28.03.2019, 12:48 Uhr

Für den Ernstfall Medical Training bei den Hellabrunner Elefanten als tägliche Routine


Die tierischen Bewohner im Tierpark Hellabrunn genießen – anders als ihre Artgenossen in der Natur – eine intensive tiermedizinische Betreuung. Um für Behandlungen und Prophylaxe optimale Bedingungen zu schaffen, trainieren die Hellabrunner Tierpfleger die Tiere ganz gezielt.

MÜNCHEN Das Vertrauen zwischen Tierpflegern und Tieren ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Untersuchung und Behandlung eines Elefanten im Tierpark. Damit dieses Vertrauen geschaffen wird, trainiert das Hellabrunner Elefantenteam jeden Morgen vor Öffnung des Tierparks mit „Mangala“, „Temi“, „Panang“ und „Gajendra“. Denn dank des Medical Trainings können die Tierpfleger Blut- und Urinproben der Elefanten nehmen, die Fußpflege durchführen sowie die Haut und das Maul der Tiere überprüfen, ohne dass eine Narkose dafür notwendig ist. Selbst das Impfen mit einer kleinen Spritze durch die Tierärzte ist möglich.

„Elefanten sind Gewohnheitstiere“, sagt Tierpfleger Sascha Nolde, „deshalb ist es wichtig, dass wir das Training als tägliche Routine in den Tagesablauf integrieren“. Der gelernte Tierpfleger koordiniert das Training bei den Elefanten, jedoch trainiert jeder des fünfköpfigen Pfleger-Teams mit den Tieren.

Auf positive und spielerische Art und Weise wird mit einem Target und einem Klicker trainiert. Das heißt: Der Tierpfleger zeigt beim Training mit dem Target auf das Maul – öffnet der mächtige Elefantenbulle „Gajendra“ dann den Mund und lässt die Tierpfleger Zähne und Zunge kontrollieren, wird das ausgeführte Kommando mit einem Klicker bestätigt und er bekommt eine Belohnung. Ähnlich verhält es sich bei einer Behandlung durch die Tierärztin – lässt sich „Temi“ ruhig und geduldig die kleine Spritze mit dem Impfstoff hinter das Ohr setzen, gibt es zur Belohnung das Lieblingsfutter. Und auch „Panang“ weiß ganz genau, dass sie mit Köstlichkeiten belohnt wird, wenn sie geduldig einen Fuß nach dem anderen anhebt.

„Damit in das Training keine Routine einkehrt und die Tiere sich den Ablauf womöglich merken und vorher schon wissen, welche Übung als nächstes kommt, ist es uns wichtig, jeden Tag eine gewisse Abwechslung einzubringen. So kann es sein, dass wir an einem Morgen mit dem Abduschen der Elefanten starten, an einem anderen Tag beginnen wir damit, dass die Füße angehoben werden. Ein anderes Mal liegt der Fokus eher darauf, die Haut oder Ohren zu kontrollieren“, erklärt Sascha Nolde und ergänzt: „Wenn dann eine Blutabnahme oder Urinprobe ansteht, können wir diese ins Training integrieren und kommen ganz unkompliziert zu Ergebnissen.“

Das Training hat noch viele weitere Vorteile: Zum einen dient es der Tierbeschäftigung, denn für Tiere in Zoos fällt die Futter- und Partnersuche weg – diese Zeit kann durch gezielte artgerechte Beschäftigung der Tiere gefüllt werden, um die Tiere physisch und psychisch zu fördern und zu fordern. Zum anderen sind die Behandlungen im geschützten Kontakt für Tierpfleger und Tier wesentlich stressfreier als eine Narkose, die auch mit einem Gesundheitsrisiko einhergehen würde.

„Die Elefanten haben keinerlei Scheu vor dem Target und arbeiten sehr gut mit“, so Tierärztin Dr. Christine Gohl. „Das hilft uns natürlich auch für den Ernstfall, denn die meisten Behandlungen, die wir an den Tieren durchführen, dienen der Prophylaxe. Ist ein Tier jedoch verletzt oder krank, können wir dank des vorher durch das Training geschaffenen Vertrauens auch in solchen Situationen am Tier arbeiten.“

Seit 2017 arbeiten die Tierpfleger im Elefantenhaus im so genannten „geschützten Kontakt“, das bedeutet, sie arbeiten nicht mehr direkt mit den Elefanten auf der Anlage, sondern es befindet sich immer eine sichere Barriere zwischen Mensch und Tier. Bereits vor der Umstellung auf den geschützten Kontakt haben die Tierpfleger mit den Elefanten trainiert – durch die gute Vertrauensbasis zwischen Mensch und Tier konnte das Training im neuen Elefantenhaus unter den neuen Sicherheitsvorkehrungen erfolgreich weitergeführt werden.

Auch Tierpark-Direktor Rasem Baban ist stolz über die Erfolge des Trainings: „Medical Training ist wichtiger Bestandteil eines modernen, wissenschaftlich geführten Zoos. Es bereichert Tiere, Besucher und Tierpfleger gleichermaßen: Schließlich macht es jedem Freude, ausgeglichene, kooperierende und gesunde Tiere zu beobachten und zu versorgen.“

Neben den Elefanten werden unter anderem auch Tiger, Mähnenrobben, Takine, Fischkatzen oder Vielfraße trainiert. Insgesamt sieben Tierpfleger und Tierpflegerinnen sind mit der Sonderfunktion des Tiertrainers betraut, um das Training bei den einzelnen Tieren zu koordinieren. Durchgeführt wird das Training dann von allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Tierpflege.

Wer das Training bei den Elefanten im Tierpark einmal live erleben möchte, dem sei der Tierpfleger-Treffpunkt bei den Elefanten täglich um 14.15 Uhr empfohlen. Wenn die Tiere im Haus sind, zeigt das Team einige Übungen, die sie auch beim morgendlichen Training durchführen.


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