26.06.2018, 15:30 Uhr

Prozess vor dem Landgericht Traunstein Ausgetickt und zugeschlagen: Arzt wird Fall für die Psychiatrie

Für den psychisch kranken Arzt wurde die Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet. (Foto: Unterhauser)Für den psychisch kranken Arzt wurde die Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet. (Foto: Unterhauser)

Der Richter in der Urteilsbegründung: „Weitere erhebliche Delikte zu erwarten“

TRAUNSTEIN/ALTÖTTING. Jahrelang hatte der Arzt (60) seine Patienten versorgt. Dann rastete der psychisch Kranke im Klinikum Traunstein, in einer Altöttinger Wohnung und im Bezirksklinikum Gabersee aus. Er ging auf Personen los, verletzte und beleidigte sie.

Polizisten beschimpft und gebissen

Der 60-Jährige quartierte sich im November 2017 bei einer Bekannten in Altötting ein. Ihre Aufforderung zu gehen ignorierte er und schrie laut herum. Die Frau rief die Polizei. Vier Beamte der Inspektion Altötting empfing der Mediziner mit massiven Schimpfworten. Mit aller Kraft wehrte er sich, zurück in ein Pflegeheim gebracht zu werden. Auch dort führte er sich so aggressiv auf, dass ihn die Einrichtung nicht mehr nehmen wollte. Er leistete heftigen Widerstand, biss einen Polizeibeamten in den Finger und verletzte einen durch einen Schlag ins Gesicht.

Im Dezember erschien er, um eine Daumenverletzung behandeln zu lassen, im Klinikum Traunstein. An der Information warf er mehrere Gegenstände nach einem Bediensteten. Ein anderer Klinikmitarbeiter erntete böse Ausdrücke und Schläge mit dem Gipsarm des Mediziners. Eine Nasenprellung, Schmerzen und ein abgebrochener Zahn waren die Folgen. +Als die Polizei eintraf, gingen die Beleidigungen und Schläge mit dem Gipsarm weiter.

Auf Bescheid des Landratsamts Traunstein sollte der Arzt danach von Rettungssanitätern unter Polizeibegleitung in das Krankenhaus Gabersee transportiert werden. Auf der Fahrt warf er dem Sani sein Handy an den Hals. Das Gerät traf dessen Kehlkopf, dem Mann wurde übel und schwindlig. In Gabersee gingen die Schimpftiraden und Drohungen gegenüber Sanitätern und Polizei weiter.

Laut Gutachter gab es 1993 erste Anzeichen für eine psychische Erkrankung. Sie brach aus und verschwand wieder. Hinzu kamen eine Alkoholproblematik und eine „Persönlichkeitsakzentuierung“ mit aggressiven Zügen. Entsprechende Medikamente setzte der 60-Jährige 2015 wegen der Nebenwirkungen endgültig ab. Ein dutzend Mal musste er sich seither in stationäre Behandlung begeben. Zu den Tatzeiten im November und Dezember 2017 flammte die Erkrankung wieder auf, gepaart mit Reizbarkeit und Aggressionen. Zudem spielte stets Alkohol eine Rolle.

Gefährlich für die Allgemeinheit

Der Arzt sei bei allen Taten nicht ausschließbar schuldunfähig gewesen und könne deshalb nicht bestraft werden, hob der Richter im Urteil heraus. Eine Unterbringung habe zu erfolgen, wenn ein Täter wegen seines Zustands für die Allgemeinheit gefährlich sei und unbehandelt erhebliche Delikte zu erwarten seien.

Der Richter erinnerte an die „gefährlichen Angriffe“ gegenüber dem Rettungssanitäter und dem Zeugen im Klinikum Traunstein. Gott sei Dank seien die Verletzungen nicht allzu gravierend: „Es hätte aber auch alles ganz anders ausgehen können.“

Wenn die Entlassungssituation gesichert sei, könne der 60-Jährige zeitnah auf Bewährung entlassen werden.


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