18.09.2019, 10:54 Uhr

Burgkirchnerin warnt Schützen Sie sich vor Handy-Abo-Fallen!


Dass es sich lohnt, seine Handyrechnung stets zu kontrollieren, zeigt der Fall von Petra Nickel

BURGKIRCHEN. Der Blick auf die Handyrechnung ließ Petra Nickel erstaunen: Wer mag wohl „Cellfish GmbH - Watch it“ sein und warum bucht diese Firma über ihre Telekom-Rechnung einen eigenen Betrag ab?

Das ließ die resolute Burgkirchnerin nicht ruhen und so fand sie rasch eine unerfreuliche Tatsache heraus: Sie war in eine Abzockerfalle von Drittanbietern getappt. „Ich kann mich gut erinnern: Ich hatte eine Wetter-App auf mein Handy heruntergeladen. Dabei ploppte plötzlich ein Werbebanner auf. Normalerweise kann man das mit einem Klick aufs Kreuzerl schließen. Nicht so in diesem Fall: Man konnte das Banner nicht schließen oder ablehnen, es hat quasi den Handybetrieb blockiert. Ich musste solange die Rücktaste drücken, bis es weg war ...“, erzählt Petra Nickel.

Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: „Das wurde als Zustimmung zum Abo gewertet.“ Wie die Verbraucherzentrale Bayern bestätigt, ist diese kriminelle Masche mit versteckten Abos gar nicht so selten. Eigentlich wird ein Vertrag erst wirksam, wenn man sich per Button ausdrücklich zur Zahlung verpflichtet. Der Button muss klar erkennbar mit Wörtern wie „zahlungspflichtig bestellen“ oder „kaufen“ versehen sein. Und das, so versichert Petra Nickel, sei in ihrem Fall nicht erkennbar gewesen.

Die Beanstandung von zu Unrecht erhobenen Abo-Kosten ist also möglich - wenn auch aufwändig, wie Petra Nickel erleben musste: „Zu allererst habe ich der Cellfish GmbH, die übrigens im Zusammenhang mit Abo-Fallen in entsprechenden Verbraucherforen häufig genannt wird, per E-Mail eine Kündigung geschickt und einen Nachweis für das Zustandekommen des Vertrages mit dem Streaming-Dienst „Watch it“ gefordert.“ Außerdem informierte sie ihren Mobilfunkanbieter über das unerwünschte Abo des Streamingdienstes.

Beträge „aus Kulanz“ zurückerstattet

„Von ,Watch it’ habe ich dann ein umfangreiches Schreiben erhalten, in dem behauptet wird, „in unmittelbarer Nähe zum ,Weiter-Buttom‘ seien die Grundbedingungen des Angebotes erläutert.“ Auf die Sekunde genau wird aufgeführt, wann der „Weiter-Buttom“ angetippt wurde, der dann auf die zweite Bestell-Seite geführt habe, wo nochmals darauf hingewiesen würde, dass die Abrechnung über die Mobilfunknummer erfolge.

Alles rechtens also, behauptet die Cellfish GmbH, die den „Watch it-Dienst“ bereitgestellt hat, und bedankt sich artig für die „Reklamation, die eine Chance sei, den Service stetig zu verbessern“. Immerhin: Die Kündigung von Petra Nickel wurde bestätigt.

Natürlich war die Burgkirchnerin damit noch nicht zufrieden: „Ich wollte auf jeden Fall die zu Unrecht erhobenen Beträge zurückerstattet bekommen.“ Sie übergab die Sache ihrem Anwalt. „Watch it“ erklärte schließlich in Reaktion auf das Anwaltsschreiben, dass der Gesamtbetrag der erhobenen Kosten „aus Kulanz erstattet“ werde.

Petra Nickel ärgert sich trotzdem über die Unverfrorenheit dieser Betrugsmasche. „Mittlerweile weiß ich, wie man sich solchen Ärger sparen kann: Man sollte sich unbedingt eine Drittanbieter-Sperre auf seinem Handy einrichten lassen. Aber darüber wird man in der Regel nicht von seinem Mobilfunkanbieter informiert und die meisten Verbraucher wissen gar nicht, dass es so was gibt“, sagt sie.

Wer sich eine Drittanbietersperre einrichten lassen will, wendet sich einfach an seinen Mobilfunkanbieter. Das geht online im Kundenbereich, per Hotline oder auch per Brief.

Drittanbietersperre schützt vor dieser Betrugsmasche

Die Verbraucherzentrale hält auf ihrer Homepage Musterbriefe zur Drittanbietersperre, zum Stoppen von Abos und der Beitragsrückforderung bereit.

Sie verweist darauf, dass auch eine Teilsperrung eingerichtet werden kann, wenn man auf bestimmte Dienste von Drittanbietern nicht verzichten möchte. Wichtig ist auch, dass eine Drittanbietersperre lediglich den Bestell- und Zahlungsweg über die Mobilfunkrechnung unterbindet. Das „Mobile Payment“ - das Zahlen per Smartphone - wird durch die Drittanbietersperre nicht gesperrt, so die Verbraucherschützer.

Übrigens: Die Betrüger kommen nur an die Handydaten, wenn man über das Handynetz ins Internet geht. Surft man per W-Lan, ist diese Masche wirkungslos.


0 Kommentare