10.04.2018, 09:15 Uhr

25 Jahre im Einsatz Grafenauer Bergwachtchef feiert Jubiläum

Dr. Bodo Srößenreuther (v. li.), stellvertretender Bereitschaftsleiter, Harald Keller, Bereitschaftsleiter und Wolfgang Kunz, 2. Bürgermeister. (Foto: Bergwacht Grafenau)Dr. Bodo Srößenreuther (v. li.), stellvertretender Bereitschaftsleiter, Harald Keller, Bereitschaftsleiter und Wolfgang Kunz, 2. Bürgermeister. (Foto: Bergwacht Grafenau)

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Bergwacht Grafenau hatte der stellvertretende Bereitschaftsleiter, Dr. Bodo Stößenreuther, die schöne Aufgabe, Bereitschaftsleiter Harald Keller für 25 Jahre bei der Bergwacht zu ehren.

GRAFENAU 1991 kam Harald Keller durch die Bereitschaft Ohlstadt erstmals mit der Bergwacht in Kontakt, ehe er am 15. April 1993 offiziell als Anwärter der Bergwacht Kochel am See beitrat. Nach zügiger Absolvierung sämtlicher Prüfungen war er bald Mitglied einer „Einsatztruppe“, die auch unter der Woche jederzeit für in Bergnot Geratene parat stand und allwöchentlich Einsätze zu bewältigen hatte. Sein Haupteinsatzgebiet war der Herzogsstandgrat, wobei es sich dort fast ausschließlich um Einsätze mit Hubschrauber handelte. Obwohl sich das für einen Laien recht bequem anhört, war das mit der damals hauptsächlich verwendeten Bell ein recht riskantes und schwieriges Unterfangen, insbesondere bei Föhn wegen der dann im Einsatzgebiet recht heftigen Abwinde, die oft mehrere Anflugmanöver erforderlich machten.

1995 führte Harald Keller im Rahmen einer Hubschrauber-Rettungsvorführung für Südtiroler Bergretter das Abseilen am „langen Seil“, also am Bergseil zusammen mit einer Winde vor. Zu dieser Zeit war das für viele absolutes Neuland.

Sein beeindruckendstes Erlebnis in der Bergwacht war für Harald Keller ein Einsatz am Herzogsstand, bei dem dem Hubschrauber der Sprit auszugehen drohte und der Helikopter kurzerhand - mit Keller als Außenlast - zum Tanken nach Murnau abdrehte.

Aber auch sehr traurige und belastende Einsätze hatte Keller in Kochel leisten und zu verarbeiten, da er im Jochberggebiet bei etlichen Totenbergungen von Eiskletterern im Winter oder tödlich verunglückten Bergsteigern im Sommer dabei war.

2001 wechselte er beruflich bedingt zur Bereitschaft Penzberg.

Dort hatte er hauptsächlich Wintereinsätze im Skigebiet Garmisch bzw. auf der Zugspitze, wobei er sich über mangelnde Arbeit nicht beklagen konnte; die Spitze erreichte ein Dienst-Tag mit insgesamt sieben Transporten für die Bergretter!

Bei zahlreichen Skiveranstaltungen, darunter auch Weltcuprennen von Damen und Herren auf der Kandahar, zählte er in dieser Zeit zum Rettungsteam. Da die ohnehin sehr steile Piste zu diesen Wettkämpfen pickelhart präpariert wurde, war im Falle eines verletzten Rennfahrers der Transport mit Ski und Akia unmöglich – man musste zu Fuß, mit Steigeisen „besohlt“, arbeiten.

Seit 2007 gehört Keller nun der Bereitschaft Grafenau an, wo er bei Einsätzen und Übungen ebenfalls häufig dabei war.

Im März 2013 wurde Harald Keller nach einer schweren Krise in der Bereitschaft Grafenau dann zum neuen Bereitschaftsleiter gewählt. Er trat seine neue Aufgabe mit Elan an, doch die vielen erforderlichen Änderungen und Modernisierungen führten erneut zu Spannungen in den Reihen der Kameraden. „Jedem war klar, dass sich etwas ändern muss, aber alles soll bitte so bleiben, wie es schon immer war“, wie Dr. Strößenreuther etwas ironisch bemerkte.

Im Juli 2014 kam es dann zum offenen Bruch innerhalb der Bereitschaft mit diversen Rück- bzw. Austritten, die Bereitschaft Grafenau stand ohne Leitung und kurz vor dem aus. Doch man „raufte“ sich für die gute Sache zusammen und wählte dann im April 2015 Harald Keller erneut zum Bereitschaftsleiter, eine „Ehre“, die ihm 2017 erneut einstimmig zu Teil wurde.

„Und Harald Keller hat bis heute absoluten Rückhalt von den Kameraden und trotz seiner beruflichen Tätigkeit in Oberbayern haben die Grafenauer Bergretter eine funktionierende Bereitschaftsleitung, die trotz oft schwieriger Kommunikation hohen Einsatz zeigt, stets ein offenes Ohr für die Belange der Kameraden und meist auch einen spontanen Lösungsvorschlag hat“ wie Dr. Bodo Stößenreuther am Ende seiner Ehrung bemerkte.


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