21.01.2018, 20:04 Uhr

Lawinenabgang am Zwiesel Zwei einheimische Skitourengeher wurden verschüttet

(Foto: BRK/Markus Leitner)(Foto: BRK/Markus Leitner)

Am Sonntagvormittag, 21. Januar, gegen 10.35 Uhr sind zwei einheimische Skitourengeher am Zwiesel (Chiemgauer Alpen) in rund 1.550 Metern Höhe zwischen der Alm und dem Gipfel beim Aufstieg von einer Lawine erfasst und verschüttet worden; einer der Männer komplett, der Zweite bis zu den Oberschenkeln.

BAD REICHENHALL/KARLSTEIN Weitere Skibergsteiger schafften es, den komplett Verschütteten, der von den Schneemassen gegen einen Baum gedrückt worden war, rasch zu orten und auszugraben. Beide Männer kamen weitgehend unverletzt davon, froren aber.

Die Lawine hatte nach Angaben der Zeugen vor Ort eine Breite von rund 25 bis 30 Metern und eine Anrisshöhe von etwa 30 Zentimetern. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, dass der einheimische Skibergsteiger zunächst alleine oberhalb der Zwieselalm unterwegs war; als er durch eine Rinne in Richtung Zennokopf ging, wurde er von einem Schneebrett aus einem Steilhang rechts der Rinne erfasst, rund 30 Meter mitgerissen, gegen einen Baum gedrückt und verschüttet, wobei die eingeschneiten Äste den Aufprall abdämpften und sein Arm an die Oberfläche ragte, sodass er ein wenig atmen konnte.

Laut Polizei kann nicht genau geklärt werden, ob er das Brett, dass etwa 30 Meter oberhalb der Spur abgebrochen war, selbst ausgelöst hatte, oder ob es sich um eine Selbstauslösung aufgrund der erheblichen Lawinengefahr (Stufe 3) handelte.

Ein zweiter einheimischer Skibergsteiger, der sich kurz hinter dem ersten Tourengeher befand, wurde von der Lawine ebenfalls noch erfasst, aber nur bis zu den Oberschenkeln eingegraben; sein Oberkörper blieb frei, so dass er gleich einen Notruf absetzen konnte.

Die Leitstelle Traunstein schickte sofort ein Großaufgebot an Einsatzkräften los, darunter die Bergwachten Bad Reichenhall, Freilassing, Teisendorf-Anger und Ramsau, vier Bergwacht-Notärzte, die Lawinen- und Suchhundestaffel der Bergwacht Region Chiemgau, zwei All-Terrain-Vehicles (ATV) und den Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“.

Der Pilot nahm beim Anflug in Anger ein Suchhundeteam der Bergwacht auf und versuchte dann, die Einsatzstelle zu erreichen, musste aber aufgrund der sehr schlechten Sicht im Schneesturm in rund 1.000 Metern Höhe abbrechen und landete in der Reichenhaller Kaserne – weitere Rettungsflüge waren aufgrund des Schneesturms nicht mehr möglich.

25 Einsatzkräfte der Bergwacht fuhren bei starkem Schneefall über Weißbach an der Alpenstraße zum Jochberg und stiegen von dort aus mit Tourenskiern und Material zu Fuß in Richtung der Unfallstelle auf. Die Alpine Einsatzgruppe (AEG) der Polizei war mit mehreren Suchhundeteams und einem Bergführer unterwegs, der den Hergang aufnahm.

Die beiden Verschütteten hatten sehr großes Glück, da eine weitere Gruppe von Skibergsteigern nach nur kurzer Zeit am Unfallort eintraf und beide innerhalb weniger Minuten ausgraben konnte. Nach erster Einschätzung blieben sie weitgehend unverletzt, froren aber.

Beide konnten in Begleitung noch selbst bis zum Listsee und zum Jochberg abfahren, wo sie jeweils von einem Bergwacht-Notarzt in Empfang genommen und untersucht wurden. Die Bergwacht brachte beide Patienten und die Ersthelfer zur Bergrettungswache.

Beide Männer sind nach Angaben der Polizei sehr erfahrene Bergsteiger und waren vollständig mit einer kompletten Lawinen-Notfall-Ausrüstung ausgestattet. „Trotzdem hatten sie unglaubliches Glück, dass die Kameradenrettung durch Ersthelfer so rasch anlief – da keine Rettungsflüge möglich waren und die Bergwacht zu Fuß aufsteigen musste, wären sie ohne Ersthelfer nicht so glimpflich davongekommen“, erklärt Bergwacht-Pressesprecher Marcus Goebel.

Zur Unglückszeit herrschte heftiger Schneefall, wodurch die Straßen teilweise komplett schneebedeckt waren. Die Rettungsfahrzeuge der Bergwacht sind zwar alle mit Allradantrieb ausgerüstet, jedoch ist es bei den schlechten Straßen- und Lichtverhältnissen auch für die Einsatzkräfte schwierig, im Straßenverkehr zügig durchzukommen. Ab der Abzweigung Jochberg in Weißbach an der Alpenstraße herrschte eine geschlossene Schneedecke auf der Fahrbahn, sodass separat noch der Räumdienst für die Jochbergstraße angefordert wurde, damit weitere Einsatzkräfte mit zusätzlicher Ausrüstung leichter anfahren konnten.

Goebel: „Durch die schlechten Wetterbedingungen und Straßenverhältnisse verzögerte sich der gesamte Ablauf, wobei der Einsatz rund zweieinhalb Stunden dauerte.“


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