16.03.2018, 13:37 Uhr

Am Flughafen ausgebremst Auf der Flucht vor der Familie der Braut und dem eigenen Vater

Bundespolizisten am Münchner Airport überprüfen täglich die Dokumente von etwa 44.000 Passagieren. Bei den Kontrollen ziehen die Beamten auch immer wieder Reisende ohne Dokumente aus dem Verkehr. (Foto: Alexandra Stolze)Bundespolizisten am Münchner Airport überprüfen täglich die Dokumente von etwa 44.000 Passagieren. Bei den Kontrollen ziehen die Beamten auch immer wieder Reisende ohne Dokumente aus dem Verkehr. (Foto: Alexandra Stolze)

Guineer bitten Bundespolizisten am Münchner Flughafen um Asyl.

FLUGHAFEN Sie kamen aus Marokko. Bei der Bundespolizei war erst einmal Schluss mit der Reise. Die Grenzpolizisten zogen zwei Guineer bei der Kontrolle der aus Casablanca ankommenden Passagiere aus dem Verkehr. Die beiden Westafrikaner hatten keine Identitätsdokumente bei sich, konnten sich auch nicht mit den Beamten verständigen. Auf der Wache baten die angeblich 26 und 29 Jahre alten Männer um Asyl in Deutschland. Der Ältere fürchtete seinen eigenen Vater, der Jüngere die Familie seiner Zukünftigen und den Verteidigungsminister.

Die beiden Guineer standen gestern Nachmittag plötzlich vor den Einreiseschaltern der Bundespolizei im Terminal 1. Sie hatten weder Reisedokumente bei sich, noch konnten die jungen Männer sich mit den Bundespolizisten verständigen. Also ging es zur Wache. Dort baten die Afrikaner dann um Asyl.

Der 29-Jährige erzählte von Verfolgung durch den eigenen Vater. Dieser sei Polizeikommandant in seiner Heimatstadt. Er selbst habe zum Militär gesollt. Dort passierten schreckliche Sachen und es würden immer wieder Menschen umgebracht. Darum wolle er nicht zum Militär. Sein Vater habe ihm deshalb gedroht, ihn umzubringen. Mit dieser Bedrohung lebe er schon seit knapp vier Jahren. Als er jetzt vor gut einer Woche in seinem Geburtsort einen Europäer kennengelernt und diesem von seinen Problemen erzählt habe, habe der ganz selbstlos seine Hilfe angeboten. In Begleitung des Unbekannten sei er dann aus Guinea geflohen. Der Mann habe ihm die Reise nach München ermöglicht. Verlangt habe er dafür nichts. Wo der unbekannte Samariter abgeblieben ist, wusste der Guineer nicht. Er sei dem Mann dankbar, dass dieser ihn aus der Gefahr gerettet habe und bitte jetzt die Beamten, ihm zu helfen.

Der 26-Jährige erzählte von Verfolgung durch die Familie seiner Freundin und die Staatsmacht. Er habe heiraten wollen. Die Familie seiner Auserwählten habe ihn aber nicht akzeptiert, weil auch der Verteidigungsminister seines Landes ein Auge auf die junge Dame geworfen habe. Er sei sogar deshalb an seinem Arbeitsplatz verhaftet worden, habe zwei Monate im Gefängnis gesessen. Weil er um sein Leben fürchte, habe er vor etwa einer Woche mithilfe eines Schleusers seine Heimat verlassen. Er wisse aber nicht wie und wohin genau; Er habe im Flugzeug die ganze Zeit geschlafen. Auch wo er jetzt sei, wisse er nicht wirklich. Man habe ihm gesagt, er wäre wohl in München. Den Schleuser kenne er auch nicht. Er wisse nur, dass der Mann Europäer ist. Für die Dienste des Unbekannten habe er 8.000 Euro berappen müssen. Das Geld stamme aus einem Grundstücksverkauf.

Aufgrund ihres Schutzersuchens übergaben die Bundespolizisten die Guineer nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen an das für die Bearbeitung der Asylgesuche zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Aufgrund der Umstände ihrer Ankunft im Erdinger Moos dürfen die beiden Westafrikaner erst einmal nicht nach München, sondern müssen die Entscheidung über ihren weiteren Reiseweg in einer Unterkunft am Münchner Airport abwarten.


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