22.08.2018, 14:10 Uhr

„Rehkitz-Patronin“ aus Piding Sabrina rettete mit Herz und Drohne unzähligen Kitzen das Leben


Bei über 70 Einsätzen war die tierliebe junge Frau gefordert. Sie blickt nun auf eine erfolgreiche erste „Rettungs-Saison“ zurück.

PIDING. Wenn Rehkitze eine Schutzpatronin hätten, wäre es sicherlich die „Heilige Sabrina.“ Denn Sabrina Augenstein (24) aus Piding hat von Mai bis Juli 2018 mit einer ungewöhnlichen Methode unzählige Kitze vor dem sicheren Tod bewahrt. Wie sie das geschafft hat? Mit Drohne und Wärmebildkamera!

Der Hintergrund: Experten schätzen, dass jährlich rund 100.000 Rehkitze, die sich in den Wiesen verstecken, den Mähwerken der Traktoren zum Opfer fallen. So überleben nicht einmal 80 Prozent der Kitze ihr erstes Lebensjahr. „Diese Tatsache hat mich unglaublich traurig gemacht. Deshalb habe ich im letzten Sommer gemeinsam mit dem Tierschutzring Traunstein e. V. einen Spendenaufruf gestartet. Für unser Projekt brauchten wir eine Drohne mit Kamera. Die haben wir dank aller tierlieben Spender und auch dank meines Chefs Wilhelm Krings erhalten. Allen ein herzliches Dankeschön“, freut sich die junge Frau, die bei Trans Textil in Freilassing arbeitet.

„Morgens ab halb 5 ging es jeden Tag los. Jäger und Landwirte haben sich telefonisch bei mir gemeldet, ob ich ihre Wiesen vor den Mäharbeiten nach Kitzen absuchen könnte. So habe ich bis in die Vormittagsstunden hinein Wiesen und Felder abgeflogen“, sagt die tierliebe Pidingerin, die bei ihren Einsätzen immer Unterstützung vom Tierschutzring an ihrer Seite hatte. Das Suchen im hohen Gras geht nur, wenn es noch nicht warm ist, sonst ist auf der Wärmebildkamera nichts mehr zu erkennen.

Sabrina findet ihr erstes Kitz „im Fernsehen“

Nicht nur das Wochenblatt ist auf die Wildtierinitiative der besonderen Art aufmerksam geworden, auch andere Medien, wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichteten im Frühsommer über Sabrinas Projekt. Der BR besuchte die 24-Jährige sogar mit seinem Kamerateam, um die Kitzrettung für’s Fernsehen aufzuzeichnen. „Gemeinsam mit dem Filmteam ging ich auf die Suche nach meinem ersten Kitz. Leider nicht erfolgreich, da in dieser Wiese am Högl anscheinend keines versteckt war. Das Filmteam war schon wieder auf seinem Heimweg, als ich zu einem Einsatz an den Chiemsee gerufen wurde. Da war es dann soweit: Ich ortete mein erstes Kitz mit Drohne und Kamera. Das BR-Team ist natürlich gleich umgekehrt“, strahlt Sabrina. Dieses wunderbare Ereignis sei für die „Kitz-Mama“ einfach nur „einmalig und unbeschreiblich“ gewesen.

Wenn Sabrina im hohen Gras ein Kitz ausfindig macht, muss sie Handschuhe anziehen und Grasbüschel ausrupfen, um das Kleine damit an den sicheren Waldrand zu tragen: „Das ist dringend nötig, da das Tier sonst den Geruch des Menschen annimmt und es die Ricke nicht mehr als ihr Baby annimmt.“ Schützend wird noch ein Wäschekorb über das Jungtier gelegt, damit es auch dortbleibt, bis der Bauer die Wiese abgemäht hat. „Die kleinen Kitze, die nur wenige Tage alt sind, lassen sich total leicht wegtragen. Die haben oft in meinen Armen weiter geschlafen. Aber die größeren können schon ganz schön schreien und um sich hauen“, schmunzelt die gelernte Textillaborantin.

In den Monaten von Mai bis Juli ist Sabrina insgesamt bei 47 verschiedenen Bauern gewesen. Wie viele Kitze sie in dieser Zeit vor dem Mäh-Tod bewahren konnte, will sie dem Tierschutz zuliebe nicht verraten. „Sonst werden eventuell die Abschusszahlen in die Höhe getrieben. Deswegen bleibt die genaue Anzahl geheim“, sagt Sabrina.

Von der Schönau bis nach Tacherting im Einsatz

Besonders gefreut hat sie, dass ihr Wildtierprojekt von Jägern und Landwirten gleichermaßen super angenommen wurde: „Ich war von Schönau am Königssee bis nach Tacherting unterwegs. An manchen Tagen habe ich auch nur mit fünf Stunden Schlaf oder weniger klarkommen müssen, weil ich nach meinen morgendlichen Einsätzen ja auch noch arbeiten musste. Aber es hat sich definitiv gelohnt“, strahlt die Wildtier-Begeisterte. Speziell die Jäger seien für die Unterstützung durch Sabrinas Projekt sehr dankbar gewesen. Die meisten suchen ihre Felder ansonsten zeitaufwendig zu Fuß ab um noch das ein oder andere Jungtier retten zu können.

Übrigens: Für die nächste Saison sucht der Tierschutzring Traunstein e. V. einen weiteren Drohnen-Flieger, um die Wiesen nach Kitzen abzusuchen. Voraussetzung: Mitglied im Verein, etwas technisches Geschick, kein Problem mit frühem Aufstehen und Tierliebe.

Wer sich dafür interessiert und auch Jäger und Landwirte, die Sabrina mit ihrer Drohne kostenlos buchen wollen, melden sich bitte via Drohnen-Handy unter +49 1639139613.


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