23.07.2018, 10:49 Uhr

Kirchlicher Segen & Festabend BRK nimmt feierlich ihr neues Herzenswunsch-Hospizmobil in Betrieb

(Foto: BRK BGL/ml)(Foto: BRK BGL/ml)

Die heimischen BRK-Bereitschaften haben am Samstagabend, 21. Juli 2018, bei einem Festabend in der Einsatzhalle an der Frühlingstraße feierlich ihr neues „Herzenswunsch-Hospizmobil“ in Dienst gestellt.

BAD REICHENHALL Damit steht ab sofort ein eigener, rein über Spenden finanzierter Krankenwagen in der Region zur Verfügung, mit dem die freiwilligen Rotkreuzler schwerst Kranken und armen Menschen unabhängig von den eigenen finanziellen Möglichkeiten einen vielleicht letzten Herzenswunsch erfüllen können, auch wenn die Krankenkassen die Fahrt ans Meer, ins Gebirge, zum Fußballspiel oder einfach nur nach Hause zur Familie wegen der fehlenden medizinischen Notwendigkeit nicht bezahlen würden. Stadtpfarrer Markus Moderegger und sein niederbayerischer Kollege, BRK-Pfarrer und Notfallseelsorger Klaus Klein, spendeten dem Fahrzeug und den Einsatzkräften rund um die Projektleitung mit Schirmherrin Michaela Kaniber und den beiden Organisatoren Florian Halter und Dr. med. Christian Stöberl den kirchlichen Segen.

Achtung vor dem Leben bis zum letzten Augenblick

Privatfahrten  ohne medizinische Notwendigkeit an einen Lieblingsort oder zu den Verwandten werden von den Krankenkassen generell nicht bezahlt, auch wenn schwerst kranke Menschen nicht mehr selbst mobil sind und nur noch liegend auf einer Trage und mit Begleitung durch Fachpersonal transportiert werden können – durch diese fehlende Mobilität im vielleicht letzten Lebensabschnitt geht die zuvor gewohnte Freiheit verloren und damit leidet letztlich die Menschenwürde. „Die ist aber ein Leben lang einzigartig und unantastbar; von der Geburt an bis zum Tod“, betonte Pfarrer Markus Moderegger in seiner Predigt. „Oft sind es ganz einfache Herzenswünsche, die Menschen kurz vor ihrem Tod beschäftigen; durch die Wunscherfüllung wollen wir Glücksmomente schaffen und letztlich auch ein würdevolleres Sterben in größter Achtung vor dem Leben bis zum letzten Augenblick ermöglichen“, erklärt Initiator Florian Halter, der die Notwendigkeit für ein derartiges Fahrzeug bereits vor über 15 Jahren während seiner beruflichen Tätigkeit im Rettungsdienst und Krankentransport erkannte. Die Sanitäter mussten bisher regelmäßig Anfragen verneinen, wenn schwerst Kranke bei einem Transport noch mal kurz zu Hause oder an ihrem Lieblingsort vorbeischauen wollten, da der Umweg ohne medizinische Notwendigkeit von den Krankenkassen nicht bezahlt wird. „Damals war ich selbst noch nicht bereit, das Projekt anzupacken“, berichtet Halter, der dann vor rund zwei Jahren bei einem Besuch beim Weißen Kreuz in Südtirol ein derartiges Fahrzeug entdeckte und dann auch im Berchtesgadener Land verwirklichen wollte.

Achtjähriger will auf den Friedhof, um sich seinen Grabstein auszusuchen

Konkretes Vorbild war schließlich das erst vor wenigen Wochen in Dienst gestellte „Herzenswunsch Hospizmobil“ des BRK-Kreisverbands Straubing-Bogen – ein gebrauchter, modifizierter, ehemaliger Notfall-Krankenwagen des regulären Rettungsdienstes aus Baden Württemberg. Aus der Gäuboden-Metropole waren Kreisgeschäftsführer Jürgen Zosel und Pfarrer Klaus Klein mit ihrem Fahrzeug nach Bad Reichenhall angereist, um an der Feier teilzunehmen. Während der sehr bewegenden Grußworte von Klaus Klein wurde es in der Halle totenstill. Der Pfarrer zeichnet für die Seelsorge seiner Kameraden im Roten Kreuz verantwortlich und berichtete vom leukämiekranken achtjährigen Sohn eines Kollegen, der wusste, dass er bald sterben muss, und auf den Friedhof fahren wollte, um sich seinen eigenen Grabstein auszusuchen. Der Junge konnte mit seinen Eltern nicht über das sensible Thema reden, ohne dass sie in Tränen ausbrachen – Pfarrer Klein realisierte den Herzenswunsch, der ihm selbst extrem nahe ging, noch heute die Tränen in die Augen treibt, aber entscheidender Zündfunke für das glückspendende Hospizmobil war, denn auf der Palliativstation sind nahezu hinter jeder Türe Menschen, die sich noch etwas wünschen, um würdevoll sterben zu können. „Tränen sind das Grundwasser der Seele; auch starke Männer dürfen weinen und Gefühle zeigen!“, betonte Moderegger in seiner Predigt.

Michaela Kaniber übernimmt langfristig Schirmherrschaft

Michaela Kaniber, Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, sicherte den vielen anwesenden Rotkreuzlern und Hospizschwestern aus dem gesamten Landkreis zu, langfristig die Schirmherrschaft zu übernehmen und sich für das Hospizmobil als jüngstes Kind der BRK-Bereitschaften persönlich einzusetzen; sie sprach frei und sehr bewegend ohne vorbereitete Rede und griff die Worte von Klaus Klein und Florian Halter auf: „Es ist mir eine Herzensangelegenheit und macht mich wahnsinnig glücklich, so etwas Besonderes und Wichtiges unterstützen zu dürfen, für ganz viele Menschen wie Euch, die das Herz am rechten Fleck haben! Ich wünsche Euch von ganzem Herzen, dass Ihr auch selbst bei der Wunscherfüllung ganz viel Freude habt und persönliche Glücksmomente erlebt!“ Kaniber hatte bereits auf der Anfahrt mit Ministerpräsident Markus Söder telefoniert, der von der Bedeutung des Projekts überzeugt ist und es auch in Franken realisieren will. Mit den bayerischen Musikanten rund um Altbürgermeister Karl „Charlie“ Dörfler sowie Altsanitäter Werner Mück und Kurt Mayer (Fuchsbau-Kurti) am Grill klang der Festabend - zugleich das mittlerweile schon traditionelle Sommerfest der BRK-Bereitschaft - in gemütlicher Runde aus.  

Eine seit langer Zeit bestehende Lücke geschlossen

Die beiden treibenden Organisatoren des Projekts sind BRK-Kreisbereitschaftsleiter und Rettungsassistent Florian Halter, bestellter Organisatorischer Leiter (OrgL) im Berchtesgadener Land und Dr. med. Christian Stöberl, Facharzt für Innere Medizin, Zusatzbezeichnung Palliativmedizin, Leiter der Palliativstation in der Kreisklinik Bad Reichenhall, Vorstandsmitglied im Hospizverein Berchtesgadener Land, Netzwerk Hospiz Südostbayern und bestellter Leitender Notarzt (LNA) im Landkreis. Stöberl ist selbst seit jungen Jahren im Roten Kreuz aktiv, arbeitete als Sanitäter im Rettungsdienst und in der Leitstelle und kennt die Organisation mit all ihren Facetten. Er hat während der letzten Jahre das Netzwerk Hospiz in der Region weiter ausgebaut und gestärkt, wobei mit dem Hospizmobil nun eine seit langer Zeit bestehende Lücke geschlossen wird.

Wünsche können unverbindlich angemeldet werden

Anmelden kann man Wünsche von schwerst Kranken unverbindlich über die Internetseite des Roten Kreuzes unter www.brk-bgl.de oder die E-Mail-Adresse

hospizmobil@kvbgl.brk.de. Ein Gremium aus Arzt, Betreuern, Seelsorger, Angehörigen und Organisator entscheidet dann individuell, wie und ob der Wunsch verwirklicht werden kann. Die eigentliche Arbeitsleistung der beteiligten Ärzte, Sanitäter, Betreuer und Seelsorger im Projekt erfolgt unentgeltlich und ehrenamtlich. Zur einkommensunabhängigen und für den Patienten kostenfreien Wunscherfüllung ist der BRK-Kreisverband aber trotzdem auf Förderer angewiesen, denn der Betrieb und die Ausstattung des Fahrzeugs kosten jede Menge Geld. Wer das Projekt unterstützen will, kann mit dem Betreff „Herzenswunsch“ auf das Konto 737, bei der Sparkasse Bad Reichenhall, Kontonummer Bankleitzahl 71050000 (IBAN: DE16 7105 0000 0000 0007 37, SWIFT-BIC: BYLADEM1BGL) spenden. Aktuell kommt noch ein lang gedienter und gut gewarteter VW-T5-Flachdach-Krankenwagen der BRK-Bereitschaften mit über 220.000 Kilometern zum Einsatz, der zwar über einen Allrad-Antrieb für Fahrten ins Gebirge verfügt, aber ansonsten als Wunschmobil für längere Ausflüge zu klein ist und zu viel Sprit verbraucht. Langfristig will das Team – je nachdem wie oft das Fahrzeug angefordert wird und wie viele Finanzspritzen eingehen – auf ein größeres, neues Fahrzeug umsteigen.


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