25.06.2019, 17:28 Uhr

Umwelt Holledauer besichtigen Windräder in Lamerdingen

(Foto: Grüne Holledau)(Foto: Grüne Holledau)

Viele Bürgerinnen und Bürger aus Nandlstadt und Au stehen den geplanten Windrädern in Großgründling stark ablehnend gegenüber. Es wird laufend bemängelt, dass die Betreiber keinerlei Informationen über die Planungen herausgeben würden und mit den Bürgen nicht sprechen würden. Diesen Sorgen hat sich der Ortsverband Holledau von Bündnis 90/Die Grünen angenommen und am Freitag, 21. Juni, eine gemeinsame Busfahrt nach Lamerdingen (bei Buchloe) organisiert. Dazu wurden Termine mit den dortigen Betreibern sowie dem örtlichen Bürgermeister vereinbart.

HOLLEDAU Lamerdingen war deshalb Zielpunkt, weil dort zwei typgleiche Windräder stehen, wie in Großgründling geplant. Die Entfernungen zur Bebauung ist mit circa 800 und circa 1.000 Metern ähnlich und die Räder wurden auch von denselben Betreibern errichtet. Bereits vor zwei Jahren hat deshalb auch eine Abordnung des Nandlstädter Gemeinderates aus diesen Gründen die Gemeinde Lamerdingen besucht.

Trotz der hohen Aufregung in Nandlstadt und Haslach fanden sich letztendlich doch nur sechs Mitfahrer, die aber unter Leitung der beiden Gemeinderäte Barbara Prügl (Au) und Erhard Schönegge (Nandlstadt) einen eindrucksvollen Tag erleben konnten. Über zwei Stunden lang durfte das ortsnächste Windrad von allen Seiten und Entfernungen und auch von innen besichtigt werden. Robert Sing und Thomas Tronsberg stellten sich allen kritischen Fragen, auch zu den Planungen in Nandlstadt-Großgründling. Beide Lamerdinger Windräder stehen seit Dezember 2014. Sie sind zu 100 Prozent in Bürgerhand; es haben sich ca. 100 örtliche Familien beteiligt, sogar die Gemeinde selbst ist finanziell eingestiegen. Um Schattenwurf zu vermeiden, wird ein Rad in den Wintermonaten bei Sonnenschein jeweils am Morgen und am Abend kurz abgeschaltet. Dies hat laut Thomas Tronsberg keine Auswirkungen auf den Ertrag. Sonstige betriebliche Stillstandszeiten gab es bisher nicht. Der Erlös lag in vier von fünf Jahre deutlich über den Berechnungen, nur 2018 ist knapp darunter. Somit konnten bisher jedes Jahr Ausschüttungen bzw. Sondertilgungen von fünf bis 15 Prozent vorgenommen werden.

In Großgründling bauen die Betreiber das geplante Windrad aus derzeitiger Sicht ohne Bürgerbeteiligung. Die dafür nötigen Genehmigungen des BAFIN (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) dauern sehr lange, die Betreiber wollen hingegen baldmöglichst den Bescheid vom Landratsamt Freising erhalten. Die durch die Verzögerungen entstandenen Kostensteigerungen müssen laut Thomas Tronsberg eingedämmt werden. Die Planungen für das zweite Großgründlinger Windrad sind derzeit zurückgestellt, weil die Flügel in der Höhe einen gemeindeeigenen Feldweg überstreichen würden und Nandlstadt dazu nicht einverstanden ist. Sollte sich hier etwas ändern und auch dieses Rad genehmigungsfähig wird, soll es mit Bürgerbeteiligung errichtet werden. Die Fragen zur „mangelhaften“ Information für die Nandlstädter und Auer Bürger konnte Robert Sing umgehend kontern. Die Nandlstädter Gemeinderäte waren in Lamerdingen zur Infoveranstaltung eingeladen, eine fraktionsübergreifende Abordnung hat dies auch genutzt. Schon frühzeitig wurde das Projekt im Gemeinderat Nandlstadt öffentlich vorgestellt. In Au sei man mit der Vorstellung der Pläne bisher nur zu Bürgermeister Ecker durchgedrungen, jedoch noch nicht zum Gemeinderat.

Anschließend traf sich die Holledauer Gruppe im Lamerdinger Rathaus mit dem örtlichen Bürgermeister Konrad Schulze zu weiteren Fragen. Er bestätigte, dass es auch in Lamerdingen noch einige Gegner der Windräder gibt, dass diese sich aber vorwiegend an der Optik stören, und dass es dadurch im Ort nicht zu nennenswerten Zerwürfnissen oder Feindseligkeiten gekommen sei. Zu Beginn der Planungen waren die Widerstände noch deutlich „motivierter“, dadurch haben einige Bürger nicht investiert, würden dies aber heute bereuen. Lärm und Schattenwurf seien in Lamerdingen keine Themen, das „Blinken“ der roten Lichter würde von den meisten Einwohnern nicht mehr wahrgenommen. Lamerdingen hat eines der größten Milan-Vorkommen in Bayern; es gibt vor Ort keine Hinweise, dass die Population durch die Windräder gestört würde. Eiswurf könne schon vorkommen, aber nur direkt unter den Flügeln, so dass am Zuweg ein Hinweisschild aufgestellt wurde. Die Grundstückspreise sind sich in den letzten Jahren trotz der Windräder spürbar gestiegen. Junge Einheimische bauen weiterhin im Ort auch in Richtung der Windräder hin, sodass die Lamerdinger Bevölkerung wächst. Nach der Tilgungsphase wird die Lamerdinger Gemeindekasse die Gewerbesteuern erhalten, da sich der Sitz der Bürgerwind Lamerdingen GmbH & Co KG natürlich im Ort befindet. Die Gemeinde selbst profitiert ansonsten nicht so sehr von den finanziellen Ausschüttungen, weil sich der Gemeinderat damals durch Beschluss „leider“ nur mit 10.000 Euro beteiligen wollte.

„Habts Mut und stellts es hin, die Windräder“, so verabschiedete sich Bürgermeister Konrad Schulze von der Holledauer Reisegruppe. Er bat um weitere Besuche in seinem offenen Rathaus, „weil zu uns nicht so viele Touristen kommen“. Und natürlich haben die Holledauer auch seine dringende Empfehlung zur Einkehr im schönen Biergarten der Holzhausener Brauerei angenommen.


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