15.03.2018, 10:32 Uhr

Jahresrückblick Bergwacht Teisendorf-Anger 2017 bei 23 Einsätzen gefordert

(Foto: Leitner/BRK BGL)(Foto: Leitner/BRK BGL)

Die Bergwacht Teisendorf Anger war 2017 bei insgesamt 23 Einsätzen gefordert, darunter allein zehn im eigenen Dienstgebiet am Teisenberg, sieben weitere zusammen mit der Reichenhaller Bergwacht im Einsatzleitbereich Saalachtal und sechs beim winterlichen Pistendienst.

TEISENDORF/ANGER Bereitschaftsleiter Lorenz Aschauer, Ausbildungsleiter Stefan Stadler und Kassenwart Christian Schöpp blickten auf ein forderndes Einsatz- und Ausbildungsjahr zurück, das vor allem durch den starken und hoch motivierten Bergretter-Nachwuchs geprägt war. Der jüngste Lawineneinsatz am 21. Januar am Zwiesel war auch für die Retter alles andere als ungefährlich, die nun daraus ihre Konsequenzen ziehen.

Einsatzschwerpunkt Stoißer Alm und Teisenberg

Aktuell ist die Bergwacht Teisendorf-Anger mit 41 Mitgliedern, darunter 20 aktive Einsatzkräfte (19 im Vorjahr) gut aufgestellt. Sieben Anwärter (sechs im Vorjahr) durchlaufen derzeit die aufwendige Ausbildung zum Bergretter. Neu dabei sind Julia und Alexander Emig (ausgebildeter Bergretter und Hundeführer aus Grödig) und Reine Lebacher. Besondere Einsätze waren 2017 ein verletzter Forstarbeiter im Gebiet der Fürmann Alm, am 3. August gleich zwei schwer verletzte Mountainbike-Fahrer am Teisenberg, ein schlimmer Hundebiss ins Gesicht an der Stoißer Alm, ein Bewusstloser sowie ein Allergie-Patient nach Wespenstich auf der Stoißer Alm, eine verletzte Mountainbikerin auf der Steiner Alm, Lichtzeichen an der Steiner Alm und zwei im Schneesturm verirrte Wanderer am Teisenberg. Im Einsatzleitbereich Saalachtal waren die Angerer Einsatzkräfte unter anderem bei der Rettung eines schwer verletzten abgestürzten Wanderers am Eichelberg im Lattengebirge und bei der Rettung eines in Bergnot geratenen Mountainbikers am Ristfeuchthorn gefordert. Darüber hinaus engagieren sich drei Bergretter der Bereitschaft beim Kriseninterventionsdienst (KID) und betreuen die bayernweit zentrale KID-Hotline. Die Bergwacht musste auch mehrere Sportveranstaltungen wie den Alpinen Dreikampf „Grazi Man“ am Zwiesel absichern. Insgesamt leistete die Bereitschaft auch 143 Naturschutzstreifen in den Chiemgauer und Berchtesgadener Bergen; Dr. Reinhard Bochter kümmert sich als Verantwortlicher für den Naturschutz um das eigene Ressort der Bergwacht.

Gefährlicher Lawineneinsatz am 21. Januar

Aschauer berichtete anschließend über den auch für die Einsatzkräfte der Bergwacht nicht ungefährlichen Lawineneinsatz am 21. Januar 2018 am Zwiesel (wir berichteten), bei dem zwei Skitourengeher bei Warnstufe 3 mit Tendenz zu 4 (starker Wind und innerhalb weniger Stunden ein halber Meter nasser Neuschnee) in einem Steilhang oberhalb der Alm komplett und bis zu den Oberschenkeln verschüttet und nur mit sehr viel Glück durch trotz des sehr schlechten Wetters innerhalb weniger Minuten nachfolgenden weiteren Bergsteigern gefunden und weitgehend unverletzt ausgegraben wurden. „Ein Rettungsflug mit einem Suchhundeteam der Bergwacht war wegen schlechter Sicht und Sturm nicht möglich. Für unseren Einsatzleiter Franz Meier war es keine leichte Entscheidung, die Retter bei erheblicher bis großer Lawinengefahr vom Jochberg aus zu Fuß loszuschicken, vor allem weil die zusätzliche Ausrüstung wie Trage oder Notfall-Rucksack im Fall einer Nachlawine wie ein Anker nach unten zieht – da hilft dann auch der Airbag-Rucksack nichts mehr“, erklärt Aschauer. Trotz des schlechten Wetters und der Lawinengefahr waren an diesem Tag auffällig viele, vor allem sehr erfahrene Winterbergsteiger am Zwiesel unterwegs. Die Bergwacht kam aufgrund des massiven Schneefalls mit 20 Minuten Anfahrtszeit trotz Allrad gerade noch bis zum Jochbergparkplatz; eine Anfahrt über den Listanger war wegen des vielen Schnees und der steilen Forststraße nicht möglich.

Ein Durchkommen per All-Terrain-Vehicle (ATV) war wegen des vielen nassen Neuschnees auch nicht mehr möglich, das sich das Gefährt eingrub. Alle Einsatzkräfte, die zu Fuß mit Tourenskiern aufstiegen – in diesem Fall die schnellste Möglichkeit, um voranzukommen, wurden an einer Schleuse registriert, wo auch ihre Notfallausrüstung gecheckt wurde. Die Bergwacht hält zentral für solche Einsätze einen Pool an Lawinen-Airbag-Rucksäcken vor, wobei der jüngste Einsatz zeigte, dass sich das Modell nicht bewährt. „Die Leute müssen unter extremem Zeitdruck ihre Ausrüstung in die anderen Rucksäcke umräumen, sind zu wenig vertraut damit und laufen Gefahr, Fehler zu machen“, schildert Aschauer. Deshalb hat die Bergwacht-Bereitschaft Teisendorf-Anger beschlossen, zu den vorhandenen fünf Airbag-Rucksäcken fünf weitere zu kaufen, damit jeder Retter im Einsatz seinen eigenen hat. Das Modell der Firma Pieps kostet rund 700 Euro, funktioniert mit Akku, ist mehrmals verwendbar, bläst sich bis zu fünfmal wieder auf und fällt bei einer Verschüttung zusammen, so dass der Retter eine Atemhöhle hat.

Urgesteine und Gründer Karl Kapferer und Lenz Willberger verstorben

Im Totengedenken erinnerte Lenz Aschauer an die beiden im vergangenen Jahr verstorbenen ehemaligen Bereitschaftsleiter Karl Kapferer und Lenz Willberger, die die Bergwacht Teisendorf-Anger nach dem Krieg wieder neu ins Leben gerufen hatten; Willberger war auch der Gründer der Lawinen- und Suchhundestaffel der heutigen Bergwacht-Region Chiemgau.Mit einem geschenkten Schäferhund-Welpen aus Salzburg fing 1957 alles an. Willberger eignete sich als Pionier seine Grundkenntnisse im Schäferhundeverein an und nahm nach intensivem Training mit seinem Hund Gangerl an zwei Tiroler Lawinenhundekursen teil. 1960 wurde Lenz Willberger zum ersten Lawineneinsatz im Hagengebirge in den Berchtesgadener Alpen gerufen. Zwei amerikanische Hubschrauber brachten 26 Mitglieder der Bergwacht mit Lawinenhunden zur Einsatzstelle. Nachdem Polizisten zuvor vergeblich gesucht hatten, fand Gangerl den toten 19-jährigen Skifahrer nach fünf Minuten unter einer ein Meter dicken Schneedecke.

Intensive alpinistische und notfallmedizinische Ausbildung

Das 2017 in Dienst gestellte neue Rettungsfahrzeug wurde bei einem Festakt auf der Steiner Alm kirchlich gesegnet. Ausbildungsleiter Stefan Stadler berichtete vom umfangreichen Aus- und Fortbildungsjahr und zeigte sich begeistert von der großen Motivation der vielen jungen Leute und Anwärter und dankte den verschiedenen Ausbildern und Experten, die alle aus ihrem Fachbereich ihr Wissen an die Kameraden vermitteln, darunter auch einige neue Bergretter: Franz Meier und Lars Karstens (Notfallmedizin), David Vinke (angehender Ausbilder), Valentin Gafus (Flugretter-Ausbilder) und Markus Kreutzer (Winter-Ausbilder). Elli Fuchsreiter absolviert gerade die zeitintensive Ausbildung zum Rettungssanitäter. Damit im Ernstfall alles klappt, fanden vor allem viele realistische Übungen mit Beispielen aus dem Einsatzalltag statt, darunter Radunfälle am Teisenberg mit schwer Verletzten, eine Eisausbildung mit Spaltenrettung am Dachstein, ein Wochenende auf der Pidinger Hütte mit Ausbildungen im steilen Waldgelände des Fuderheubergs, ein Winter-Biwak mit Schneehöhle auf der Stoißer Alm und eine Lift-Evakuierung am Götschen.  Am vergangenen Sonntag nahmen fünf Anwärter am Winter-Eignungstest am Dürrnbachhorn teil; drei von ihnen haben 2017 bereits den Sommer-Eignungstest bestanden.

18.000 Euro Ausgaben und Einnahmen

Der neue Kassenwart Christian Schöpp berichtete von rund 18.000 Euro an Einnahmen und Ausgaben im vergangenen Jahr. Rund ein Drittel (28 Prozent) ihrer Einnahmen musste die Bergwacht aus Spenden, mit Hilfe von Förderern und durch eigene Mittelbeschaffung bei Veranstaltungen einnehmen, 62 Prozent machten Zuschüsse und Erstattungen für Einsätze aus und weitere zehn Prozent sind vom Gericht zugeteilte Geldstrafen. Bei den Ausgaben schlagen vor allem die beiden Fahrzeuge und Anhänger mit 27 Prozent am stärksten zu Buche, gefolgt von Werbe- und Verpflegungskosten bei Veranstaltungen (23 Prozent), Ausrüstung und Ausstattung (21 Prozent), Sonstigem (13 Prozent), Versicherungen (zwölf Prozent) und Fahrtkosten (vier Prozent). Die Kasse wurde von Erwin Koch und Max Staller geprüft und der Kassenwart bei der Jahreshauptversammlung einstimmig entlastet.

Viel Dank und Lob fürs Ehrenamt

Aschauer dankte den beiden Gemeinden und dem Deutschen Alpenverein (DAV) für die hervorragende Unterstützung der Bergwacht, die weitgehend kostenfrei im Angerer Feuerwehrhaus und im ehemaligen Umkleidegebäude des Teisendorfer Sportplatzes untergebracht ist, das DAV-Heim mit nutzen darf und nur für Nebenkosten aufkommen muss. Teisendorfs zweiter Bürgermeister und ehemaliger zweiter Feuerwehrkommandant Norbert Schader, Angers Bürgermeister Silvester Enzinger, der scheidende DAV-Vorsitzende Franz Waldhutter sowie die Leiter der Nachbar-Bergwachten Siegi Fritsch (Freilassing) und Urs Strozynski (Bad Reichenhall) dankten den ehrenamtlichen Bergrettern für ihr großes Engagement und die geleistete Arbeit. Schader appellierte als ehemaliger Feuerwehrmann, auch nach belastenden Einsätzen für die eigenen Leute psychosoziale Notfallversorgung in Anspruch zu nehmen – er selbst habe nach schweren Einsätzen der Feuerwehr mehrmals den KID geholt, der eine mittlerweile unverzichtbar wertvolle Arbeit für Betroffene und Einsatzkräfte leistet. Enzinger dankte der Bergwacht auch für ihren Arbeitseinsatz bei der Entfernung von Moos am Dach des Feuerwehrhauses. Waldhutter verabschiedete sich nach fast einem viertel Jahrhundert als DAV-Chef und dankte für die gute und enge Zusammenarbeit in seiner Amtszeit – er kandidiert zukünftig nicht mehr als Vorsitzender der Sektion. Auch Stüberlwirtin Resi Koch geht in den wohl verdienten Ruhestand – wie jedes Jahr gabs für ihre treuen Dienste viel Dank und einen Blumenstrauß.


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