon überzeugt, dass die Regeln im Straßenverkehr sinnvoll und notwendig sind, ist das eine gute Möglichkeit diesen sicherer zu machen. Wenn man eine Regel akzeptiert hat oder sich selbst zum Ziel setzt diese einzuhalten, ist man auch eher gewillt in der Praxis darauf zu achten.

Verkehrsüberwachung ist im Rahmen der Unfallverhütung zwingend, wenn man die Unfallzahlen reduzieren will. Wenn Regeln nur aus Sanktionierungsfurcht eingehalten werden, sind die Behörden mit vorbeugenden Maßnahmen gefordert. Schließlich geht es um den Schutz aller Verkehrsteilnehmer. Öffentliche Stellen machen mit der Überwachung des Straßenverkehrs zudem üblicherweise keinen Gewinn. Die Kontrollen sind personalaufwendig, die Technik teuer und der Verwaltungsaufwand beträchtlich.

Wissen Sie, wie sich der Bremsweg berechnen lässt? Hier hilft Ihnen die Seite der bayerischen Polizei weiter.


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