12.04.2018, 10:44 Uhr

Jahreshauptversammlung Bergwacht Freilassing bittet um mehr Unterstützung

(Foto: BRK BGL/ml)(Foto: BRK BGL/ml)

Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Bergwacht Freilassing waren 2017 bei insgesamt 45 Einsätzen gefordert, zehn davon im Kriseninterventionsdienst (KID) und neun im Pistendienst am Götschen.

FREILASSING Bereitschaftsleiter Siegfried Fritsch, Ausbildungsleiter Fabian Ehrler, Kassenwart Niko Magg, Höhlenrettungschef Rudi Hiebl und Hüttenwart Thomas Läpple blickten bei der Jahreshauptversammlung im Freilassinger BRK-Haus auf ein arbeitsreiches Jahr zurück und riefen die Gemeinden und Bürger zu mehr finanzieller Unterstützung auf, da die Kassen aufgrund umfangreicher Investitionen recht leer sind und noch immer wichtiges Material zur Höhlenrettung nicht ersatzbeschafft ist, das beim Riesending-Einsatz 2014 im Untersberg zerstört wurde oder verlorenging. „Der nächste große Einsatz kommt aber bestimmt – darauf müssen wir vorbereitet sein“, warnt Hiebl.

Aktuell zählt die Bereitschaft 53 Mitglieder, darunter 24 aktive Einsatzkräfte, sieben Anwärter, ein Jugendmitglied und 21 Inaktive; 183 Förderer unterstützen die Arbeit finanziell, wobei die Zahl während der vergangenen Jahre aufgrund von Todesfällen rückläufig war. Die Bergretter sind umfangreich ausgebildet: Acht haben beide Module zum Höhlenretter absolviert, zwei sind Einsatzleiter, sechs weitere in Ausbildung zum Einsatzleiter, einer ist Krisenberater, einer Fachberater Naturschutz, drei sind Rettungsassistenten, zwei Rettungssanitäter und einer Arzt. Die Ehrenamtlichen engagieren sich auch in verschiedenen Fachbereichen auf Regionalebene, darunter der KID, der Technikbus und die Höhlenrettung. Die beiden Anwärter Jakob Strebl und Hubert Mayer haben kürzlich die Wintersichtung absolviert.

Neues Einsatzfahrzeug ist zu schwach für den Höhlenrettungsanhänger

Das Spektrum an Einsätzen im Einsatzleitbereich Saalachtal zusammen mit den Bergwachten Bad Reichenhall und Teisendorf-Anger war sehr vielfältig und fordernd, wobei sich die umfangreiche Ausbildung bezahlt machte. Fritsch berichtete exemplarisch vom Eiskletter-Unfall am 3. März in der Fronau, vom Lawinenabgang am 21. Januar am Zwiesel, von der Rettung aus Bergnot am 2. April am bei Sturm und Schneeregem am Hochstaufen und von der Rettung eines Wanderers, der bei einem erneuten Wintereinbruch am 20. April 2017 von der Zwieselalm geholt werden musste. Da weniger Rennen stattfanden, konnte die Bereitschaft den Pistendienstplan am Götschen ohne größere Lücken füllen. Darüber hinaus fanden 195 Naturschutzstreifen und diverse Sanitätsdienste bei den Ringer-Wettkämpfen in Anger statt. „Am 8. Februar 2018 segnete Pfarrer Werner Buckel das neue vom Freistaat Bayern finanzierte Einsatzfahrzeug, einen VW T6, der an sich für den Bergrettungsdienst gut geeignet, aber als Zugfahrzeug für unseren Höhlenrettungsanhänger nicht optimal und zu schwach ist“, bedauert Fritsch, der aktuell auf der Suche nach einem passenden Fahrzeug ist und einen Austausch in den kommenden Monaten anstrebt. Damit im Einsatzfall auch jeder fahren kann, ließ die Bergwacht 2017 mehrere Höhlenretter den Anhänger-Führerschein machen.

Darüber hinaus beteiligt sich die Bergwacht 2018 am Ferienprogramm der Stadt Freilassing und an der Kinder-Sicherheitsolympiade – „beides wichtige Veranstaltungen für uns, um junge Leute für unsere Arbeit zu begeistern“, erklärt Fritsch. 2018 will die Bergwacht unter anderem mit einer Plaketten-Aktion in Hotels neue Förderer gewinnen, Anwärter werben und gemeinsam mit den anderen Bereitschaften ausbilden, die Finanzierung dringender Ersatzbeschaffungen sicherstellen und mit Übungen die Zusammenarbeit der drei Bereitschaften im Einsatzleitbereich Saalachtal weiter stärken.

Ausbildungsleiter Fabian Ehrler berichtete von insgesamt 27 Terminen, bei denen die Bergretter mit vielen Praxis-Übungen Fachthemen wie Lawinenkunde, Notfallmedizin, Bergrettung, Naturschutz und Luftrettung behandelten; Highlights waren die spezifische Versorgung von Kleinkindern, die Patienten-Untersuchung unter Anleitung der hauptamtlichen Notfallsaniäter der BRK-Rettungswache, die Vorbereitung auf dem Sommer-Eignungstest auf der Werfener Hütte und für den Wintertest am Seeleinsee, wo die Bergretter noch bei einer abendlichen Suche nach einem orientierungslosen Tourengeher auf den Hohen Rossfeldern helfen mussten.

Leere Kassen durch umfangreiche Inventionen und verstorbene Förderer

Kassenwart Niko Magg berichtete von Ausgaben in Höhe von über 25.000 Euro, denen Einnahmen von nur rund 18.600 Euro gegenüberstehen. Fast 7.000 Euro fielen für Ausrüstung und Geräte an, darunter auch der neue Ofen für die Seeleinsee-Diensthütte, über 6.000 Euro für Dienstbekleidung, 3.300 Euro für Raum-Instandhaltung und Nebenkosten, rund 3.000 Euro für Versicherungen, rund 1.800 Euro für Fahrzeug und Anhänger, fast 1.500 Euro für die Höhlenrettung, über 1.000 Euro für Verwaltungs-, Telefon- und Ehrungskosten und 800 Euro für die Ausbildung. Für geleistete Einsätze bekam die Bergwacht 2017 über 7.300 Euro an Benutzungsentgelten und Zuschüssen, fast 6.400 Euro wurden gespendet und über 4.000 Euro machten die Fördermitgliedsbeiträge aus, die seit Jahren aufgrund von Todesfällen rückläufig sind. Die Landkreisstiftung hatte im Januar 2018 mit einer 4.500-Euro-Finanzspritze die angespannte Situation etwas entlastet – für große finanzielle Sprünge fehlt den Einsatzkräften aber aktuell das Geld. Höhlenrettungschef Rudi Hiebl bedauert, dass noch immer nicht das 2014 beim Riesending-Einsatz im Untersberg zerstörte und verlorengegangene Material ersatzbeschafft ist und teure Spezial-Ausrüstung wie Eisschrauben oder Steigeisen für Notfälle in Eishöhlen oder wasserführenden Höhlen fehlt. Fritsch rief deshalb die Gemeinden und Bürger auf, die Arbeit der Bergwacht zukünftig mehr mit Zuschüssen und Spenden zu unterstützen, damit sich die Ehrenamtlichen sorgenfrei auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können und nicht zusätzlich von finanziellen Sorgen geplagt werden und aufwendige Konzepte zur Mittelbeschaffung realisieren müssen.

Neue Herausforderung durch vereiste und wasserführende Höhlen

Die Bergwacht Freilassing betreibt auch die Höhlenrettungswache der Bergwacht-Region Chiemgau und betreibt viel Motivationsarbeit, da nicht jeden Tag ein großer Einsatz stattfindet, aber alle jederzeit auf ein komplexes Rettungsszenario vorbereitet sein müssen. Ressortleiter Rudi Hiebl berichtete von den elf Höhlentouren (insgesamt 86 Teilnehmer), vier Ausbildungsabenden (41 Teilnehmer) und zwei größeren Übungen der aktuell 20 aktiven Höhlenretter, von denen 13 aus Freilassing, vier aus Berchtesgaden, zwei aus Marquartstein und einer aus Bergen kommt – vier Mitglieder der Bergwacht Altötting waren bei diversen Touren zum Schnuppern dabei; zwei haben eine Sprengberechtigung, sechs sind Sanitäter, einer ist Krisenberater, und zusätzlich stehen zwei höhlenerfahrene Ärzte zur Verfügung. 2017 gab es keinen Einsatz; dennoch waren die Einsatzkräfte sehr aktiv und bereiteten sich mit technischen und medizinischen Ausbildungen auf unterschiedlichste Einsatzszenarien vor. Ziele waren in der von Freilassing aus rasch erreichbaren Osterhorngruppe rund um die Taugl, der Lengfeldkeller, das Hennerloch, das Reitlloch, das Hausloch, die Brunneckerhöhle, vier Höhlen im Triester Karst und das Zwölferloch am Hochgern. Highlight war die Eiskogelhöhle im Tennengebirge – Einsätze in vereisten und wasserführenden Höhlen mit sehr starker Strömung stellen die Retter vor zusätzliche Herausforderungen, wobei die Gruppe auch ihre Ausrüstung um Steigeisen und teure Eisschrauben ergänzen muss und die Einsatzkräfte in den Grundtechniken des Eiskletterns und Canyonings schult. Darüber hinaus will Hiebl, der selbst überregional als Ausbilder tätig ist, ein drittes Ausbildungsmodul mit dem Schwerpunkt Kommunikation für Höhlenretter realisieren.

Bei den Touren übten die Retter Bohren, Gesteinsbearbeitung, den Tragentransport, die Gegenzugmethode, den Seilbahn- und Verankerungsbau, Flaschenzüge, Biwak und Wärmeversorgung, die Kommunikation mit Höhlenfunk und Telefon, medizinische Patientenversorgung und die Fortbewegung durch senkrechte Schächte mit Abseilgeräten und Steigklemmen am Seil (Einseiltechnik). Dabei arbeiten sie Hand in Hand mit ihren eng vernetzten Kollegen der Höhlenrettungswache Samerberg und der Salzburger Höhlenrettung zusammen; bei einzelnen Touren waren auch Einsatzkräfte aus Polen und Murnau mit dabei. Größere Übungen fanden in der Schachtanlage des Surspeichers und im Feuchten Keller am Trattberg statt. Mit den Salzburger Höhlenrettern konnten die Freilassinger das Silberbergwerk in Ramingstein (Lungau) befahren. Vom 5. bis 7. Juli besuchten die Höhlenretter das letzte noch aktive deutsche Kohlebergwerk in Bottrop und konnten in einer Tiefe von rund 1,2 Kilometern an vorderster Front den Abbau im Prosper-Haniel-Schacht hautnah mitverfolgen. Zusammen mit der Salzburger Höhlenrettung wird aktuell ein grenzüberschreitendes, gefördertes Kommunikationsprojekt umgesetzt, wobei die Einsatzkräfte beider Organisationen ein zusätzliches Höhlenfunk-System (Cave-Link) beschafft haben und bei diversen Touren zusammen üben. Über Ostern fand wieder ein bereits traditionelles internationales Höhlenretter-Treffen mit mehreren Touren in Triest statt. 2018 sind im Juni die Teilnahme an der nationalen Rettungsübung in der Sächsischen Schweiz und im August ein Ausflug in die wasserführende Falkensteiner Höhle in der Schwäbischen Alb geplant.

Eng mit den Nachbarn vernetzt

Die Höhlenrettungswache im Mitterfeldener Feuerwehrhaus mit Fahrzeug und Anhänger ist mittlerweile mit Regalen zur Materiallagerung ausgestattet und hat einen eigenen Bereich, wo die oft stark verschmutzte Ausrüstung gut gereinigt und getrocknet werden kann – dazu fanden 16 Arbeitsdienste mit 44 Teilnehmern statt, die 110 Stunden leisteten. Im Überbau können die Retter die Einseiltechnik üben und für Besprechungen steht eine kleine Almhütte zur Verfügung. Die Höhlenretter versuchen laufend, andere für ihre Arbeit in der Finsternis zu begeistern und neue Aktive zu gewinnen; dafür fanden unter anderem neben diversen Veröffentlichungen in der Presse ein Vortrag beim DAV Bad Reichenhall und eine gemeinsame Tour mit dem DAV Freilassing statt.

Bei Übungen und Einsätzen arbeiten die Freilassinger Hand in Hand mit den Salzburger Höhlenrettern, den Kollegen der anderen bayerischen Höhlenrettungswachen, und im Höhlenrettungsverbund (HRVD) zusammen, wobei bei größeren Einsätzen die Bergwacht Chiemgau mit Einsatzleitern und dem Team des Technikbusses logistische Arbeiten übernimmt. Darüber hinaus besteht ein guter Kontakt zum Salzburger Höhlenverein (Forschung) und zur ARGE Bad Cannstadt (Riesending). Bei einem dreitägigen Workshop im Zentrum für Sicherheit und Ausbildung (ZSA) in Bad Tölz, wo es mittlerweile auch eine flutbare Übungshöhle gibt, konnte die Bergwacht die anderen Mitglieder im HRVD beeindrucken. Hiebl: „Denen hat es die Augen rausgehauen, was wir für Möglichkeiten haben!“

Brandschutz: Diensthütte am Seeleinsee umfangreich saniert

Hüttenwart Thomas Läpple berichtete von den umfangreichen Sanierungsarbeiten an der Seeleinsee-Diensthütte im Hagenbebirge, die ehemals eine wichtige Rettungsstelle auf der Kleinen Reibn war und heute für die Bergwacht ganzjährig ein viel genutzter Stützpunkt zur Ausbildung ist. Auslöser war ein vom Kaminkehrer nicht mehr abgenommener 20 Jahre alter durchgebrannter Ofen, den die ehrenamtlichen Bergretter austauschen mussten. Mit extra für dieses Projekt gesammelten Spendengeldern in Höhe von über 4.000 Euro konnten sie einen neuen, modernen und den aktuellen Brandschutzvorschriften entsprechenden Ofen kaufen, wobei die Bayerischen Staatsforsten die Transportflüge vom Beschneiungsteich am Jenner sponserten, bei denen insgesamt 1,2 Tonnen an Baumaterial, Werkzeug und Abfall transportiert wurden, darunter auch der rund 350 Kilo schwere Ofen. Mit dem Einbau des Ofens realisierten die Ehrenamtlichen zugleich eine Brandschutzplatte am Boden, verputzten und strichen die Wände neu, verlegten einen neuen Teppich, installierten eine neue Gasanlage mit Zündsicherung für die Lampen und ein neues digitales Radio. Das gesamte Werkzeug mussten die Helfer in 40-Kilo-Rucksäcken selbst wieder ins Tal tragen.

Viel Lob fürs Ehrenamt

Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher, Ainrings zweiter Bürgermeister Gerhard Kern, der stellvertretende Leiter der Bergwacht Teisendorf-Anger, Robert Reiter und Salzburgs Höhlenrettungschefin Monika Feichtner dankten der Bergwacht Freilassing für ihren ehrenamtlichen Einsatz und die gute Zusammenarbeit. Feichtner berichtete von brandaktuellen Veränderungen in Salzburg, wo die Höhlenretter eine neue Kooperation mit den Forschern eingegangen sind, die zukünftig eine eigene Einsatzgruppe stellen werden; darüber hinaus wird bundesweit in Österreich ein einheitliches Konzept zur Einsatztaktik umgesetzt werden.


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