24.10.2017, 13:03 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Offenes Bürgergespräch CSU steckt weiter in der Krise


Erich Irlstorfer lud Bürger zum offenen Gespräch ein. Die CSU hat sehr viel zu tun, um das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen

FREISING Wahlpleite, Sondierungsgespräche, Koalitionsverhandlungen, Personaldebatten - die CSU kommt nicht zur Ruhe. Gespräche unserer Redaktion mit Kreis- und Ortsvorsitzenden in den vergangenen Tagen zeigen, wie gespannt die Stimmung ist. Fakt ist: die Unionsparteien wollen verlorene Wähler zurückgewinnen, nicht mit allen aber mit vielen Mitteln.

Erich Irlstorfer hatte angekündigt, sich seinen (Nicht-)Wählern zu stellen. 9.000 hatten ihm im Vergleich zur letzten Bundestagswahl im Wahlkreis die Stimme verweigert, und der Bundestagsabgeordnete wollte nun wissen warum. Zum Wirtshaustermin in Freising kamen schließlich 60 Menschen, wollten die „Hose runter“-Gespräche, wie Irlstorfer angekündigt hatte, verfolgen. An seiner Person gab es dann auch kaum Kritik. Abgewatscht wurden aber die Unionsparteien. Es wurden Fälle von integrations-unwilligen Flüchtlingen geschildert, klar geäußert, dass die Bürger einen Denkzettel verpassen wollten, und dass das Seehofersche Hin und Her der Partei enorm geschadet habe. Ein Polizist aus dem Landkreis Pfaffenhofen thematisierte die „No-Go-Areas“. Teilweise würden sich Beamte aus Angst um Leib und Leben nicht mehr zu Einsätzen mit Asylbewerbern trauen. Natürlich musste sich Erich Irlstorfer auch anhören, dass die FDP im Wahlkampf viel präziser gewesen sei, die CSU dagegen „viel zu lasch.“ Die 3. Startbahn war dann genauso Thema wie die Flächenversiegelung und Wirtschaftspolitik auf dem Land: „Wenn Casinos wichtiger sind als Weizenfelder, da stimmt doch was nicht,“ meinte ein Redner. Attackiert wurden auch einzelne Politiker: „Was mischt sich einHuber aus Deggendorf ein, wir haben doch den Dreck da.“ Der Verkehrsinfarkt rund um München wurde thematisiert, und auch an der Schulpolitik rund um G8/G9 ließ ein Gast nichts Gutes. Erich Irlstorfer schrieb alles auf, ließ seine Gäste ausreden und verteilte noch Fragebögen. In 13 Unterpunkten bittet er die Bürger um Stellungnahmen zu seinem Wahlkampf, dem der CSU und zu politischen Themen. Eines jedenfalls war Irlstorfer am Ende des Abends klar: Die CSU hat sehr viel zu tun, um das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen. Und sie soll Sach- statt Personalpolitik betreiben.


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