01.08.2020, 18:18 Uhr

Am Heuberg Kuh attackiert Almerin

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Am Freitagmittag, 31. Juli 2020, kam es gegen 12.10 Uhr zu einem dramatischen Unfall nahe der Lagler-Hütte im Bereich des Heubergs in Nußdorf am Inn.

Nußdorf am Inn. Ein 63-jähriger Wanderer aus Schechen wurde auf eine Kuh aufmerksam, die gerade verzweifelt versuchte, ihr Kalb zu gebären. Deshalb teilte dies der Wanderer einer 47-jährigen Almerin aus Samerberg mit. Diese hielt sich in einer naheliegenden Alm auf. Beide gingen daraufhin zur Kuh. Die sehr tiererfahrene Almerin näherte sich ruhig und frontal der Kuh, um dieser zu helfen. Die Kuh sah jedoch darin einen Angriff und attackierte sofort die 47-Jährige. Der 63-Jährige wollte der Frau noch zu Hilfe eilen, wurde aber der scheinbar werdenden Mutter nicht Herr und selbst von ihr attackiert.

Durch einen weiteren Beteiligten wurde der verantwortliche Bauer hinzugeholt. Der 68-jährige Samerberger reagierte prompt richtig und konnte unter erheblicher Gegenwehr die Kuh von der schwer verletzten Almerin fortjagen. Auch er wurde dabei von der Kuh attackiert, konnte sich aber mit gezielten Stockhieben zur Wehr setzen. Erst als das Kalb von den Beteiligten davongezogen wurde, gab auch die Kuh nach. Bedauerlicherweise war der Einsatz der kalbenden Kuh zwecklos, da das Kalb eine Frühgeburt war und es sehr wahrscheinlich schon während der Geburt nicht mehr lebte.

Einsatzkräfte der Bergwacht Brannenburg kümmerten sich um die 47-Jährige, die schwerste Kopf- und Oberkörperverletzungen davontrug. Zudem hatte sie massive Verletzungen an den Beinen. Sie musste mit einem Rettungshubschrauber in ein umliegendes Klinikum geflogen werden. Ob die Kuh mit ihren Hörnern die 47-Jährige attackierte, kann aktuell nicht genau gesagt werden. Eine akute Lebensgefahr kann derzeit ausgeschlossen werden. Dennoch hatte die 47-Jährige Glück im Unglück und hätte auch ohne Weiteres totgetrampelt werden können.

Gerade dieser Vorfall zeigt, dass selbst erfahrene Personen Opfer von Kuh-Attacken werden können. Hier beschützte die Mutterkuh ihr Kalb. Deshalb reagierten die Wanderer vorbildlich. Sie übergaben die Angelegenheit erfahrenen Personen und näherten sich nicht selbst dem Tier. Das es zu diesem traurigen Unfall kam, beruht nicht auf einem Fehlverhalten eines Einzelnen. Dennoch sollte dieser Schicksalsschlag jedem Wanderer erneut in Erinnerung rufen, dass es sich bei Kühen um keine Haustiere handelt. Selbst für erfahrene Tierhalter bleiben diese unberechenbar.

Deshalb der eindringliche Appell: Nähern Sie sich diesen Tieren nur mit Bedacht, gehen Sie ihnen konsequent aus dem Weg und bestaunen Sie sie mit entsprechendem Abstand. Nur so können derartige Unfälle vermieden werden.