19.02.2018, 11:05 Uhr

Polizisten verhindern Kindesentziehung Verschleppungsversuch flog auf

Wenn Kinder alleine oder mit nur einem Elternteil ins Ausland reisen, sehen die Bundespolizisten am Münchner Flughafen ganz genau hin. So können die Beamten immer wieder Kindesentziehungen und -entführungen verhindern – oft buchstäblich in letzter Minute. (Foto: Bundespolizei)Wenn Kinder alleine oder mit nur einem Elternteil ins Ausland reisen, sehen die Bundespolizisten am Münchner Flughafen ganz genau hin. So können die Beamten immer wieder Kindesentziehungen und -entführungen verhindern – oft buchstäblich in letzter Minute. (Foto: Bundespolizei)

Kinder sollten ohne Wissen der Mutter nach Tunesien gebracht werden

FLUGHAFEN Ein 34-jähriger Mann wollte sich offensichtlich ohne Wissen der Kindsmutter mit seinen sieben und neun Jahre alten Kindern nach Tunesien absetzen. Er wurde am Samstagmorgen, 17. Februar, von Beamten am Flughafen gestoppt. Die ahnungslose Mutter, eine Wienerin, war überglücklich, als sie ihre Sprösslinge im Erdinger Moos wieder in die Arme schließen konnte.

Bundespolizisten überprüften bei der Ausreisekontrolle ins tunesische Monastir die Dokumente der Reisenden, als ihnen der 34-Jährige mit zwei Kindern auffiel. Die drei waren ohne Mutter bzw. Ehefrau unterwegs. Der Tunesier, offensichtlich Vater der beiden österreichischen Buben, erzählte den Beamten von einem Urlaubstrip in seine Heimat. Die Mutter sei natürlich einverstanden, aber aktuell nicht erreichbar. Auch eine schriftliche Einverständniserklärung der Kindsmutter zur aktuellen Reise konnte der 34-Jährige nicht vorlegen. Außerdem schien der Mann äußerst nervös zu sein.

Die erfahrenen Beamten wurden hellhörig und forschten weiter nach. Dabei machten sie dem Mann klar, dass er ohne Nachweis einer Zustimmung der Kindsmutter nicht ausreisen werde. Die Grenzpolizisten forderten ihn mehrfach auf, seine Ehefrau zu kontaktieren. Als der Tunesier seine Frau schließlich anrief, legte er auch gleich wieder auf und erklärte den Beamten, es sei alles in Ordnung. Die Beamten wiederum vergewisserten sich natürlich persönlich und riefen die Frau selbst noch einmal an. Sie fanden eine überraschte Mutter vor, die versicherte, bis dato nichts von den Reiseplänen ihres Ehemannes gewusst zu haben und damit auch keinesfalls einverstanden zu sein. Sie bat die Bundespolizisten im Gegenteil in Tränen aufgelöst, unter allen Umständen die Ausreise der Kinder zu verhindern.

Der Tunesier aber war hartnäckig. Er rief seine Ehefrau nochmals an und erklärte anschließend den Beamten, es sei nun alles geklärt; seine Gattin würde der Reise jetzt doch zustimmen. Also griffen auch die Beamten abermals zum Telefon und erfuhren – wie sollte es anders sein – von der Österreicherin, dass sie nach wie vor keineswegs einer Ausreise ihrer beiden Söhne zustimme.

Aufgrund dieser Informationen nahmen die Bundesbeamten den Tunesier schließlich fest und seine beiden Kinder in Obhut.

Die Mutter der Kleinen hatte sich schon nach dem ersten Telefonat auf nach München gemacht. Sie wolle ihre Kinder wieder zurück. Als die Wienerin ein paar Stunden später am Airport ankam, war der Alptraum für sie vorbei. Sie konnte ihre beiden Kinder wieder in die Arme schließen.

Inwiefern sich der 34-Jährige für seinen „Familienausflug“ rechtlich verantworten muss, prüft nun die Staatsanwaltschaft in Landshut. Die Bundespolizisten hatten den Mann an die Beamten der bayerischen Polizei übergeben.