06.06.2019, 09:50 Uhr

Kurz mal die Identität getauscht

An den Ein- und Ausreisekontrollstellen ziehen Bundespolizisten täglich Reisende mit gefälschten Dokumenten aus dem Verkehr. Aber nicht nur mit gefälschten Dokumenten versuchen Reisende, die Beamten zu überlisten. Auch mit getürkten Reisezielen und erfundenen Geschichten sind die Kontrollbeamten immer wieder konfrontiert. (Foto: Bundespolizei)An den Ein- und Ausreisekontrollstellen ziehen Bundespolizisten täglich Reisende mit gefälschten Dokumenten aus dem Verkehr. Aber nicht nur mit gefälschten Dokumenten versuchen Reisende, die Beamten zu überlisten. Auch mit getürkten Reisezielen und erfundenen Geschichten sind die Kontrollbeamten immer wieder konfrontiert. (Foto: Bundespolizei)

Bundespolizisten am Münchner Airport stoppen Albaner auf dem Weg nach Irland

FLUGHAFEN Dass die Grenzkontrollen im Erdinger Moos streng sind und die Urkundenspezialisten dort ihr Handwerk verstehen, hat sich offenbar auch schon in Albanien herumgesprochen. So versuchen albanische Staatsangehörige mittlerweile immer öfter, Beamte gar nicht erst mit gefälschten Reisedokumenten zu täuschen, sondern mit ihren echten Nationalpässen und Tickets in ihr Heimatland an den Bundespolizisten vorbeizukommen. Wenig später treffen sich Bundespolizisten und eben diese Reisenden zu deren Verwunderung bei einem zweiten Dokumenten-Check direkt an den Flugzeugen – meist mit Destination auf der englischen oder irischen Insel – wieder. Hier ziehen die Grenzpolizisten die Albaner schließlich mit gefälschten Identitätspapieren aus dem Verkehr. Dieses Schicksal ereilte am Mittwoch, 5. Juni, wieder zwei Männer (23 und 44) aus dem Balkanstaat.

Gültige albanische Reisepässe und Flugtickets nach Tirana: So standen zwei Albaner vor der grenzpolizeilichen Ausreisekontrolle im Terminal 2 des Airports. Alles schien in Ordnung, die beiden Reisenden nach einem Urlaubstrip auf dem Heimweg zu sein. Kaum die Passkontrolle hinter sich, sollte sich aber nicht nur das Reiseziel der beiden Südalbaner ändern, sondern auch ihre Identität. Allerdings hatten der 23-Jährige und sein 44-jähriger Begleiter nicht damit gerechnet, die Bundespolizisten beim Boarding des Flugs zu ihrem neuen Reiseziel wiederzusehen. Die beiden Männer mit Heimreiseabsichten hatten sich nämlich kurzfristig in Italiener mit Reisewunsch nach Irland verwandelt.

Als sie aber am Gate des Nachmittagsflugs nach Dublin auftauchten, fanden sie sich nicht nur dem Airline-Personal gegenüber, sondern auch mit einer Bundespolizeistreife konfrontiert. Die Polizisten waren von einer Mitarbeiterin der Airline um Hilfe gebeten worden, weil die vermeintlichen Italiener die italienischen Worte der Dame offenbar nicht wirklich zuordnen konnten. Die Bundesbeamten nahmen die beiden Herren vorläufig fest und samt gefälschter Dokumente mit zur Wache.

In der Vernehmung gaben die Beschuldigten zu, dass sie die gefälschten italienischen Dokumente für die Reise nach und einen anschließenden Arbeitsaufenthalt in Irland gekauft hatten. Der 23-Jährige erzählte den Ermittlern, sein Vater habe die gefälschten Papiere für ihn von einem Unbekannten in Albanien besorgt. Über die Kosten habe der Vater ihn nicht informiert. Er wisse nur, dass der Betrag nach erfolgreicher Schleusung fällig werde. Der 44-Jährige erzählte auch von einem unbekannten Landsmann, den er in Tirana getroffen und dort von diesem gegen ein Entgelt von 250 Euro die Dokumente erhalten habe. Weiter wollte der junge Mann den Älteren vorher nicht gekannt haben. Der Ältere wiederum erzählte freimütig von einer gemeinsamen Reise. Die Tickets für beide habe sein Cousin gebucht, weil dieser über eine Kreditkarte verfüge.

Einig waren sich beide wieder, als es um den Reiseweg ging. Sie seien von Tirana über Ljubljana nach München gereist. Hier sei man ein paar Tage in einem Hotel in Flughafennähe untergebracht gewesen, bevor man sich am Mittwochmorgen mit Ziel Irland auf den Weg zum Flughafen gemacht habe.

Mit dem angeblichen Flug nach Tirana wollten die beiden Männer offensichtlich die strengen Kontrollen der Bundespolizisten umgehen und so in den internationalen Abflugbereich gelangen. Schließlich konnten sie für diesen Flug ihre echten albanischen Pässe nutzen.

All die Vorbereitungen und Tricks halfen letztlich nichts. Die Beamten zeigten die beiden Albaner wegen Verschaffens falscher amtlicher Ausweise und unerlaubten Aufenthalts an, bevor sie die falschen Italiener noch am selben Abend in ihre echte Heimat schickten.