12.10.2020, 11:19 Uhr

60.000 Euro bezahlt: Mit dem Privatjet ins Asyl

Bundespolizisten kontrollieren auch Privatjets. F.: BundespolizeiBundespolizisten kontrollieren auch Privatjets. F.: Bundespolizei

Arm oder reich: Alle Asylsteller werden von der Polizei gleich behandelt.

Flughafen. Tagtäglich landen im Erdinger Moos Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben in Deutschland. Meist zahlen sie ein paar Hundert oder gar Tausend Euro an kriminelle Schleuser. Am Freitag, 9. Oktober, standen wieder vier Geschleuste vor Bundespolizisten am Airport.

Ungewöhnlich: Die vier Iraker, Vater (49), Mutter (44) und zwei Kinder (12 und 7) kamen im Businessjet. Das Familienoberhaupt hatte einem Schleuser offenbar rund 60.000 Euro für den Privatflug von Istanbul nach München hingeblättert. Vor der Bundespolizei sind aber alle Reisenden gleich: Nach dem Asylantrag haben die Grenzpolizisten die Schutzsuchenden an ein AnkER-Zentrum in Bayern weitergeleitet.

Die Beamten kontrollieren nicht nur von außerhalb des Schengengebietes ankommende Linien-, sondern auch Privatflüge. Am Freitagnachmittag überprüfte ein Bundespolizist im General Aviation Terminal die Passagiere eines Businessjets, der aus Istanbul angekommen war. Die irakische Familie, laut Ankündigung Diplomaten, war angeblich unterwegs vom Bosporus auf die Karibikinsel Dominica. In München sei nur eine Übernachtung mit Flugzeugwechsel geplant, ließ der Handling-Agent die Beamten wissen. Diesem fiel aber bei der Überprüfung schnell auf, dass die Möchtegern-Diplomaten weder der Diplomatensprache Französisch, noch des Englischen mächtig waren. Die Prüfung des Diplomatenstatus des Karibikstaates St. Kitts and Nevis brachte Gewissheit, die Papiere waren gefälscht. Der Familienvater versuchte indes, sich mit Händen und Füßen zu verständigen. Sein zwölfjähriger Sohn konnte dem Grenzpolizisten schließlich verständlich machen, dass die Familie auf der Flucht sei. Die Eltern erzählten auf der Wache, dass sie auf der Flucht vor dem Vater der Frau seien. Dieser sei streng gläubig und verlange, dass die 44-Jährige sowie die siebenjährige Tochter nach islamischem Recht beschnitten werden. Nachdem die Familie diesem Wunsch nicht nachgekommen sei, habe der Schwiegervater ihn und seine Frau bedroht, erzählte der 49-Jährige. Daher habe er sein Haus, seinen Garten und sein Restaurant im Norden des Iraks verkauft und sei vor sechs Tagen mit seiner Familie in die Türkei geflohen. Dort seien sie von einem syrischen Schleuser gegen Bezahlung von rund 60.000 Euro an einen Istanbuler Flughafen gebracht worden. Anschließend sei es mit eben dem Businessjet nach München gegangen, wo er für sich und die Familie um Schutz bitten wolle.

Zur Prüfung und Bearbeitung des Schutzersuchens leiteten die Bundespolizisten die Iraker an ein AnkER-Zentrum in Bayern weiter. Die Ermittlungen gegen die Schleuser laufen. − we –