24.01.2019, 10:42 Uhr

Wie die Polizei nach Vermissten sucht Wenn Menschen plötzlich spurlos verschwinden

Der Winhöringer Daniel Philibert und die Burghauserin Stefanie Zimmermann werden immer noch vermisst. (Foto: Polizei Bayern)Der Winhöringer Daniel Philibert und die Burghauserin Stefanie Zimmermann werden immer noch vermisst. (Foto: Polizei Bayern)

Ein Burghauser Vermisstenfall hat sich nach 10 Jahren aufgeklärt. Nach zwei vermissten Landkreisbürgern wird weiter gefahndet

LANDKREIS. Kommissar Zufall kam der Polizei bei der Suche nach dem seit 2008 Burghauser E. zu Hilfe. Ein Spaziergänger entdeckte am 23. Dezember menschliche Gebeine im Wald bei Mehring. Die rechtsmedizinische Untersuchung brachte Klarheit: Der seit zehn Jahren vermisste Burghauser war schon lange tot.

Auf ihrer Homepage listet die Bayerische Polizei Vermisste mit Foto und Daten ihres Verschwindens auf (www.polizei.bayern.de/oberbayern/fahndung/personen/).

Darunter zwei Personen aus unserem Landkreis: Der seit 30. April 2018 vermisste Winhöringer Daniel Philibert (33), der als Autist auf Hilfe angewiesen ist und mit einem blauen Skoda Fabia, Kennzeichen AÖ-WL 1952 unterwegs war. Und die im Januar 2013 spurlos verschwundene Burghauserin Stefanie Zimmermann, damals 44 Jahre alt. Ihr Auto hatte man an einer Brücke in Bad Reichenhall unversperrt aufgefunden. Nach diesen beiden Vermissten sucht die Polizei noch immer und nimmt Hinweise entgegen.

Auf die Internet-Suchliste der Polizei wandern Vermisste nicht sofort – außer es handelt sich um Kinder oder hilfsbedürftige Erwachsene. „Da wird die Polizei sofort mit Suchaktionen tätig“, erklärt Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd (siehe Bericht „Bub verzweifelt gesucht“ auf dieser Seite). Auch nach selbstmordgefährdeten Personen wird sofort gesucht – allerdings nicht gleich mit einer Öffentlichkeitsfahndung.

Die Suche nach verschwundenen Erwachsenen wird in der Regel erst nach rund 24 Stunden eingeleitet. Und auch dann nur, wenn es plausibel erscheint, dass ihnen etwas zugestoßen sein könnte oder sie sich selbst gefährden könnten. Denn, so der Pressesprecher: „Jeder Erwachsene kann auch mal das Bedürfnis nach Ruhe haben und sich ausklinken.“ Nicht schön für die Angehörigen. Aber wer volljährig ist, kann nun mal tun, was er will.

Erste Anlaufstelle für eine Vermisstenmeldung ist die nächste Polizeistation. Nach Erwachsenen wird von der Polizei zuerst bei Bekannten, Taxis und Krankenhäusern geforscht, Polizeistreifen halten die Augen offen. Kehrt jemand z.B. von einer Bergtour nicht zurück, werden schnell größere Suchmaßnahmen mit Bergwacht usw. eingeleitet.

Rund die Hälfte der Vermisstenfälle erledigt sich innerhalb einer Woche. Falls nicht, übernimmt die Kriminalpolizei die Ermittlungen und weitet die Suchaktion mit Öffentlichkeitsfahndung und Suchbild aus.

Dabei muss keiner der Gesuchten oder deren Familie fürchten, die Kosten für noch so aufwändige Suchmaßnahmen aufgebrummt zu bekommen. „Es ist Aufgabe der Polizei, Menschen in Not zu helfen“, so Sonntag. Anders sieht es aus, wenn jemand die Suche nach sich mit einer bösartigen Täuschung provoziert – aber das kommt fast nie vor.

Im Jahr 2018 gab es im Landkreis drei Vermisstenfälle, bei denen die Polizei um Veröffentlichung der Suchmeldung bat. Alle drei endeten mit dem fast unversehrten Wiederauftauchen der Personen. Eine Suchaktion in Töging mit Kräften von Polizei, Feuerwehr, Wasserwacht und Hubschrauber, endete überraschend – der Gesuchte wurde im Freibad entdeckt.

Zum 24. Dezember 2018 meldete das Landeskriminalamt 2.150 vermisste Menschen in Bayern. Darunter 1.045 Kinder und Jugendliche.


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