04.07.2019, 09:25 Uhr

Wegen versuchten Mordes vor Gericht 16- und 20-Jähriger wollten Marklkofener mit Molotowcocktails „nur ein wenig Angst einjagen“

Seit gestern müssen sich die beiden Angeklagten vor der Jugendkammer des Landgerichts Landshut wegen versuchten Mordes verantworten. (Foto: mr)Seit gestern müssen sich die beiden Angeklagten vor der Jugendkammer des Landgerichts Landshut wegen versuchten Mordes verantworten. (Foto: mr)

Peter S. (20) und Florian R. (16) (Namen v. d. Red. geändert) aus dem Landkreis Dingolfing-Landau sind beste Freunde. Doch weil ein 41-jähriger Bekannter seinen Kumpel ständig bedrängt und anzügliche SMS geschickt haben soll, fasste Peter S. am Abend des 12. November letzten Jahres den Plan, einen Brandanschlag mit Molotowcocktails auf das Haus des 41-Jährigen in Marklkofen zu verüben. Seit Mittwoch müssen sich die Beiden unter anderem wegen versuchtem Mord vor der Jugendkammer des Landgerichts Landshut verantworten.

MARKLKOFEN Die zwei Angeklagten räumten zu Prozessbeginn die Tat ein, bestritten jedoch die Tötungsabsicht. „Er sollte nur Angst kriegen und ihn in Ruhe lassen“, wie der 20-Jährige der Kammer erklärte.

Peter S. und Florian R. lernten den älteren Mann auf einem Campingplatz kennen und halfen ihm anfangs bei kleineren Arbeiten, wie sie erzählten. Dann habe der Bekannte begonnen, „komische Nachrichten“ an den jüngeren Florian R. zu schicken, ob er „schon Sex gehabt hätte“ und mehr. Auch habe Peter S. beobachtet, wie der Mann versucht habe, seinen Freund an der Wange zu streicheln oder zu umarmen. „Wir haben ihn immer wieder aufgefordert aufzuhören, aber das hat nichts gebracht“, so der 20-Jährige. Dem psychiatrischen Gutachter Dr. Bernd Weigel gegenüber soll Peter S. später geäußert haben, dass sich sein Freund „stark verändert“ habe und er glaube, dass ein sexueller Übergriff durch den 41-jährigen Bekannten auf Florian R. stattgefunden habe.

Deswegen fasste der 20-Jährige am Abend des 12. November den „spontanen Entschluss“ mit den Molotowcocktails, wie er aussagte. Er habe Florian R. benachrichtigt und mit dem Auto abgeholt. Beide sollen zu diesem Zeitpunkt bereits Alkohol getrunken und der 15-Jährige auch ein paar Joints geraucht haben. Laut Peter S. befüllten sie an einer Tankstelle zwei mitgebrachte Kanister mit 14,30 Liter Superbenzin und bastelten auf der Strecke zwischen Reisbach und Marklkofen sechs Molotowcocktails aus leeren Bierflaschen und Stoffresten eines T-Shirts, was „alles so im Auto rumlag“. Wie man so einen Molotowcocktail baut, habe der jüngere Angeklagte von einem Computerspiel gewusst. Gegen 0.30 Uhr parkten sie eigenen Angaben zufolge das Auto ein paar hundert Meter entfernt vom Einfamilienhaus, schlichen sich jeweils mit drei Brandsätzen bewaffnet an das Haus heran und warfen einen entzündeten Molotowcocktail in Richtung Haustüre und einen auf den Holzbalkon, um das Gebäude in Brand zu setzen. „Dann haben wir gemerkt, dass es eine Scheiß-Idee war und sind abgehauen“, wie Peter S. erzählte. Sowohl der damals 78-jährige Hauseigentümer als auch dessen Sohn (41) befanden sich laut Anklageschrift im Gebäude, was den Angeklagten bewusst war. Deren Tod sollen die Jugendlichen dabei billigend in Kauf genommen haben.

Der Molotowcocktail setzte die Haustür in Brand, so dass Tür und Rahmen stark verkohlten. Die Rauchgase begannen bereits unter der Tür hindurch zu ziehen und verrußten den Gang. Zwischenzeitlich wurden die Hausbewohner wach und konnten sich ins Freie retten. Der 41-Jährige schaffte es, den Brand zu löschen, zog sich dabei aber eine Rauchgasvergiftung zu und musste zwei Tage stationär im Krankenhaus behandelt werden. Erst zweieinhalb Monate später war er wieder arbeitsfähig. Am Gebäude sei ein Schaden in Höhe von ca. 30.000 Euro entstanden.

Nach der Tat hatten sich die beiden Jugendlichen in Richtung Ungarn abgesetzt und es wurde mit europäischem Haftbefehl nach ihnen gefahndet.

Der Prozess wird am heutigen Donnerstag fortgesetzt.


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